INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Energiewende mit Reststoffen © Allianz für Grünes Gas / Richard Tanzer

Christoph Strasser vom Grazer Kompetenzzentrum Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH.

© Allianz für Grünes Gas / Richard Tanzer

Christoph Strasser vom Grazer Kompetenzzentrum Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH.

Helga Krémer 20.05.2022

Energiewende mit Reststoffen

Der Forscher Christoph Strasser von BEST hat für Österreich bis 2050 ein Potenzial von vier Mrd. Kubikmeter Biogas errechnet.

WIEN. Der Umstieg auf Grünes Gas ist realistisch, denn Österreich hat große Potenziale an biogenen Reststoffen. Das zeigt die Studie des Forschers Christoph Strasser vom Grazer Kompetenzzentrum Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH (BEST). Das Ergebnis der „Machbarkeitsuntersuchung Methan aus Biomasse“: Österreich verfügt über ein Gas-Potenzial primär auf Reststoffbasis von bis zu vier Mrd. Kubikmeter.

Potenzial und Maßnahmen
Das gesamte theoretische Potenzial für Grünes Gas in Österreich im Jahr 2050 liegt bei rund zehn Mrd. Kubikmeter. Davon abgeleitet wurde ein realistisches Potenzial von rund vier Mrd. Kubikmeter. Dabei sei laut Strasser „sichergestellt, dass ausschließlich Reststoffe wie Waldrestholz oder Ernterückstände verwendet werden und es zu keiner Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion kommt“. Auch die Rohstoffversorgung für die holzverarbeitende Industrie in Österreich solle dadurch gesichert bleiben.
Die tatsächliche Mobilisierung dieses Potenzials hänge von der Umsetzung einer Reihe von Maßnahmen ab. Die wichtigsten seien die Nutzung von Reststoffen und Abfällen aus allen Bereichen (Biotonne, biogener Anteil Restmüll, Klärschlamm, Gülle, Schlachtabfälle), die Aufrechterhaltung beziehungsweise der Ausbau der Sägeindustrie in Österreich sowie die Nutzung von Grünlandbrachflächen bei gleichzeitiger Reduktion der Flächenversiegelung und Renaturierung von brachliegenden Gewerbe- und Industrieflächen.

Effektiver und sinnvoller Einsatz

Das aktuelle Energiesystem ist über Jahre entstanden, und es braucht konkrete Pläne für die Zukunft. „Mittelfristig wird man sich überlegen müssen, wie der hochwertige Energieträger Grünes Gas am effizientesten eingesetzt werden soll“, sagt Strasser. Wichtige Einsatzbereiche für Grünes Gas seien in Zukunft die Hochtemperaturanwendungen in der Industrie und die Stromerzeugung zu Spitzenlast-Zeiten wie etwa im Winter, wenn zu wenig Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind oder Wasser zur Verfügung steht.

Grünes Gas braucht Rahmenbedingungen
Vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine und des drohenden Embargos oder Lieferstopps von russischem Gas braucht es Alternativen. Eine solche Alternative zu importiertem Erdgas sei Grünes Gas „Made in Austria“. „Allerdings brauchen wir zunächst wirtschaftliche Rahmenbedingungen, damit Grün-Gas-Potenziale in Österreich gehoben und weitere moderne Anlagen für die Gaserzeugung gebaut werden können“, so Strasser.

„Wir sprechen hier von Anlagen für die thermische Gaserzeugung aus Biomasse in der Größenordnung von 100.000 Tonnen Rohstoff-Input“, betont der Forscher. Für deren Planung und Errichtung braucht es einiges an Vorlauf. „Für eine zügige Umsetzung dieser Pläne benötigen wir deshalb rasch verbindliche Rahmenbedingungen, also Gesetze und Verordnungen, die den Bau und den wirtschaftlichen Betrieb solcher Anlagen ermöglichen“, so Strasser abschließend. (hk)

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