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Borealis fährt Investitionen zurück und will Kosten senken © APA/Hans Klaus Techt

AlfredStern, CEO des Chemiekonzerns Borealis.

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AlfredStern, CEO des Chemiekonzerns Borealis.

Redaktion 07.05.2020

Borealis fährt Investitionen zurück und will Kosten senken

Nettogewinn im ersten Quartal um ein Viertel auf 151 Mio. Euro gesunken - Stärkere Corona-Auswirkungen besonders im zweiten Quartal erwartet.

WIEN. Der auf Kunststoffe und Düngemittel spezialisierte Chemiekonzern Borealis, an dem die OMV ihre Beteiligung von derzeit 36 auf künftig 75 Prozent aufstocken wird, hat im ersten Quartal 2020 die Coronakrise bereits zu spüren bekommen. Für das zweite Quartal erwartet er noch stärkere Auswirkungen. Borealis-Chef Alfred Stern reagiert darauf mit Investitionskürzungen und einem Kostensenkungsprogramm.

Die Umsatzerlöse gingen gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres von 2,14 Mrd. Euro auf 1,96 Mrd. Euro zurück. Der Nettogewinn sank um ein Viertel auf 151 Mio. Euro.

"Wir sind mittlerweile am Montag ins Headoffice zurückgekehrt, allerdings im Schichtbetrieb", berichtete Stern am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Man treffe alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und arbeite in drei Schichten, um die Infektionsgefahr gering zu halten.

Das erste Quartal sei wegen Corona von einem schwächeren Marktumfeld in Asien geprägt gewesen und dadurch auch schwächeren Resultaten von Borouge, dem Joint Venture mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) in Ruwais (Vereinigte Arabische Emirate, VAE). "Unser Geschäft läuft angesichts der Situation sehr gut, alle Produktionsanlagen sind in Betrieb bei uns", sagte Stern.

Die einzelnen Marktsegmente hätten sich sehr unterschiedlich entwickelt. "Im Pflanzennährstoffgeschäft haben wir eine sehr gute Nachfrage und auch im Bereich Health Care. Im Automobilsektor finden wir hingegen sehr schwache Märkte vor." Im Rest des Jahres, insbesondere im zweiten Quartal, werde der Einfluss von Corona noch wesentlich stärker ausfallen.

Man sei mit dem ersten Quartal "nicht unzufrieden", sagte Finanz-Vorstand Mark Tonkens. "Die Verkaufsvolumina sind etwa auf dem gleichem Niveau wie im Vorjahr, die Margen sind bei Polyolefinen niedriger, bei Pflanzennährstoffen waren das Volumen und der Gewinn höher."

Eine Prognose für das Gesamtjahr sei derzeit schwierig, so Tonkens. Man habe daher beschlossen, die Investitionen heuer um rund 250 Mio. Euro zurückzufahren. Ursprünglich seien Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde Euro geplant gewesen. Darüber hinaus wolle man die fixen und die variablen Kosten um insgesamt rund 100 Mio. Euro senken. Kurzarbeit oder ein Personalabbau seien nicht geplant, "aber wir nehmen keine neuen Leute auf", so Tonkens.

Die Nettoverschuldung des Unternehmens hat sich im Jahresabstand um 116 Mio. Euro erhöht, die Verschuldungsquote (Gearing) ist von 28 Prozent auf 26 Prozent gesunken.

"Wir haben in den letzten Jahren viel Arbeit reingesteckt um ausreichend flexibel zu sein", sagte Stern. In manchen Regionen profitiere man vom niedrigen Ölpreis, in anderen wäre ein höherer Preis besser. "Uns wäre ein stabiler Ölpreis am liebsten, weil die Schwankungen immer zu starken Lagerneubewertungen führen."

Mit dem künftigen Mehrheitseigentümer OMV sei man auch bisher schon im ständigen Dialog gewesen, sagte Stern. "Die Verhältnisse zwischen den Eigentümern ändern sich, aber es bleiben die beiden gleichen langjährigen und committeten Eigentümer erhalten." OMV-Chef Rainer Seele sei es wichtig, tiefer in die Wertschöpfungskette hineinzugehen, etwa mit dem Pflanzennährstoffbereich, weil das für die OMV einen gewissen Hedging-Effekt bringe.

Die Borealis sei mit dem Pflanzennährstoff-Geschäft sehr zufrieden, er sehe aber nach wie vor die Notwendigkeit einer europäischen Konsolidierung, sagte Stern. Linz sei ein sehr wichtiger und sehr guter Standort, man produziere dort nicht nur Pflanzennährstoffe sondern habe dort auch das Innovationszentrum. "Insofern glaube ich, dass das hier auch Zukunft haben wird.“ (red)

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