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Jahresbilanz süß-sauer © Agrana
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Helga Krémer 20.05.2022

Jahresbilanz süß-sauer

Der Krieg in der Ukraine hat der Agrana so einiges eingebrockt und auch noch die Bilanz verhagelt. Als ob Corona und Inflation nicht schon genug Unbill wären.

WIEN. Die Umsatzerlöse der Agrana-Gruppe im Geschäftsjahr 2021/22 lagen mit 2.901,5 Mio. € deutlich über dem Wert des Vorjahres. Das operative Ergebnis stieg um 18,3% auf 86,5 Mio. € an. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) betrug 2021/22 24,7 Mio. € und lag damit sehr deutlich unter dem Vorjahreswert von 78,7 Mio. €. Der EBIT-Rückgang sei auf ein Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von -69,8 Mio. € (Vorjahr: -11,9 Mio. €) zurückzuführen – primär bedingt durch Wertberichtigungen in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Der Kriegsausbruch am 24. Februar 2022 fiel noch ins Geschäftsjahr 2021/22 und stellte für die Agrana somit ein werterhellendes Ereignis dar, das intern Werthaltigkeitsprüfungen auslöste.

„Bis zum Kriegsausbruch waren wir für die Erreichung unserer Ziele voll auf Kurs und hätten ohne negatives Ergebnis aus Kriegssondereinflüssen unseren prognostizierten deutlichen EBIT-Anstieg erreicht. Denn operativ verlief das Geschäftsjahr 2021/22 sehr zufriedenstellend. Im Segment Frucht hat eine gute Apfelverarbeitungskampagne 2021 zu einer Erholung des Fruchtsaftkonzentratgeschäfts geführt, und im Segment Stärke waren historisch hohe Ethanolnotierungen der Hauptgrund für eine vor allem im zweiten Halbjahr 2021/22 sehr starke EBIT-Entwicklung. Im Segment Zucker gab es durch eine erhöhte Rübenmenge eine verbesserte Auslastung der Fabriken“, erklärte Agrana-Vorstandsvorsitzender Markus Mühleisen.

Die einzelnen Segmente
Der Umsatz im Segment Frucht stieg im Vorjahresvergleich moderat um 7,2%. Ausschlaggebend dafür waren gestiegene Verkaufspreise sowohl bei Fruchtzubereitungen als auch bei Fruchtsaftkonzentraten. Das Ergebnis aus Sondereinflüssen, primär aufgrund von Goodwill-Wertberichtigungen infolge des Krieges in der Ukraine, betrug ‑67,7 Mio. € und verminderte das EBIT im Segment Frucht maßgeblich.

In einem von der Covid-19-Pandemie beeinflussten Marktgeschehen stieg der Umsatz im Segment Stärke sehr deutlich auf 1.010,4 Mio. €. Größte Umsatztreiber waren angepasste Verkaufspreise im gesamten Produktportfolio. Extrem gestiegene Rohstoff- und Energiekosten, primär im zweiten Halbjahr 2021/22, erforderten die Weitergabe der gestiegenen Herstellungskosten. Diese konnten nur teilweise durch Verkaufspreisanpassungen an die Kunden weitergegeben werden und belasteten die Margen.

Hohe Energiepreise unterstützten wiederum die Ethanolnotierungen, die mit 812 € pro m3 im Jahresdurchschnitt um rund 228 € pro m3 über dem Vorjahreswert lagen. Die sehr hohen Ethanolpreise konnten die massiv gestiegenen Produktionskosten überdecken, und der Geschäftsbereich Ethanol trug damit auch entscheidend zur positiven Ergebnisentwicklung des Segmentes bei. Das EBIT im Segment Stärke stieg deutlich um 10,6%.

Im Segment Zucker übertraf der Umsatz jenen im Vorjahr um 14,6%. Der Absatz der Zuckerprodukte im Geschäftsjahr 2021/22 lag deutlich über dem Vorjahreswert, wobei sich die Agrana-Zuckermärkte unterschiedlich entwickelten. Im Retailbereich konnten deutliche Mengensteigerungen in Ungarn, Rumänien und auch Bulgarien erzielt werden, während im Industriesektor die Absätze in Österreich, Tschechien und der Slowakei deutlich erhöht werden konnten.

Das EBIT lag unter dem schwachen Vorjahreswert und war folglich noch immer negativ. Höhere Zuckerverkaufsmengen und -preise konnten die gestiegenen Rohstoffkosten und besonders die deutlich höheren Energiepreise nur zum Teil kompensieren. Ein Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von ‑2,1 Mio. € in Zusammenhang mit Forderungswertberichtigungen gegenüber der Beta Pura GmbH (ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine) belastete das EBIT des Segmentes zusätzlich.

Ausblick auf das laufende Bilanzjahr
Die Agrana rechnet für das Geschäftsjahr 2022/23 mit einem sehr deutlichen Anstieg beim Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT). Beim Konzernumsatz wird von einem deutlichen Anstieg ausgegangen. Dieser Prognose liege jedoch die Annahme zugrunde, dass der Krieg in der Ukraine temporär und regional begrenzt bleibe, die physische Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet sei und sich im neuen Geschäftsjahr die Absatz- und Beschaffungsmärkte wieder teilweise normalisieren können, heißt es aus der Konzernleitung.

Auch werde erwartet, die insbesondere im Rohstoff- und Energiebereich deutlich gestiegenen Preise in angepassten Kundenkontrakten weitergeben zu können. Das Investitionsvolumen in den drei Segmenten soll in Summe mit rund 115 Mio. € zwar über dem Wert von 2021/22, jedoch unter den geplanten Abschreibungen in Höhe von rund
120 Mio. € liegen.

Der Agrana-Vorstand werde der Hauptversammlung jedenfalls heuer die Ausschüttung einer Dividende von 0,75 € je Aktie vorschlagen, nach 0,85 € je Aktie im Vorjahr. (hk)

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