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Neustart für Griechenlands Wirtschaft: Export, Reformen und gestärktes Vertrauen © Metaxa
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Redaktion 13.09.2018

Neustart für Griechenlands Wirtschaft: Export, Reformen und gestärktes Vertrauen

Coface: Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung mehren sich, schwache Binnennachfrage hemmt jedoch die Erwartungen.

ATHEN/WIEN. Mit dem Ausstieg aus dem europäischen Rettungsprogramm möchte Griechenland acht aufeinanderfolgende Krisenjahre hinter sich lassen. „Es ist ein Neustart für Griechenlands Wirtschaft. Die griechischen Unternehmen erwarten eine Wiederbelebung“, kommentiert Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Österreich, die aktuelle Situation. Griechenlands Wirtschaftsindikatoren stehen auf Erholung: Zum ersten Mal seit 2008 wuchs das BIP in vier Quartalen. Das Wachstum im Jahr 2017 erreichte 1,4 Prozent, angetrieben von Investitionen und einer dynamischen Auslandsnachfrage.

Für 2018 prognostiziert Coface einen weiteren Anstieg von zwei Prozent, obwohl sich gleichzeitig die Eurozone leicht abschwächt. Diese lang ersehnte Erholung fußt auf erheblichen steuerlichen Anpassungen und einer starken internen Abwertung, die noch deutlicher als in Ländern wie Spanien und Portugal war. Zwischen 2008 und 2015 verlor Griechenland 25% seines BIPs, Investitionen gingen um 60% zurück, und die Arbeitslosenquote erreichte 28%. In einigen Branchen, wie Textil, Möbel und Karton, ging die Wertschöpfung um mehr als 70% zurück. Auf der Unternehmensseite brach der Umsatz um ein Drittel ein, und die Investitionsquote sank um fast 49%. Kleinstunternehmen und KMU, die mehr als 60% der Erwerbsbevölkerung beschäftigen, wurden am härtesten getroffen. Rund 250.000 KMUs gingen in diesem Zeitraum in Konkurs.
 
Das unterschätzte Risiko
„Unternehmensinsolvenzen bleiben ein unterschätztes Risiko. Die verfügbaren Daten berücksichtigen nicht die üblichen Vorinsolvenzverfahren und der gerichtliche Liquidationsprozess ist langsam“, warnt Tawrowsky. Diese Ineffizienzen ermutigen den Fortbestand von insolventen und unrentablen "Zombie"-Gesellschaften, von denen Griechenland den höchsten Anteil unter den OECD-Ländern hat.

Das Ausfallrisiko von Unternehmen belastet gleichzeitig die Profitabilität der Banken. Trotz ihrer Rekapitalisierung im Jahr 2015 verzeichnen griechische Banken immer noch eine hohe Anzahl an Non Performing Loans.

Stärkere Exportorientierung
Die Haushaltskonsolidierung und die interne Abwertung haben dazu beigetragen, das doppelte Defizit (Staatshaushalt und Handelsbilanz) zu verringern. Die öffentlichen Konten weisen seit 2016 Primärüberschüsse auf. Die Leistungsbilanz ist seit 2015 ausgeglichen. Die haushaltspolitische und finanzielle Glaubwürdigkeit wurde wiederhergestellt, und die Unsicherheiten wurden erheblich verringert, sodass das Land auf die internationalen Kapitalmärkte zurückkehren kann.

Ebenso gab es auf der Unternehmensseite deutliche Verbesserungen. Das sinkende Lohnniveau hat dazu beigetragen, die Kostenwettbewerbsfähigkeit des Landes gegenüber anderen europäischen Ländern zu verbessern. Die Exporte, die zwischen 2008 und 2017 um 27% gestiegen sind, haben der Wirtschaft eine neue Dynamik verliehen.
 
Verbesserung der Rentabilität
Eines der Signale für eine nachhaltigere Erholung war die Höhe der Margen der griechischen Unternehmen, die sich seit dem zweiten Quartal 2016 verbessert hat und über dem europäischen Durchschnitt liegt. Die schwache Inlandsnachfrage bremst derzeit die wirtschaftliche Erholung ein. 2019 sollte sich die Rentabilität der Unternehmen jedoch rasch verbessern und die Investitionen steigen. (pj)

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