•• Von Martin Rümmele
Die Pharmabranche steht vor wachsenden Herausforderungen: steigend Kosten, wachsend Konkurrenz in den USA und Asien und nahezu überall Preisdruck. medianet sprach darüber mit dem Präsidenten des heimischen Pharmaverbandes Pharmig, Pavol Dobrocky.
medianet: Wo sehen Sie die Herausforderungen für Österreich und Handlungsbedarf?
Pavol Dobrocky: Auf einer Seite sehen wir, dass über drei Prozent in Forschung im Land investiert werden, was gut ist. Potenzial sehen wir in der Fokussierung auf Schlüsselgebiete der Industrie. Hier wurde ja auch Life Sciences als einer der Schlüsselpfeiler von der Bundesregierung definiert. Die Forschungsprämie unterstützt forschende Unternehmen in Österreich. Zu kämpfen haben wir mit hohen Energiekosten, den hohen Abgabenquoten und dem Wachstum der Gehälter, was dazu geführt hat, dass auch die Lohnstückkosten stärker gestiegen sind als in anderen Ländern Europas. Das hat Einfluss auf die Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen in Österreich. Drittes Thema ist, dass wir einen guten Markt brauchen, in dem Innovationen entsprechend bewertet wird.
medianet: Wo liegt hier das Problem?
Dobrocky: Wir sehen für Innovativen, speziell in dem niedergelassenen Bereich, nicht immer die beste Bewertung. Wir sehen guten und raschen Zugang in den Spitalsbereich, aber im niedergelassenen Bereich ist der Preisdruck nach unten enorm. Wenn wir weiterhin sicherstellen wollen, dass die Produkte auch in Österreich produziert werden, müssen wir das auch honorieren. Da zeigt sich auch wie weit wir abhängig sein wollen von asiatischer Konkurrenz und wie viel von der Produktion aus Österreich oder aus Europa kommen soll.
medianet: Was wünschen Sie sich von der Bundesregierung?
Dobrocky: Wir glauben, dass eine ganzheitliche Strategie, die Life-Science-Unternehmen in Österreich unterstützt, wichtig ist, damit wir alle diese Teile, über die ich gesprochen habe, zusammenbringen.
medianet: Das inkludiert, dass die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen an einem Strang ziehen. Haben Sie das Gefühl, dass da wirklich an einer Life-Science-Strategie gearbeitet wird?
Dobrocky: Ich habe von der Politik das Zugeständnis gehört, dass die Life-Science-Strategie passiert und ich glaube, es ist Teil von einer Aufgabe von uns allen die Bundesregierung in dieser Arbeit zu unterstützen. Wir hoffen, dass wir in der zweiten Hälfte des Jahres ein Dokument sehen werden, das wir diskutieren können und vielleicht oder hoffentlich wird das auch die Politik dann annehmen und implementieren. Ich sage nicht, dass es leicht wird, weil ich glaube, dass es viele Interessensgruppen gibt.
medianet: Nimmt die Politik das Wachstums- und Zukunftspotenzial der Branche wahr?
Dobrocky: Ich glaube schon. Und auf einer Seite sind hier globale Konzerne, die weltweit exportieren und forschen. Die Resultate werden dann auch in Österreich produziert. Und auf der anderen Seite, wenn Sie auf die generische Industrie schauen, dann ist es eigentlich die Sicherheit, dass es die Produkte auch in Österreich geben wird.
medianet: Es gibt Warnungen, dass im Bereich von günstigen Massenprodukten die Versorgung dann auch kippen könnte.
Dobrocky: Das sehe ich kurzfristig nicht. Es gibt aber geopolitische Umstände, die Österreich und auch Europa nicht beeinflussen können. Wenn wir sicherstellen können, dass die Produkte hier produziert werden und weniger abhängig von Rohstoffen sind, die nur aus Asien kommen, dann haben wir die Sicherheit, dass wir diese Produkte hier in Europa in den Mengen, die gebraucht werden, haben.
medianet: Wie beurteilen sie die Entwicklungen und den Preisdruck in den USA und die Folgen für Europa und Österreich?
Dobrocky: Heute repräsentiert die USA fast die Hälfte des Weltmarkts, aber nur vier Prozent der globalen Population. Über Jahre sehen wir, dass mehr und mehr Innovation eigentlich aus den USA kommt. Und wenn wir vor 50 Jahren die meisten innovativen Produkte aus Europa gesehen haben, hat Europa stark verloren. Und wir sehen auch, dass die Innovation in den USA anerkannt wird und sehr schnell ihren Weg zu den Patienten findet. Man kann sagen, dass eigentlich die Amerikaner den größten Teil der Innovation über Jahre bezahlt haben. Das hat aber auch dazu geführt, dass sehr viel von der Forschung und Innovation nach USA gewandert ist. Trump fragt, warum die Amerikaner das meiste für die Innovation bezahlen sollen. Auch andere reiche Länder sollen Beitrag leisten.
medianet: Was bedeutet das?
Dobrocky: Wir sehen, dass viele der Innovationen nicht in Europa gelauncht werden. Das andere Thema ist, dass es bei den Preisen Referenzierungen zwischen den Ländern gibt. Österreich wird hier immer mit anderen Ländern verglichen. Dieses Thema kann Einfluss darauf haben, wie schnell und für welchen Preis Innovationen nach Europa kommen. Ich glaube, es ist ein Thema, worüber wir im Bereich des Marktes sprechen sollten, nicht nur in Österreich, auch auf der europäischen Ebene. Dazu kommen die Entwicklungen in China: Die haben bereits die USA eingeholt mit wissenschaftlichen Publikationen und neuen Patenten. Life Sciences wird sehr stark unterstützt von der chinesischen Regierung. Das sehen sie als eine Schlüsselindustrie für die Zukunft und da haben sie starken Fokus.
medianet: Womit wir wieder bei der Life-Scienc-Stratei in Österreich sind.
Dobrocky: Der Gesundheitsbereich ist mit fast zwölf Prozent des BIP der größte Wirtschaftssektor, wenn wir uns das alles anschauen. Für uns ist wichtig, dass wir die zwölf Prozent nicht als Kosten betrachten, sondern als Investition. Da können wir über Benefits von moderner Medizin sprechen. Was in den vergangenen 50 Jahren passiert ist, ist eigentlich wunderbar. Wir sehen, dass wir die Überlebenschancen für Krebspatienten stark erhöht haben. Wir sehen, es gibt Krankheiten, die entweder nicht mehr existieren oder die wir komplett heilen können. Wir sehen, dass sich die Lebenserwartung der Population stark gestiegen ist und man kann auch einen großen Anteil der modernen Medizin zuschreiben. Es gibt viele Studien, dass ein Euro, der in Gesundheit investiert drei bis vier Euro für die Volkswirtschaft bringen. Mit der erhöhten Lebenserwartung schaffen wir auch gesunde Lebensjahre und haben dann Menschen, die auch länger arbeiten können.