INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Profiteure der neuen Seidenstraße

Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew.

Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew.

Redaktion 03.05.2018

Profiteure der neuen Seidenstraße

Die chinesischen Infrastrukturprojekte lenken den Blick auf Länder wie Kasachstan, die derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben.

WIEN/ASTANA. Die Bahnstrecke zwischen den chinesischen Industriezentren in Sichuan und Europa, die sogenannte neue Seidenstraße, soll in Zukunft Waren schneller und kostengünstiger als mit dem Schiff transportieren können. Die Rail Cargo Group (RCG) - die Güterverkehrssparte der ÖBB - ist bereits mit drei Verbindungen regelmäßig zwischen China und Europa unterwegs. Mit einem direkten Güterzug von China nach Wien treibt die Güterverkehrssparte der ÖBB die Entwicklung voran. Neben den Verbindungen Changsha-Budapest und Chongqing-Duisburg mit jeweils einem Rundlauf pro Woche sowie Taiyuan-Lugo/Italien mit Ad-hoc-Zügen forciert die RCG nun mit der ersten Direktverbindung zwischen der chinesischen Metropole Chengdu und Wien den Ausbau ihres hochfrequenten intermodalen Netzwerks über europäische Grenzen hinweg.

Die erste Fahrt des mit 44 Containern beladenen Güterzuges startete am 12. April von Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, und führte rund 9.800 km durch China, Kasachstan, Russland, Ukraine, Slowakei und Österreich. Dabei erfolgte am Umschlagsterminal Dobra an der ukrainisch-slowakischen Grenze der Wechsel von Breit- auf Normalspur. Empfangsterminal war das Güterzentrum Wien Süd. Am vergangenen Freitag ist nach einer Fahrzeit von 14 Tagen der erste direkte Güterzug zwischen China und Österreich eingetroffen.

Milliardenschwere Projekte auch in Zentralasien
Die neue Seidenstraße ist eines der wichtigsten Projekte der Regierung von Präsident Xi Jinping. Rund 900 Mrd. USD, berichtet der "Spiegel", will die Volksrepublik in Infrastrukturprojekte in Eurasien stecken. Profiteure dessen sind Länder wie etwa Kasachstan und Usbekistan, die nach den jüngsten Reformen einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben und mit hohen Erwartungen an das Projekt Seidenstraße und die damit verknüpften Projekte herangehen.

Erste Uran-Bank der Welt in Kasachstan eröffnet
In Kasachstan wurde im vergangenen Herbst das erste international kontrollierte Depot für niedrig angereichertes Uran eröffnet; die in Wien ansässige Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) wird das Depot betreiben. Die "Uran-Bank" soll einen Vorrat des Spaltmaterials für die Herstellung von Brennstäben lagern, um für die IAEO-Mitglieder einen sicheren und berechenbaren Nachschub zu gewährleisten, wenn es zu Versorgungsengpässen kommen sollte. Zugleich soll der Vorrat die Staaten davon abhalten, eine eigene Urananreicherung aufzubauen, weil diese auch für den Bau von Atomwaffen genutzt werden könnten.

„Mit der Brennstoffbank wird die friedliche Nutzung der Atomenergie gefördert, gleichzeitig können somit die Risiken einer Weiterverbreitung stark eingeschränkt werden“, erklärte der kasachische Botschafter in Österreich und ständige Vertreter bei der IAEO in Wien, Kairat Sarybay.

UN-Sicherheitsrats-Vorsitz
Kasachstan ist auch das erste zentralasiatische Land, das einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen innehatte. Diese ersten vier Wochen des Jahres 2018 waren geprägt von Krisenherden wie dem Nahen Osten und Afghanistan sowie einem neuerlichen Wettrüsten. Mehr als 20 Sitzungen zu aktuellen globalen Themen wurden unter der Führung des zentralasiatischen Landes abgehalten.

Unter anderem hatten auf Intervention Kasachstans hin erstmals seit 2010 Vertreter der Länder des UN-Sicherheitsrats Afghanistan persönlich besucht: Vom 13. bis zum 15. Jänner reiste eine Delegation aller 15 Ratsmitglieder nach Kabul, um die Situation vor Ort zu bewerten. (pj)

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