HEALTH ECONOMY
Zu niedrige Preise © APA/Hans-Klaus Techt

Energiepreise Die Pharmaunternehmen, die in Österreich produzieren, kämpfen mit hohen Energie­kosten und drohen mit Produktionsdrosselungen.

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Energiepreise Die Pharmaunternehmen, die in Österreich produzieren, kämpfen mit hohen Energie­kosten und drohen mit Produktionsdrosselungen.

Redaktion 28.10.2022

Zu niedrige Preise

Wegen steigender Kosten, Lieferengpässen und nach wie vor hoher Inflation fordert die Pharmaindustrie Preisanpassungen.

••• Von Katrin Grabner

WIEN. In der heimischen Pharmaindustrie wird der Ruf nach „adäquaten Preisen” lauter. „Wir können die Versorgung mit Arzneimitteln nur dann gewährleisten, wenn das auch wirtschaftlich möglich ist”, betont Katherina Schmidt, Geschäftsführerin der Pharmazeutische Fabrik Montavit GmbH. Die nach wie vor steigenden Energiekosten, Lieferschwierigkeiten sowie die hohe Inflation machen es österreichischen Arzneimittelproduzenten derzeit besonders schwer. Ohne Preisanpassungen seien laut Herstellern die Arzneimittelproduktion und -versorgung in und aus Österreich in Gefahr – vor allem bei patentfreien Medikamenten sei die Situation aktuell sehr schwierig.

Produktion drosseln

Um hohe Kosten zu vermeiden, wird teils über Produktionsdrosselung nachgedacht. Wie die medianet bereits berichtete denkt das Pharmaunternehmen Novartis darüber nach, in seinem Werk in Tirol die Produktion herunterzufahren. Bei den aktuellen hohen Preisen könnten sich die Kosten am Standort Kundl/Schaftenau fast verzehnfachen und von bis zu 15 Mio. € pro Jahr auf bis zu 120 Mio. € ansteigen. „Wir können das nicht abfangen”, sagte Geschäftsführer Mario Riesner.

Betroffen sein könnte etwa die Antibiotika-Produktion – die weltweit einzige außerhalb Chinas. Und das, obwohl es laut Thomas Veitschegger, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, bereits Lieferschwierigkeiten bei Antibiotika gibt. „Wir müssen darauf achten, dass die Lieferkrise nicht zu einer Versorgungskrise wird”, warnt Veitschegger.

Preisanpassung gefordert

Laut Stimmen aus der Pharma brauche es nun angepasste Preise, um die Versorgung zu gewährleisten und Unternehmen vor Schließungen zu bewahren. „Man muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben, um sich ausrechnen zu können, dass ein Unternehmen trotz Kostenoptimierungen nicht sehr lange überleben kann, wenn die Produktionskosten und die gestellten Anforderungen so stark und laufend steigen, aber sich die Preise für das eigene Produkt, wenn überhaupt, nur nach unten bewegen”, sagt Ilse Bartenstein, Obfrau der Sparte Pharma der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführerin der G.L. Pharma GmbH. Unterstützung erhält sie von Pharmig-Vizepräsident und Geschäftsführer der Sigmapharm Arzneimittel GmbH, Bernhard Wittmann: „Die pharmazeutischen Unternehmen stellen an die 18.000 Arbeitsplätze zur Verfügung. Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung und zahlen Steuern, die der Allgemeinheit zugutekommen, ganz abgesehen von unseren Produkten, die einen enormen Nutzen für Patientinnen und Patienten stiften. In Zeiten, in denen wir die Bedeutung der Versorgungssicherheit vor Ort mehr denn je zu schätzen wissen, müssen uns diese Vorteile als Gesellschaft etwas Wert sein”, appelliert Wittmann. All das zu sichern, sei Auftrag der Politik und des Gesundheitswesens.

Unterstützung notwendig

Erst im vergangenen Frühjahr wurden zusätzliche Regelungen vom Parlament festgelegt – diesen gingen aber in eine andere Richtung als gewünscht: Die von den Pharmaunternehmen als ohnehin schon zu niedrigen Arzneimittelpreise wurden durch die Regelung weiter niedrig gehalten. Für viel in der Branche inakzeptabel. „Will man den Produktionsstandort Österreich stärken und zukunftsfähig erhalten, kann es keine Lösung sein, die heimischen produzierenden Unternehmen immer weiter zu belasten und sie mit ihren Sorgen und Nöten allein zu lassen. Wir brauchen die Unterstützung der Politik, wenn sie den Wunsch nach einer verstärkten Arzneimittelproduktion hierzulande wirklich ernst meint”, hält Schmidt fest.

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