HEALTH ECONOMY
Kreative Ideen helfen © APA/dpa/Julian Stratenschulte

Autohersteller in Deutschland und Italien wollen bei der Produktion von wichtigen Medizinprodukten jetzt aushelfen.

© APA/dpa/Julian Stratenschulte

Autohersteller in Deutschland und Italien wollen bei der Produktion von wichtigen Medizinprodukten jetzt aushelfen.

Redaktion 27.03.2020

Kreative Ideen helfen

Autohersteller produzieren Beamtungsgeräte, Textilfirmen erzeugen Atemmasken, Schnapsbrenner Desinfektionsmittel.

••• Von Katrin Pfanner

WIEN/BREGENZ/BERLIN. Die Krise macht erfinderisch: Immer mehr Hersteller nutzen die Coronakrise, um ihre Produktion für dringend benötigte Schutzausrüstung oder medizinische Produkte, wie Beatmungsgeräte umzustellen. Die deutsche Automobilindustrie sucht etwa nach Möglichkeiten, medizintechnische Geräte zur Bekämpfung der Coronapandemie herzustellen.

„Die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie wollen ihren Beitrag dazu leisten, die aktuelle Krise schnell und erfolgreich zu bewältigen”, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller in Berlin.
Volkswagen und BMW erklärten sich bereit, mithilfe von 3D-Druckern Bauteile für Beatmungsgeräte herzustellen. Der Autobauer Fiat Chrysler (FCA) wird in einem seiner italienischen Produktionswerke Atemschutzmasken herstellen.

Zulassung als Hürde

Mehrere Unternehmen der Vorarlberger Textilindustrie wiederum haben sich zusammengetan, um Schutzmasken zu produzieren. Nach Koordination durch die Wirtschafts-Standort GmbH und die „Smart Textiles-Plattform” haben der Textilveredler Grabher Group, der Bandhersteller Bandex, Getzner Textil, die Stickerei Hämmerle, das Unternehmen tecnoplast und der Strumpfhersteller Wolford mit der Produktion von Atemschutzmasken begonnen.

Vorerst werden einfache Masken produziert, man arbeite aber an einer Zertifizierung für FFP2 und FFP3-Masken, sagt Bandex-Geschäftsführer Johann Schallert.
Eine Hürde stelle noch die für Medizinprodukte nötige und in Österreich fehlende Zertifizierungsstelle dar. Philipp Lindinger, Geschäftsführer des Medizinprodukteverbands, weiß um das Problem – man habe schon im Herbst den Antrag auf eine neue Stelle gestellt, sagt er. Die Umsetzung und Qualifizierung dauert aber rund 18 Monate. Allerdings habe die EU-Kommission alle Länder angewiesen, der Zulassung wichtiger Produkte jetzt Vorrang einzuräumen.
Edelbrand-Hersteller in Vorarlberg und Oberösterreich haben auch damit begonnen, Desinfektionsmittel herzustellen. Auch der Zuckerriese Agrana stellt die Produktion um und beliefert Desinfektionshersteller mit wichtigen Rohstoffen.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL