HEALTH ECONOMY
Preisdruck steigt © PantherMedia/Kzenon

Liegt der Preis von Kassenmedikamenten unter der Rezeptgebühr, verrechnen Apotheken Patienten den niedrigeren Preis.

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Liegt der Preis von Kassenmedikamenten unter der Rezeptgebühr, verrechnen Apotheken Patienten den niedrigeren Preis.

Martin Rümmele 25.10.2018

Preisdruck steigt

Eine Studie zeigt, dass mehr als 40% aller Medikamente beim Preis unter der Rezeptgebühr der Kassen liegen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Für Arzneimittel, deren Preis unterhalb der Rezeptgebühr liegt, stehen den Gebietskrankenkassen teilweise keine Abrechnungsdaten mehr zur Verfügung. Der Grund: Patienten zahlen diese Produkte privat, da der Preis eben niedriger ist als der sonst zu zahlende Selbstbehalt in Form der Rezeptgebühr. Vom Marktforschungsunternehmen IQVIA bei knapp 500 öffentlichen Apotheken erhobene Daten erlauben nun erstmals einen genauen Einblick in die Verordnungsdynamik dieser Arzneimittel. Sie zeigen, dass im Schnitt bereits ein Drittel der erstattungsfähigen Arzneimittel von Österreichs Patienten privat bezahlt wird. Bei manchen Arzneimitteln wie Pantoprazol-haltigen Medikamenten beträgt der Anteil bereits 75%.

Demnach lag heuer im Monat Juli der Krankenkassenpreis von 41,1% aller erstattungsfähigen Produkte unter der Rezeptgebühr von 6 € und wurde daher, falls der Patient nicht rezeptgebührenbefreit war, privat bezahlt. 9,1% waren bei einem Preis, der unter der Rezeptgebühr liegt, rezeptgebührenbefreit. Zieht man diesen Anteil von den sogenannten niedrig­preisigen Medikamenten ab, liegt der Anteil aller erstattungsfähigen Einheiten, die von den Patienten privat bezahlt wurden, bei 32%. Das war im Monat Juli also jener Anteil an erstattungsfähigen Arzneimittelpackungen, der von den Apothekern nicht mit den Krankenkassen verrechnet wird und somit auch nicht in die Taxierung, die zur Beurteilung einer Rezeptgebührenbefreiung herangezogen wird, einfließt.

Hohe Selbstbehalte

Betrachtet man die abgegebenen Einheiten bei Clopidogrel, Simvastatin und Pantoprazol-haltigen Arzneimitteln, die von sehr vielen Patienten in der Regel über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, errechnen sich bei allen drei Wirkstoffen Anteile an rezeptgebührenbefreiten Einheiten von 20 bis 25%. Bei Pantoprazol-haltigen Arzneimitteln beträgt der von den sozialversicherten Patienten privat bezahlte Anteil sogar 75,3%, rechnet das Martforschungsunternehmen vor. Das Beispiel zeigt, wie hoch der Preisdruck aktuell auf die Pharmaindustrie ist und wie groß der Anteil der Selbstbehalte ist.

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