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Chemieindustrie: M&A-Markt bricht um ein Drittel ein © Shutterstock
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Redaktion 09.01.2020

Chemieindustrie: M&A-Markt bricht um ein Drittel ein

Lenzing AG setzt den Expansionskurs in China weiter fort.

WIEN. „Chinas gedrosseltes Wachstum, eskalierende Risiken für Handelskriege und der ungelöste Brexit trüben den Appetit für Transaktionen in der Chemieindustrie. In diesem Umfeld sehen Führungskräfte nach den Megadeals der vergangenen Jahre im ausbleibenden Weltwirtschaftswachstum das größte Hindernis für Fusionen oder Übernahmen“, sagt Thomas Rings, Partner bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney und Chemieexperte.

Nach den Megadeals der vergangenen Jahre sind Anzahl und Volumen der Transaktionen unter Chemiefirmen deutlich zurückgegangen, wie der M&A Report 2019 für die Chemieindustrie von A.T. Kearney zeigt. Der Wert der noch ausstehenden Deals ist auf 67% des Vorjahres abgestürzt, wobei der größte Anteil auf Deals wie Bayers Übernahme von Monsanto und die Linde-Praxair-Fusion entfällt. Der Wert der angekündigten Deals hat sich 2018 um 18% reduziert, während die Anzahl angekündigter Deals um elf Prozent gesunken ist und damit zehn Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt.

Der „M&A Chemicals Report 2019“ gibt einen Rückblick und einen Ausblick auf Transaktionen in der Chemieindustrie. Er stützt sich auf Untersuchungen abgeschlossener und angekündigter Deals und eine Umfrage bei weltweit mehr als 100 Führungskräften aus Industrie, Investment Banking und Private Equity-Häusern.

Positiver Ausblick trotz kriselnder Weltwirtschaft
Eine Mehrheit glaubt, dass die weltweiten M&A-Aktivitäten trotz der kriselnden Weltwirtschaft zunehmen oder sich zumindest auf dem Niveau der vergangenen Jahre stabilisieren werden. 39% der Führungskräfte gehen von einer Zunahme der M&A-Aktivitäten aus, 41% von einer Stabilisierung auf hohem Niveau. Verglichen mit dem vergangenen Jahr, ist die Skepsis der Führungskräfte größer geworden: Fast 50% der Führungskräfte schätzen, dass das weltweit zurückgehende Wachstum die M&A Aktivitäten der Industrie bremsen wird.

Geografisch ist mit einer weiteren Verschiebung der Deals in die Richtung von Schwellenländern wie China und Mittlerer Osten zu rechnen. „Der Hunger auf lokale Konsolidierung wie auch Downstream-Erweiterungen in China und im Mittleren Osten treiben M&A in den Schwellenländern voran“, erläutert Rings.

Regionale Expansionen
Die M&A-Landschaft erlebt auch einen Wechsel bei den Investoren: In den vergangenen Jahren bestimmten strategische Einkäufer das Feld und ließen Private Equity nur wenig Raum. Mit einem Finanzinvestor-Anteil von fast 30% an den weltweiten Deals im Jahr 2018 gegenüber nur sieben Prozent 2016 zeichnet sich eine Trendwende ab. „Private Equity-Investoren haben 2018 einen bedeutenden Anteil des M&A-Markts dazu gewonnen, sodass der Anteil von Finanzinvestoren wieder auf dem Niveau von 2016 vor der Mega-Merger-Welle angekommen ist“, so Evelyn Hartinger, Principal bei A.T. Kearney. Und auch die Motive für Fusionen und Akquisitionen ändern sich: Waren bislang Konsolidierung und Größe die wichtigsten Gründe, sind es nun regionale Expansion und Erweiterung des Produkt- und Serviceportfolios.

„Nach der heißen Phase der Megadeals, in Deutschland geprägt von Bayers Übernahme von Monsanto und Lindes Fusion mit dem US-Konzern Praxair, sehen wir nun verbleibende Deals, die kartellrechtlichen Verkaufsverpflichtungen folgen wie die Akquisition weiter Teile des Bayer Saatgut- und Pflanzenschutzportfolios durch BASF oder die Übernahme der Linde Assets in den USA und Südamerika durch die Messer Group“, so Rings. Ausländische Investoren waren in Deutschland zuletzt zurückhaltend. Neben der im Sommer 2019 angekündigten 1,1 Mrd. € großen Investition der japanischen DIC Corporation ins BASF Pigmentgeschäft fokussierten sich ausländische Käufer auf gezielte Investitionen in den Mittelstand.

Lenzing AG kauft in China zu
Im Gegensatz zum weltweiten Trend setzt der österreichische Faserhersteller Lenzing AG auf strategisches Wachstum im Ausland. Im Oktober kündigte der oberösterreichische Konzern an, dem chinesischen Staatskonzern NCFC für 21 Mio. € die restlichen 30% am gemeinsamen Joint Venture Lenzing Nanjing Fibers Co Ltd (LNF) abzukaufen. Die Komplettübernahme soll den Weg für weitere Produktionslinien für Spezialfasern ebnen. Das Unternehmen will LNF im Lauf der Zeit in einen Spezialfaser-Hub umrüsten.

Rings empfiehlt: „Angesichts der vorherrschenden Transaktions-Typen und eines gesteigerten Drucks, Synergien zu realisieren, um die hohen Marktpreise zu rechtfertigen, müssen Unternehmen Synergien auf breiter Basis realisieren und dabei nicht nur auf Kosten, sondern auch auf Top Line-Synergien zielen. (pj)

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