HEALTH ECONOMY
Streit um Impfstoff © APA/AFP/Pool/Russell Cheyne/Montage B. Schmid

Die EU hat im Vorjahr bereits an Hersteller bezahlt, um Impfstoffe vorzuproduzieren. Jetzt gibt es Streit über Verzögerungen.

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Die EU hat im Vorjahr bereits an Hersteller bezahlt, um Impfstoffe vorzuproduzieren. Jetzt gibt es Streit über Verzögerungen.

Redaktion 29.01.2021

Streit um Impfstoff

Aufregung herrscht in ganz Europa über Verzögerungen bei zugesagten Lieferungen von Corona-Impfdosen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN / BRÜSSEL. „Wir haben immer gewusst, dass das Tempo der Impfungen in der EU und Österreich von dem Termin der Marktzulassungen der einzelnen Produkte sowie von Lieferterminen und Liefermengen abhängig ist”, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zu Wochenbeginn. Doch dass es teilweise zu deutlichen Verzögerungen kommt, war dann doch zu viel. Der Lieferumfang der potenziellen Corona-Impfung von AstraZeneca wird zu Beginn niedriger ausfallen als erwartet.

Weniger Impfdosen

Anschober erwartet ab dem 7. Februar erste Lieferungen des AstraZeneca-Impfstoffs. Beim Steering Board Meeting zur EU-Impfstoffbeschaffung hat der CEO von AstraZeneca laut einer Aussendung des Gesundheitsministerium bekannt gegeben, dass die Zulassung des Impfstoffs voraussichtlich Ende dieser Woche erfolgen soll. In diesem Fall kann im Februar in drei Tranchen Impfstoff nach Österreich geliefert werden: Am 7. Februar 63.354, am 17. Februar 97.763 und Ende Februar 182.430 Dosen. Insgesamt kommen im Februar „also 343.547 Dosen Impfstoff von AstraZeneca nach Österreich”, hieß es. Ursprünglich hatte man 600.000 Dosen erwartet. Laut Gesundheitsministerium hätte AstraZeneca nach Angaben der Europäischen Kommission bereits seit dem verbindlichen Vertragsabschluss Impfstoff für die EU-27 auf Vorrat fertigen müssen. „Die EU-Verträge mit den Impfstoffherstellern sind rechtlich bindend. Hier geht es um sehr viel und vor allem um Zeit und Planbarkeit”, sagte ­Anschober.

EU macht Druck

Wegen der Knappheit bei Corona-Impfstoffen will die EU künftig alle Exporte einer Erfassung und Genehmigung unterziehen. Der britisch-schwedische Konzern hatte am Freitag mitgeteilt, nach der für diese Woche erwarteten Zulassung zunächst weniger Impfstoff als geplant an die EU liefern zu wollen. Statt 80 Mio. Impfstoffdosen sollen bis Ende März nur 31 Mio. eingeplant sein. Die EU-Kommission hatte im August mit der Firma einen Vertrag über bis zu 400 Mio. Dosen geschlossen und nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag dafür bezahlt, die Produktion schon vor der EU-Zulassung hochzufahren.

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