HEALTH ECONOMY
Spitäler: Umfrage zeigt Personalmangel auf © PantherMedia/PongMoji
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Redaktion 10.05.2019

Spitäler: Umfrage zeigt Personalmangel auf

Die Ärztekammer ortet in Wien einen wachsenden Druck auf das Personal. Auch die IT-Ausstattung sei lückenhaft.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Wiens Spitäler und damit die Versorgung sind nach Ansicht der Ärzte in Gefahr. Eine im April durchgeführte Umfrage unter allen Wiener Spitalsärzten zeigt demnach, wie prekär die Lage in den Spitälern tatsächlich derzeit ist. Trotz Änderungen im Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz gibt es nach wie vor große Probleme, welche die Arbeit der Ärzte massiv erschweren und immer weniger Zeit für die Patienten erlauben, kritisiert die Ärztekammer.

Umfrage zeigt Lücken

Für 86% der Wiener Spitalsärzte hat sich laut der Umfrage die Arbeit in den vergangenen Jahren verdichtet. Knapp 82% im städtischen Spitalsverbund KAV empfinden, dass sie zu wenig Zeit für ihre Patienten haben, nur knapp 5% haben ausreichend Zeit. Etwa 85% der KAV-Ärzte gaben an, dass es an ihrem Arbeitsplatz zu wenig Personal gebe. Für den Vizepräsidenten und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, Wolfgang Weismüller, haben sich damit „unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt, der Trend geht ganz klar nach unten”. Auch das neue Krankenhaus Nord werde nicht zur Entlastung beitragen, erklärt Weismüller: „Die Personalbedarfsberechnung der Generaldirektion des KAV ist schlichtweg falsch.”

Unzufrieden zeigen sich die Ärzte aber nicht nur mit der Personalausstattung, sondern auch mit der Infrastruktur in den Wiener Spitälern: 41% sind nicht zufrieden mit der baulichen Ausstattung. Mit der IT-Ausstattung am Arbeitsplatz sind sogar 53% unzufrieden. Kritik kommt auch an der wachsenden Bürokratie. Die Ärztekammer fordert nun einen Krisengipfel mit allen Verantwortlichen.
Doch nicht nur in Wien brodelt es – auch in Niederösterreich steigt offenbar der Druck. Ärzte- und Arbeiterkammer forderten am Montag, beim inzwischen 9. Tag der Gesundheitsberufe, Maßnahmen zur Attraktivierung im Gesundheits- und Sozialbereich, um den wachsenden Personalmangel zu beheben. Es sei dringend notwendig, „den Gesundheitsberufen mehr Gestaltungsfreiheit am Arbeitsplatz und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und familiären Aufgaben einzuräumen”, sagt die Vizepräsidentin der AK-Niederösterreich, Gerda Schilcher: „Die alternde Gesellschaft stellt uns vor Aufgaben, die zwar oft genug beschrieben, aber noch lange nicht gelöst sind.” 

Doch keine Schließung in Tirol

Die Kritik an Plänen zur Schließung von Spitalskapazitäten hat in Tirol wiederum zu einem Umdenken geführt: Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) rudert hinsichtlich der geplanten Schließung des Krankenhauses Natters zurück: Der Standort nahe Innsbruck soll auch künftig für die medizinisch-pflegerische Versorgung erhalten bleiben.

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