INDUSTRIAL TECHNOLOGY
refurbed holt sich frisches Kapital und verfolgt Expasionskurs © refurbed

Das refurbed-Gründertrio: Peter Windischhofer, Jürgen Riedl und Kilian Kaminski (v.l.).

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Das refurbed-Gründertrio: Peter Windischhofer, Jürgen Riedl und Kilian Kaminski (v.l.).

Helga Krémer 20.08.2021

refurbed holt sich frisches Kapital und verfolgt Expasionskurs

In einer weiteren Finanzierungsrunde sammelt das Wiener Green-Tech-Scale-up refurbed insgesamt 54 Mio. US-Dollar (rund 45,6 Mio. Euro) ein.

WIEN. Seit der Gründung im Jahr 2017 hat sich refurbed als Marktplatz für vollständig erneuerte elektronische Geräte der Förderung von nachhaltigem Konsum verschrieben – bis heute sind insgesamt 170 t Elektroschrott reduziert und damit 31.000 t CO2 eingespart worden. Dafür verbessert das Unternehmen kontinuierlich seine Abläufe, implementiert neue Programme wie zuletzt BuyBack und setzt weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung. „Wir haben refurbed mit der Mission gegründet, mindestens ein refurbished-Gerät in jeden Haushalt in Europa zu bringen und damit die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft Elektrogeräte nutzen, zu verändern. Wir sind sehr stolz auf die bereits erreichten Etappenziele und werden, gestärkt durch das Vertrauen unserer Investoren, die Internationalisierung weiter konsequent vorantreiben“, sagt Peter Windischhofer, Mitgründer und CEO von refurbed.

Kreislaufwirtschaft mit großem Potenzial
Die im heurigen Sommer abgeschlossene Series-B-Finanzierungsrunde in Höhe von 54 Mio. USD (rund 45,6 Mio. €) folgt auf ein Investment in Höhe von rund 16 Mio. € im März 2020. Mit dem frischen Kapital will refurbed seine führende Position im D-A-CH-Markt für vollständig erneuerte Elektronik ausbauen und in weitere europäische Länder expandieren. Auch das Produktportfolio soll gezielt weiterentwickelt werden. Zudem wird sich refurbed auf die Skalierung seines internationalen Teams konzentrieren, das Spezialisten aus ganz Europa vereint. Federführend investierten die finnische Evli Growth Partners und die kalifornische Almaz Capital in den Online-Marktplatz. Ebenso ziehen bestehende Investoren wie der österreichische Start-up-Finanzierer Speedinvest, Bonsai Partners oder All Iron Ventures mit. Eine Gruppe neuer Geldgeber – Hermes GPE, C4 Ventures, SevenVentures, Alpha Associates, Monkfish Equity (Beteiligungsfirma der Trivago-Gründer), Kreos Capital, Isomer Capital und Creas Impact Fund – ist ebenfalls mit an Bord.

„Wir von Evli Growth Partners sehen das enorme Potenzial hinter der Art und Weise, wie refurbed zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft beiträgt. Wir sind begeistert, die Series-B anzuführen und dieses missionsorientierte Unternehmen, das sowohl finanziell als auch ökologisch erfolgreich ist, zu unterstützen“, sagt Riku Asikainen von Evli Growth Partners. „Das bereits erzielte Wachstum von refurbed ist sehr beeindruckend und wir sehen, dass noch viel Potenzial vorhanden ist. Wir freuen uns sehr darauf, das Unternehmen weiter auf seinem Weg zu unterstützen und sind überzeugt, dass die aktive internationale Expansion erfolgreich sein wird“, ergänzt Charlie Ryanat von Almaz Capital.

Nachhaltige Elektronik auf dem Vormarsch
„Wir sehen, dass sich das Verbraucherverhalten in ganz Europa rapide in Richtung Nachhaltigkeit verändert und das gilt besonders für Elektronik“, sagt Pascal Cagni, Partner bei C4 Ventures und ehemaliger VP von Apple EMEIA (Europe, Middle East, India & Africa). Die Elektronikindustrie ist einer der größten Industriezweige der Welt und stößt jährlich Unmengen an CO2 aus. Zum Vergleich: Der gesamte CO2-Fußabdruck bei der jährlichen Produktion von Mobiltelefonen entspreche laut refurbed in etwa den CO2-Emissionen eines Landes wie den Philippinen. Das trage einerseits erheblich zum Klimawandel und andererseits zum Elektroschrott-Aufkommen bei. Die aktuell weltweit pro Jahr anfallenden rund 50 Mio. t Elektroschrott würden sich bis 2050 auf 110 Mio. t mehr als verdoppeln. Nach Ansicht von Experten des World Economic Forum (WEF) liege der erste Schritt zur Bewältigung dieses massiven Problems daher im Vorantreiben der Reparatur und nicht primär beim Recycling.

Die Erfolgsgeschichte von refurbed und der drei Gründer Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl ist vor allem durch starkes jährliches Wachstum geprägt: 2020 konnte der Außen-Umsatz (GMV) im Vergleich zu 2019 auf mehr als 100 Mio. € verdreifacht werden. Dasselbe Wachstum strebt refurbed für 2021 an und fokussiert dabei unter anderem auf die Kernmärkte Österreich, Deutschland, Irland, Frankreich, Italien und Polen. Bis Ende 2021 sollen drei weitere Länder in Europa erschlossen werden. Das Unternehmen hat mittlerweile mehr als 11.000 Produkte von mehr als 130 Händlern auf seinem Marktplatz gelistet und beschäftigt derzeit rund 120 Mitarbeiter. Bis heute hat refurbed mehr als 800.000 Produkte über seine Plattform verkauft und pflanzt für jedes verkaufte Gerät einen Baum in Haiti, Indonesien, Kenia, Madagaskar, Mosambik oder Nepal. (hk)

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