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voestalpine mit Rekordumsatz im ersten Halbjahr 2018/19 © voestalpine
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Redaktion 08.11.2018

voestalpine mit Rekordumsatz im ersten Halbjahr 2018/19

Mitarbeiterzahl auf neuem Höchststand, makroökonomische Entwicklung zunehmend durch globale Handelskonflikte geprägt.

LINZ. Während das Geschäftsjahr 2018/19 für den voestalpine-Konzern im ersten Quartal mit solider wirtschaftlicher Dynamik begonnen hatte, begann sich die Konjunkturentwicklung vor allem im Gefolge zunehmender weltweiter Handelskonflikte im zweiten Quartal etwas einzutrüben.

Dennoch gelang es, die Umsatzerlöse im 1. Halbjahr 2018/19 im 12-Monats-Vergleich abermals zu erhöhen, ergebnismäßig kam der Konzern allerdings aufgrund einer Reihe belastender Faktoren unter dem Vorjahresniveau zu liegen. „Im Vergleich mit dem bisherigen Rekordjahr 2017/18 konnte zwar der Umsatz nochmals verbessert werden, allerdings spiegelt das etwas schwächere Halbjahresergebnis zum einen erste Effekte einer global zunehmend protektionistischen Wirtschaftspolitik und zum anderen ergebnisbelastende interne Sondereffekte wider“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Eder.

Regional betrachtet, hat sich außerhalb der Europäischen Union vor allem das Wirtschaftswachstum in China zuletzt verlangsamt. In operativer Hinsicht kam es im Laufe des Sommers durch extremes Niedrigwasser auf den innereuropäischen Schifffahrtsrouten zunehmend zu logistischen Erschwernissen. Innerhalb des Konzerns trugen sowohl die lang geplante, mehr als dreieinhalbmonatige Generalsanierung des Großhochofens am Standort Linz als auch ein unerwarteter Stillstand der HBI-Anlage in Texas infolge von Hochwasser zur Ergebnisminderung bei. Zusätzlich wurde das Ergebnis durch Hochlaufkosten bei Neuanlagen des Automotive-Bereichs in Nordamerika belastet.

Umsatzsteigerung bei vermindertem Ergebnis
Der Konzern erzielte im 1. Halbjahr 2018/19 gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres ein Umsatzplus von 5,9%: Mit einer Steigerung von 6,3 auf 6,7 Mrd. € wurde ein neuer Halbjahreshöchstwert erreicht. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag mit 860 Mio. € um 11,2% unter dem All-Time-High des ersten Halbjahrs 2017/18 (969 Mio. €). Für die EBITDA-Marge bedeutete dies einen Rückgang von 15,4 auf 12,9%.

Das Betriebsergebnis (EBIT) fiel im gleichen Zeitraum von 584 auf 480 Mio. €, was einer Verringerung um 17,9% entspricht. Die EBIT-Marge kam nach 9,3% im Vorjahr bei 7,2% zum Liegen. Prozentuell gleich nahm auch das Ergebnis vor Steuern von 514 auf 422 Mio. € ab. Das Ergebnis nach Steuern sank im selben Zeitraum um 18,7% von 389 auf 316 Mio. €.

Aufgrund der guten Ergebnisentwicklung in den letzten zwölf Monaten verbesserte sich das Eigenkapital des Konzerns von 6,2 Mrd. € per 30.9.2017 auf 6,6 Mrd. € per 30.9.2018. Zum 30.9.2018 waren im voestalpine-Konzern knapp 52.000 Mitarbeiter (FTE) beschäftigt, was gegenüber dem Vorjahres-Vergleichswert einem Zuwachs um rund 2,6% entspricht und einen neuen Höchstwert darstellt.

Investitionen durch Hochofen-Erneuerung deutlich über Vorjahr
Im 1. Halbjahr 2018/19 lag der Investitionsaufwand des voestalpine-Konzerns mit 475 Mio. € um 40,5% über dem Vorjahreswert. Dieser Anstieg ist vorwiegend auf die im September abgeschlossene Großreparatur des Hochofens A in Linz mit Gesamtkosten von rund 180 Mio. € sowie die planmäßig voranschreitenden Arbeiten am Bau des neuen Edelstahlwerkes in Kapfenberg zurückzuführen. Im Zuge des Ausbaus der Aerospace-Aktivitäten wurde an diesem Standort zudem der Testbetrieb an einer Hightech-Schmiedepresse für Luftfahrtwerkstoffe aufgenommen; im benachbarten Mürzzuschlag ging eine neue Walzlinie für Titanbleche, die ebenfalls im Flugzeugbau zum Einsatz kommen, in Betrieb.

Der internationale Roll-out von eigenen Automotive-Technologien wurde mit der Eröffnung neuer Werke an den mexikanischen Standorten Aguascalientes und Zacatecas sowie dem Hochlauf einer Produktion im chinesischen Tianjin im laufenden Geschäftsjahr erfolgreich fortgesetzt. Auch im neu formierten Geschäftsbereich Railway Systems gelang mit der Gründung eines zweiten Joint Ventures für die Weichenproduktion in der Volksrepublik ein wichtiger nächster Expansionsschritt.

Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr
Die konjunkturelle Entwicklung war im Verlauf der ersten sechs Monate des Geschäftsjahrs 2018/19 in einigen Wirtschaftsregionen durch eine gegen Ende der Periode fragiler werdende Wachstums- und damit auch Ergebnisdynamik geprägt, in Europa zunehmend verstärkt durch eine steigende Preisvolatilität im Energiebereich und nicht zuletzt auch bei CO2-Emissions-Zertifikaten. Hauptursache für zunehmende Konjunkturbedenken sind aktuell jedoch sich mehrende negative Effekte aus Verwerfungen der internationalen Handelsströme sowie Nachfrageschwächen in einzelnen Industriesegmenten, u.a. der europäischen Automobilindustrie, dort ausgelöst durch das neue Emissionstestverfahren (WLTP).

Auch voestalpine-spezifisch ergaben sich zusätzliche Ergebnisbelastungen, insbesondere aus der Hochofenreparatur in der Steel Division, über Budget liegenden Hochlaufkosten an nordamerikanischen Automotive-Standorten und ungeplanten Stillständen der HBI-Anlage in Texas. Nicht zuletzt stellte extremes Niedrigwasser auf Europas Schifffahrtsstraßen eine zusätzliche Herausforderung dar. „Vor diesem Hintergrund wird eine Wiederholung des Rekordergebnisses von 2017/18 entgegen den Erwartungen noch zu Beginn des laufenden Geschäftsjahrs nicht möglich sein“, führt Eder dies vor allem auf die Ergebnisbelastung aus der über die Sommermonate erfolgten, umfassenden Erneuerung des größten Schmelzaggregats im Konzern zurück. Die ursprünglich angestrebte überwiegende Kompensation durch anderweitige positive Effekte werde unter den gegebenen Voraussetzungen nicht mehr zu realisieren sein. „Es ist daher auf Basis der aktuellen Entwicklung für das Geschäftsjahr 2018/19 nunmehr von einem Betriebsergebnis (EBIT) von etwas unter einer Milliarde bzw. einem operativen Ergebnis (EBITDA) von knapp 1,8 Milliarden Euro auszugehen“, erläutert Eder. (pj)

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