HEALTH ECONOMY
ÖGK und Ärzte streiten über Versorgungslücken © APA/dpa/Frank Rumpenhorst
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Redaktion 10.09.2021

ÖGK und Ärzte streiten über Versorgungslücken

Der Rechnungshof ortet immer mehr unbesetzte ­Ordinationen. Die Gesundheitskasse ÖGK sucht nun Lösungen.

••• Von Kartrin Pfanner

WIEN. Kassenverträge werden bei niedergelassenen Ärzten immer unbeliebter. Der private Markt mit Privatversicherungen ist angesichts von dort rund 2,7 Mio. Versicherten attraktiv, verspricht gleich viel Einnahmen in kürzerer Zeit. Bürokratie und unflexible Möglichkeiten sowie die bereits angelaufene Pensionierungswelle bei Hausärzten führen dazu, dass immer mehr Kassenstellen unbesetzt sind.

Kritik des Rechnungshofs

Konkret waren in Österreich laut einer neuer Analyse des Rechnungshofs (RH) Ende 2019 rund 4,6% aller Planstellen für Kassenärzte unbesetzt. Kritik übte der RH nun an der Datenlage: Vermisst wurde eine systematische Erhebung der Bedürfnisse der Patienten, und bei der Umsetzung der Primärversorgungseinrichtungen hapert es laut RH ebenso. Kritik übt er daran, dass der „Österreichische Strukturplan Gesundheit” zwar für die 35 Versorgungsregionen einen Richtwert zur Ärzteversorgung festlegt. Die Treffgenauigkeit sei jedoch gering, „weil sie regional nicht ausreichend differenziert waren, eine große Bandbreite von plus minus 30 Prozent aufwiesen und auch nicht auf Versorgungszielen basierten”.

Die Planung ließ nach Ansicht der Prüfer auch offen, ob zusätzliche Planstellen nötig waren oder eine höhere Auslastung ausreichte. Der fünfjährige, rollierende Planungszeitraum habe keine Soll-Ist-Vergleiche ermöglicht, die Planung auf Ebene der Versorgungsregionen sei für die Allgemeinmedizin zu unspezifisch gewesen. Verbindliche Versorgungsaufträge seien nicht festgelegt gewesen. „Der Rechnungshof beurteilt die Daten – von Gesundheitsministerium, Krankenversicherungsträgern, Dachverband und Österreichischer Ärztekammer – als nicht geeignet, um das Angebot der ärztlichen Leistung im niedergelassenen Bereich valide zu erfassen”, teilte der RH mit. Der RH erhob deshalb zusammen mit der ÖGK die Daten schließlich selbst. Der RH erkannte an, dass die Gebietskrankenkassen und nun die ÖGK Maßnahmen setzten, um die Stellen attraktiver zu machen, diese seien aber uneinheitlich. „Der Rechnungshof empfiehlt daher der ÖGK, eine Strategie zur Besetzung von Planstellen zu entwickeln, dazu gezielte Maßnahmen (wie die Flexibilisierung von Rahmenbedingungen) vorzusehen und diese nach regionalen Bedürfnissen anzuwenden”, heißt es.

Kassen legen Konzepte vor

Zur Attraktivierung von Kassenarztstellen kann sich die ÖGK vorstellen, eigene Primärversorgungszentren zu betreiben, sagte Obmann Andreas Huss. Er könne sich „sehr gut vorstellen, dass die ÖGK auch eigene Primärversorgungszentren führt, dass wir sozusagen als Unternehmer auftreten und in diesen Zentren auch Ärztinnen und Ärzte anstellen”.

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