HEALTH ECONOMY
Mehr Impfdosen, aber viele offene Fragen © APA/Georg Hochmuth

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sieht Österreich trotz allem gut gerüstet.

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Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sieht Österreich trotz allem gut gerüstet.

Redaktion 19.03.2021

Mehr Impfdosen, aber viele offene Fragen

Biontech/Pfizer liefern mehr Impfungen. Dazu kommen Dosen von ­Janssen. Doch die Politik patzt – und beschädigt so das Image von Impfstoffen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Österreich und die EU haben bei den Corona-Impfstoffen stark auf jene von AstraZeneca gesetzt. Das war im Vorjahr, als viele Firmen noch forschten, aber unklar war, wer das Rennen gewinnt, logisch: AstraZeneca setzte auf eine bewährte ­Technologie, garantierte Produktionskapazitäten und einen niedrigen Preis. Parallel wurde möglichst viel bei allen Entwicklern vorbestellt, um das Risiko zu streuen.

Falsche Strategie

Doch dann hat man sich diese Strategie selbst abgeschossen. Den Höhepunkt gab es Ende der Woche: Zahlreiche Regierungen stoppten die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff nach Meldungen über Thromboembolien, obwohl Wissenschafter, die WHO und die Europäische Arzneimittelbehörde erklärten, dass die Wahrscheinlichkeit bei etwa zwei zu einer Mio. liege. Das Risiko, eine Thrombose zu bekommen – etwa durch die Einnahme der Pille bei Frauen –, sei deutlich höher. Das Risiko, ohne Impfung an Covid-19 zu erkranken und daran zu versterben, ist etwa 10.000 Mal höher. Die Skepsis in der öffentlichen Wahrnehmung hat die Politik selbst geschürt, als etwa Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Februar erklärte, der Impfstoff wirke vermutlich wenig gegen Viren-Mutanten.

Zudem wurde in der Bevölkerung der Verdacht gestärkt, dass es mit der Verteilung nicht mit rechten Dingen zugeht und man auf Billigprodukte gesetzt habe. Basis waren die jüngsten Kurz-Hinweise, dass die EU Impfstoffe ungleich verteilt, und nach dem Hinweis, dass Österreich selbst federführend die Verteilung mitgestaltet, dass ein führender Beamter an der Regierung vorbei zu wenig Impfstoff bestellt hat. Zu Wochenmitte wurde deshalb kräftig zurückgerudert: Österreich bekomme jetzt doch mehr Impfstoffe, heiß es am Dienstag aus dem Gesundheitsministerium. Biontech/Pfizer liefern 2 Mio. Dosen mehr an die EU – das bringt Österreich etwa 200.000 Dosen mehr. Zusätzlich wurden die ersten 687.000 Dosen von Johnson & Johnson für das zweite Quartal für Österreich angekündigt. Am Mittwoch erklärte der Kanzler dann, dass sich die EU aufgrund seines Einsatzes bewege und neue Lösungen suche.

Impfbereitschaft wackelt

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte, dass bis Ende des zweiten Quartals bei Einhaltung aller Lieferverpflichtung mehr als 4,6 Mio. Menschen oder rund 63% aller Erwachsenen in Österreich einen Impfschutz erhalten. Insgesamt habe Österreich mehr als 30 Mio. Impfdosen bestellt. Das sollte reichen – wenn die Impfbereitschaft da ist. Doch die hat einen kräftigen Dämpfer erlitten.

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