HEALTH ECONOMY
Streit um Patente © APA/AFP/Rajesh Jantilal

Der IWF, die WHO und NGOs drängen darauf, dass Corona-Impfstoffe global verfügbar sind, um Mutationen zu verhindern.

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Der IWF, die WHO und NGOs drängen darauf, dass Corona-Impfstoffe global verfügbar sind, um Mutationen zu verhindern.

Redaktion 05.11.2021

Streit um Patente

Die Welthandelsorganisation diskutiert über Patente für Corona-Impfstoffe. MSD stellt ein Medikament patentfrei.

••• Von Katrin Pfanner

WIEN/GENF. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die führenden Wirtschaftsnationen zu mehr Einsatz für die globale Covid-19-Impfkampagne aufgefordert. Falls die Pandemie nicht eingedämmt werde, könnte die globale Wirtschaftsleistung auf die nächsten fünf Jahre betrachtet um 5,3 Billionen USD geringer ausfallen, warnte der IWF. Während in reichen Ländern heute schon rund 70% geimpft sind, fällt die Quote in armen Ländern auf drei Prozent.

Weitere Verhandlungen

Die Industrie sieht den Handlungsbedarf bei den Staaten, die für eine bessere Verteilung sorgen müssen. Doch viele sehen den Part bei der Industrie und drängen auf eine Aufhebung der Patente. Nach den USA hat sich am Wochenende auch China der Forderung von bisher bereits 100 Staaten angeschlossen. Im Kampf gegen die Coronapandemie hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping beim G20-Gipfel für Ausnahmen bei den Patenten für Impfstoffe geworben. Vor allem die EU sträubt sich noch dagegen. Die Welthandelsorganisation WTO will im November erneut über den Vorschlag beraten. Die G20-Staaten wollen lokale Herstellungskapazitäten unterstützen, indem Drehscheiben für Technologietransfer in verschiedenen Regionen gefördert werden. Genannt werden neu gegründete regionale Zentren in Südafrika, Brasilien und Argentinien.

Hersteller lässt Generika zu

Für Überraschung sorgt nun der US-Pharmariese Merck & Co (MSD), der eine Lizenzvereinbarung für die Herstellung von Generika seines Medikaments gegen Covid-19 abgeschlossen hat. Das Abkommen mit dem von der UNO unterstützten Medicines Patent Pool (MPP) solle 105 Schwellen- und Entwicklungsländern Zugang zu dem oral einzunehmenden Arzneimittel Molnupiravir ermöglichen, teilten der Konzern und MPP mit. Demnach könnten von MPP ausgewählte Hersteller generische Versionen produzieren.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA prüft derzeit eine Notzulassung für das Medikament, das Merck zusammen mit Ridgeback Biotherapeutics entwickelt hat. Einer klinischen Studie zufolge könnte es bei frühzeitiger Verabreichung das Risiko von schweren Erkrankungen und Tod durch eine Covid-19-Infektion halbieren.

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