HEALTH ECONOMY
Privatkliniken drängen auf mehr Fairness © Richard Tanzer / Montage: B. Schmid
© Richard Tanzer / Montage: B. Schmid

Ina Karin Schriebl 15.09.2017

Privatkliniken drängen auf mehr Fairness

Wahlserie: Julian Hadschieff, Sprecher der Privatkliniken, fordert gleiches Geld für gleiche Leistung im System.

••• Von Ina Karin Schriebl

WIEN. Die Privaten Krankenanstalten wünschen sich von den wahlwerbenden Parteien und einer späteren Regierung sowohl mehr Fairness wie auch eine Vereinfachung, sagt Julian M. Hadschieff, Obmann des Fachverbands der Gesundheitsbetriebe, Wirtschaftskammer Österreich. „Fairness heißt für uns, dass alle Anbieter von Gesundheitsleistungen für die gleiche Leistung auch das gleiche öffentliche Entgelt bekommen. Heute erhalten beispielsweise öffentliche oder sozialversicherungseigene Einrichtungen für die Erbringung einer Leistung deutlich höhere Tarife als private Anbieter.” Auch Quersubventionierungen und Beihilfen für einzelne Anbieter seien unter diesem Aspekt abzulehnen. Ein weiterer Reformwunsch geht in Richtung Vereinfachung und betrifft die Gesetzgebung im Krankenanstalten- und Pflegerecht, fordert Hadschieff.

Derzeit bestehen zehn Krankenanstaltengesetze (ein Bundesgesetz und neun Landesausführungsgesetze), ebenso neun verschiedene Landesgesetze für die Pflege. Eine derart starke Aufsplitterung sei wenig effizient und zweckmäßig; der Fachverband fordert daher zur Vereinfachung der Verwaltung eine bundesweit einheitliche Gesetzgebung sowohl im Krankenanstalten- wie auch im Pflegerecht.

Ideologiefreie Debatte

Von den Parteien wünscht sich Hadschieff, dass sie ohne ideologische Brille und mit Reformwillen darauf schauen, wie die langfristige Leistungsfähigkeit und Leistbarkeit des Gesundheitssystems erhalten werden kann. „Dazu muss es möglich sein, neue und andere Modelle durchzudenken und ohne Scheuklappen zu diskutieren. Der Staat muss nicht alle Gesundheitsleistungen selbst erbringen – er muss nur dafür sorgen, dass ein entsprechendes Leistungsspektrum qualitätsgesichert zur Verfügung steht, dass das System effizient arbeitet und dass alle Bürger einen freien Zugang zu einer guten Grundversorgung haben”, stellt der Obmann klar.Um auch in Zukunft die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems sicherzustellen, müsste die künftige Regierung den Mut haben, wichtige Reformen rasch anzugehen und auf den Weg zu bringen. „Für ganz essenziell halte ich ein gesamthaftes Verständnis für Gesundheit im Sinne von ‚health in all policies' – Gesundheit ist für uns alle ein so wichtiges Thema, das muss im Bildungsbereich genauso mitgedacht werden – Stichworte Vorsorge, gesunde Ernährung, Sport – wie im Sozialbereich und in vielen anderen Materien. Aber nicht nur der Staat ist hier gefordert –gerade im Bereich der eigenen Gesundheit liegt es auch an jedem Einzelnen, eigenverantwortlich zu einem gesunden Lebensstil beizutragen. Nur so können wir die Anzahl der gesunden Lebensjahre sukzessive steigern.”

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