HEALTH ECONOMY
„Wissenschaft als Basis des Erfolges” © Allergosan/nikolamilatovic.com
© Allergosan/nikolamilatovic.com

Redaktion 10.06.2016

„Wissenschaft als Basis des Erfolges”

Anita Frauwallner, Chefin des Grazer Institut Allergosan, im Interview über Darmforschung, Umsatzzahlen und Unternehmergeist.

medianet: Ihr Motto lautet: Nach dem Jahrhundert der Antibiotika kommt jetzt das Jahrhundert der Probiotika. Wie wirkt sich das auch im Unternehmenserfolg aus?
Anita Frauwallner: Seit zehn Jahren haben wir immer sehr gute Zuwachsraten. Das hat damit zu tun, dass wir einen anderen Begriff von dem haben, was wahrscheinlich im OTC normal ist. Over-the-Counter galt bisher für viele Pharmaunternehmen als das leichte Geld, bei dem man ein bisschen Werbung macht für ein Schnupfenmittel oder etwas gegen Halsweh und daran verdient. Diesen Weg bin ich nie gegangen. Mein Weg war immer der, zu sagen: Ich will ganz genau, wissenschaftlich fundiert wissen, was steckt dahinter. Entscheidend sind auch unsere vielen hochqualitativen Studien, die international für Aufsehen sorgen und: Unsere Produkte funktionieren tatsächlich.

medianet: Mit welchen Produkten beschäftigt sich das Unternehmen Allergosan?
Frauwallner: Mit unserem ersten Produkt, das mittlerweile 20 Jahre besteht, wollten wir den Darm regenerieren und dafür sorgen, dass Patienten einen möglichst stabilen, gesunden Darm haben. Danach haben wir uns den Darm in der Schwangerschaft und bei Neugeborenen angesehen, aber auch wie man Reisediarrhoe behandeln kann. Wirklich wichtig für unsere Arbeit war die Entdeckung der Bauch-Hirn-Achse. In Graz gibt es einen der bedeutendsten Neuro-Gastroenterologen der Welt, Peter Holzer. Er hat 2007 in einer Arbeit klar dargelegt, dass die Darmbakterien triggern, was in unserem Kopf passiert; das war ein entscheidender Punkt.

medianet:
Sie sind sozusagen ein Gatekeeper des Wissens?
Frauwallner: Genau. Auch Wissensvermittler zwischen einzelnen Bereichen, die sich vielleicht so gar nicht verstehen würden. Immer mehr Ärzte interessieren sich fürs Mikrobiom. Wir haben derzeit 25 Studienprojekte laufen, und es kommen immer neue Anfragen aus immer neuen Gebieten.

medianet: Was wird heuer für ein Umsatz angestrebt?
Frauwallner: Ich gehe davon aus, dass wir die 30 Millionen überspringen werden. Was bei uns die größte Rolle spielt, ist, dass wir beide es schaffen – ich habe ja das Glück, dass mein Sohn auch mit im Unternehmen ist – unseren Mitarbeitern eine Vision mitzugeben: Wir machen wirklich was Tolles, was Wichtiges. Jeder veränderet mit dem, was er hier tut, vielleicht wirklich das Leben der Patienten.

medianet: Sie haben sich vor vier Jahren nach Deutschland gewagt. Wie ist das Ergebnis und werden weitere Länder folgen?
Frauwallner: Deutschland hat sich in den vier Jahren seit wir dort am Markt sind zu einem wichtigen Umsatzträger für unser Unternehmen entwickelt. Die kontinuierliche Arbeit mit Apothekern und Ärzten, welche die ausgezeichnete wissenschaftliche Basis unserer Produkte sehr schätzen, macht sich bezahlt. Neben Deutschland sind wir auch gerade dabei, stärker in der Schweiz präsent zu sein. Eine weitere internationale Expansion ist schrittweise angedacht. Wichtig ist uns auf alle Fälle auf die richtigen Partner im jeweiligen Land zu setzen, weshalb uns eine Affinität zu unserer wissenschaftlichen Herangehensweise besonders wichtig ist.

medianet: Was wird die Zukunft bringen? Wohin geht die Reise?
Frauwallner: Das Thema der Mikrobiom-Forschung wird zusehends wichtiger. Das erkennt man allein daran wenn man sich die stark steigende Anzahl der Studienpublikationen in diesem Bereich ansieht. Da es uns in der nun schon 25 Jahre andauernden Arbeit gelungen ist ein international anerkanntes Kompetenzzentrum im Bereich der Mikrobiomforschung aufzubauen, werden wir diesen eingeschlagenen Weg rund um die probiotische Medizin auch in Zukunft weiterverfolgen und hoffen natürlich auch wirtschaftlich davon zu profitieren.

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