HEALTH ECONOMY
Preisspirale nach unten stoppen © Novartis/APA-Fotoservice/Roßboth

VerunreinigungChinesische Nachahmer-Wirkstoffe für einen Blutdrucksenker sorgen für Debatten. Novartis Manager Chinmay Bhatt sieht den Preisdruck als Hintergrund.

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VerunreinigungChinesische Nachahmer-Wirkstoffe für einen Blutdrucksenker sorgen für Debatten. Novartis Manager Chinmay Bhatt sieht den Preisdruck als Hintergrund.

Redaktion 31.08.2018

Preisspirale nach unten stoppen

Novartis Pharma-Manager Chinmay Bhatt betont, dass sein Unternehmen vom jüngsten Rückruf nicht betroffen ist.

WIEN. Die Verunreinigung eines Blutdrucksenkers in einer chinesischen Wirkstoffproduktion sorgt für Debatten. medianet nahm dies zum Anlass und sprach mit dem Österreich-Manager des Originalherstellers Novartis über die Hintergründe.

medianet: Was sind für Sie die Ursachen für derartige Probleme? Gibt es ein strukturelles Problem der Branche?
Chinmay Bhatt: Ich kann hier nicht über Ursachen spekulieren. Für uns ist es am wichtigsten, den Patienten schnell Sicherheit zu geben. Als Originalhersteller von Valsartan haben wir rasch an Ärzte, Apotheker, Behörden und Betroffene kommuniziert. Unsere Valsartan-haltigen Medikamente wie Entresto, Exforge, Exforge HCT, Diovan oder Co-Diovan entsprechen allen Qualitätskriterien. Wir produzieren unseren Wirkstoff Valsartan in Europa.

 

medianet: Wie lässt sich so etwas künftig verhindern? Ärzte fordern, die Produktion zurück nach Europa zu verlagern ...
Bhatt: Der Preisdruck auf Medikamente durch die Gesundheitssysteme ist viel höher als bekannt. Dies trifft besonders auf jene Arzneimittel zu, deren Patentschutz ausgelaufen ist – wie etwa Valsartan. Generell gibt es viele Medikamente, die deutlich unter der Rezeptgebühr abgegeben werden. Dass die Hersteller in diesen Fällen versuchen, die Kosten für die Produktion zu senken, ist nicht verwunderlich. Um die Produktion in Europa zu halten, sollten die negative Preisspirale durchbrochen und die Rahmenbedingungen verbessert werden.

medianet: Novartis ist aktuell nicht betroffen, die Tochter Sandoz aber schon. Warum?
Bhatt: Das Hauptaugenmerk von Sandoz als Arzneimittelproduzent ist die Entwicklung und Herstellung von fertigen Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist, nach hohen Qualitätsstandards. Dazu bezog Sandoz für die vom Rückruf betroffenen Märkte, darunter Österreich, den Wirkstoff aus einer anderen Produktion. Es kann ausgeschlossen werden, dass Valsartan-haltige Produkte der Novartis Pharma betroffen waren. Diese werden in unseren Werken in Europa produziert und sind nicht von der synthesebedingten Verunreinigung erfasst; sie waren und sind für Österreichs Patienten verfügbar.

medianet: Novartis könnte in der Versorgung für andere Hersteller einspringen? Geht sich das kapazitätsmäßig aus?
Bhatt: Unsere Novartis Valsartan-Produktpalette ist lieferfähig. Wir haben es geschafft, mehr Ware ab August zu erhalten. (red)

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