HEALTH ECONOMY
Weniger Kassenärzte © APA/dpa/Bernd Weissbrod

ÄrztestatistikImmer mehr Ärzte meiden Kassenverträge und arbeiten als Wahlärzte. Auf die Versorgung wirkt sich das negativ aus, sagt Kammerpräsident Thomas Szekeres.

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ÄrztestatistikImmer mehr Ärzte meiden Kassenverträge und arbeiten als Wahlärzte. Auf die Versorgung wirkt sich das negativ aus, sagt Kammerpräsident Thomas Szekeres.

Redaktion 05.04.2019

Weniger Kassenärzte

Die Zahl der Ärzte in Österreich steigt. Allerdings wollen immer weniger davon als niedergelassener Kassenarzt arbeiten.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Wie groß ist der Ärztemangel wirklich? Politik, Krankenversicherungen und Ärztekammer legen unterschiedliche Zahlen vor und sehen ja nach Position eine drohende Unterversorgung oder lediglich ein Verteilungsproblem. Die Ärztekammer hat nun ihre Statistik und mit ihr auch ihre Sicht der Dinge präsentiert; Präsident Thomas Szekeres forderte als Konsequenz aus dem seiner Meinung nach drohenden Mangel zusätzlich 1.300 Kassenstellen österreichweit und 300 unmittelbar für Wien.

Mehr Ärzte in Wien

Dass Wien mit dem zwischen der Stadt und der Wiener Gebietskrankenkasse vereinbarten „regionalen Strukturplan” bis 2025 insgesamt 393 neue Ärzte, davon mindestens 245 im niedergelassenen Bereich, zusätzlich bekommen soll, findet Szekeres einen „guten Ansatz”. Man habe erkannt, dass Wien in einer besonderen Situation sei und mehr Ärzte brauche. Die von der Regierung versprochenen Patienten-Milliarde wünscht sich Szekeres sofort und aus dem Budget finanziert. Er befürchtet nämlich, dass sie nicht aus den erhofften Einsparungen durch die Fusion der Krankenkassen kommen kann, weil diese zunächst mehr Geld kosten werde.

Laut der aktuellen Ärztestatistik waren mit Ende Dezember des Vorjahres 46.337 Ärzte registriert – auf Vollzeitäquivalente umgerechnet 39.110. Davon sind 23.246 Fachärzte, 14.805 Allgemeinmediziner und 8.085 Turnusärzte. Seit rund zehn Jahren gibt es mehr Wahl- als Kassenärzte. Ende Dezember arbeiteten in Österreich 7.099 Ärzte mit einem Vertrag einer Gebietskrankenkasse und zusätzlich 1.089 Mediziner mit einem Vertrag kleinerer Kassen oder Krankenfürsorgeanstalten (KFA). Die Zahl der Wahlärzte hat sich seit dem Jahr 2000 auf 10.099 mehr als verdoppelt, wobei mehr als 7.000 davon Fachärzte sind. Dazu kommt, dass mit Stand Ende 2018 österreichweit 129 Kassenstellen unbesetzt waren – 68 Allgemeinmediziner und 61 Fachärzte. Aufgrund kürzerer Öffnungszeiten sind die Wahlärzte allerdings kaum versorgungswirksam.
Dass Österreich laut OECD-Statistik mit 5,25 Ärzten je 1.000 Einwohner nach Griechenland die zweithöchste Ärztedichte hat, ließ Szekeres nicht gelten. International würde unterschiedlich gerechnet und manche Länder würden Ärzte in Ausbildung nicht mitzählen. Wenn man die in Österreich mitgezählten Turnusärzte herausrechne, liege der Wert nur noch bei 4,34. Außerdem würden die Ärzte in Teilzeitbeschäftigung nicht mitgerechnet, auf Vollzeit­äquivalente umgerechnet, liege Österreich im Mittelfeld.
Verschärft wird die Situation durch die Altersstruktur der Ärzte: Der Anteil der über 55-Jährigen ist bereits auf 29,7% gestiegen. Das bedeutet, dass mehr als 14.500 Ärzte in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen werden, wenn sie bis 65 arbeiten. Szekeres machte auch darauf aufmerksam, dass gleichzeitig nicht genug junge Ärzte nachkommen. Nur sechs von zehn Absolventen beginnen auch tatsächlich in Österreich als Ärzte zu arbeiten. Das liegt nach Ansicht des Präsidenten an den Rahmenbedingungen; wenn mehr Absolventen in Österreich bleiben würden, müsste die Studentenzahl nicht erhöht werden.

Zahl der Frauen wächst

Unter allen Ärzten sind die Männer (24.275 gegenüber 22.062 Frauen) zwar noch in der Mehrheit. Bei Allgemeinmedizinern (8.661 zu 6.144) und bei Turnusärzten (4.393 zu 3.692) sind die Frauen hingegen schon in der Mehrheit. Szekeres betonte deshalb, dass man die Versorgungswirksamkeit nicht nur an der Kopfzahl der Ärzte festmachen könne, weil es viele Teilzeitkräfte gebe. Er forderte bessere Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Frauen mit Kassenvertrag sollten etwa leichter in Karenz gehen können.

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