HEALTH ECONOMY
Streit um Privatuni © Paracelsus Universität/Wild+Team

Die private Salzburger Medizinuni PMU soll öffentliche Mittel erhalten, um zusätzliche Ausbildungsplätze anzubieten.

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Die private Salzburger Medizinuni PMU soll öffentliche Mittel erhalten, um zusätzliche Ausbildungsplätze anzubieten.

Martin Rümmele 15.12.2017

Streit um Privatuni

Bund kauft Studienplätze an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU); Kritik kommt von öffentlichen Unis.

••• Von Martin Rümmele

SALZBURG. Der Bund kauft befristet Studienplätze an der ­Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg. Insgesamt sollen für je 25 Anfänger-Studienplätze der Jahre 2018 bis 2020 drei Mio. € fließen. Als Grund für den Zukauf wird im Wissenschaftsministerium der Ärztebedarf in der Region durch den Abgang von Medizinern nach Bayern genannt. Daher soll bis zum für spätestens 2028 geplanten Vollausbau der Medizin-Fakultät Linz befristet der Bedarf durch die Kooperation mit der PMU gedeckt werden.

„Falscher Weg”

Aus Sicht der Universitätenkonferenz (uniko) ist die Maßnahme unnötig: Die staatlichen Universitäten könnten dies auch leisten. Für den Rektor der Medizinuni Wien, Markus Müller, stellt sich überhaupt die Frage, ob es zusätzliche Ausbildungsplätze überhaupt braucht. Das Problem bestehe ja nicht in zu wenigen Medizin-Absolventen, sondern darin, dass diese Österreich verlassen. Müller hält das Vorgehen des Wissenschaftsministeriums für einen „seltsam konstruierten Weg, hier öffentliche Gelder einer privaten Universität zukommen zu lassen, um noch mehr Studienplätze zu schaffen”.

Auch der Rektor der Universität Linz, Meinhard Lukas, hält den Kauf von Studienplätzen für eine „sehr bemerkenswerte Maßnahme”. „Es muss Priorität haben, dass die Absolventen in Österreich gehalten werden. Es ist hochgradig ineffizient, immer nur an den Studienplätzen zu feilen.”
Ähnlich argumentiert die Ärztekammer: Die Politik sei gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Fachärzten im Spital mehr Zeit zur Verfügung stellen, um Ärzte auszubilden. Zudem müssen Arbeitsplätze im Spital attraktiver werden, mahnt der ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer. Es brauche in den Spitälern mehr Ressourcen, mehr Zeit, mehr Personal und familienfreundliche Maßnahmen wie Teilzeit und Kinderbetreuung für Ausbildungsärzte.
Im Ministerium verweist man darauf, dass an den öffentlichen Unis die – auch räumlichen – Kapazitäten derzeit ausgeschöpft seien. Der Zukauf sei außerdem befristet und die Möglichkeit dazu explizit im Privatuniversitätengesetz festgehalten.

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