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Bereit, überaus mutig zu sein © Christoph Kerschbaum (3)

Die Definition von Erfolg: ein offenes und persönliches Interior Design von Büros, Praxen und Arbeitszimmern fördert das Betriebsklima und eine positive Unternehmensidentität.

© Christoph Kerschbaum (3)

Die Definition von Erfolg: ein offenes und persönliches Interior Design von Büros, Praxen und Arbeitszimmern fördert das Betriebsklima und eine positive Unternehmensidentität.

Barbara Jahn 01.07.2022

Bereit, überaus mutig zu sein

Interior Designerin Almuth Bene im Porträt: Schon in ihrem Namen steckt die Courage für jede Menge Neues.

Wien. Ihre Welt ist nicht schwarz und weiß. Sie ist bunt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es ein kräftiges Blau ist, das einem als erstes ins Auge springt, wenn man ihr Designatelier im 7. Bezirk betritt – ein Farbton, so selbstbewusst, kraftvoll und erfrischend, wie Almuth Bene selbst. „Wahrscheinlich habe ich diese Farbe intuitiv gewählt, weil ich sie selbst gerne mag. Ich empfinde Blau als angenehm und beruhigend”, sagt die gebürtige Oberösterreicherin. Farben sind überhaupt eines ihrer Lieblingsthemen, das sie immer wieder aufgreift. „Ich greife oft und gern in den Farbtopf, weil ich der Meinung bin, dass Farbe Räumen guttut. Alles bekommt auf farbigen Wänden eine bessere Kontur und ein neues Erscheinungsbild. Nicht umsonst sind die Wände in den Museen immer farbig angestrichen.”

Von null auf hundert

Kontur bekommen hat ihr eigenes Unternehmen Almuth Bene Eventarchitektur vor knapp 20 Jahren, als sie – noch bei Bene angestellt – begann, verschiedene Firmenevents auszustatten. Eigentlich hat sie Französisch und Italienisch studiert und mit ihrem Mann Thomas Bene ein Jahr in Chicago verbracht, als sie, immer schon eine leidenschaftliche Köchin und Gastgeberin, auf den Geschmack kam, aus ihrem Hobby ihren Beruf zu machen. Als sie schließlich für den runden Geburtstag ihres Mannes ein rauschendes Fest organisierte, wurde sie von einem befreundeten Unternehmer vom Fleck weg engagiert. „Der Motor ist angesprungen, bevor ich noch einen Namen für meine Firma hatte”, erinnert sich Almuth Bene an die Anfänge. Und der Motor hat bis heute nicht aufgehört zu laufen.
Gemeinsam mit ihrem Team, auf das sie sehr stolz ist, kann sie heute Events mit bis zu 1.000 Leuten ausrichten. Für die Tische und Stühle sowie ihre ideenreichen Sonderanfertigungen und Accessoires hat sie ein Lager angemietet. Dort befindet sich sogar der Inhalt eines ganzen Übersee-Containers: Tausende Serviceteile – vom Suppenteller bis zur Kaffeetasse – haben den Weg von Chicago nach Wien gefunden und kommen bei Events zum Einsatz. „Ich liebe Flohmärkte und Vintageläden”, schwärmt die Eventmanagerin, die sich grundsätzlich um den Erhalt alter, schöner Dinge bemüht. Wegschmeißen ist nicht ihr Ding. „Ich liebe die Mischung aus Alt und Neu und bin gerne mit Kunden am Flohmarkt unterwegs. Manchmal reicht es, einen alten Stuhl neu zu streichen oder aufzufrischen. Das gefällt den Menschen, auch wenn es ihnen oft nicht als erstes in den Sinn kommt.”

Liebe zur Farbe

Mit Almuth Bene Living startete die erfolgreiche Unternehmerin in einer Zeit, wo Menschen viel Zeit zu Hause verbrachten und auf sie zukamen. Obwohl sie nicht Architektur studiert hat, verfügt sie über eine ausgeprägte Vorstellungskraft. „Ich habe mich immer schon für Kunst, Kultur und Architektur interessiert. Das räumliche Denken wurde mir zum Glück in die Wiege gelegt.” Mit der Innenarchitektur ist es ihr dabei richtig ernst: „Das ist nicht nur Kosmetik. Mit meinem Netzwerk an Professionisten und Partnern realisieren wir Umbauten, Ausbauten und ganze Projekte.” Die Ideen dafür holt sie sich auf ihren Reisen, Menschen sind für die genaue Beobachterin und Zuhörerin die beste Inspirationsquelle. Beim ersten Treffen schreibt sie fleißig mit und macht Skizzen, die bereits auf der Heimfahrt schon zu ganzen Szenarien heranreifen: „Oft ist es so, dass ich wo hineinkomme und schon alles fertig vor mir sehe.” Was bei Almuth Bene niemals fehlen darf, ist Gemütlichkeit und eine persönliche Note. „Damit meine ich aber nicht meine eigene Note, sondern die des Auftraggebers, die ich versuche, bei unseren Gesprächen herauszuhören.” Oft ist sie selbst erstaunt, wenn sie feststellt, dass ihre Kunden das Gefühl haben, immer schon so gewohnt zu haben. „Es muss zu den Menschen passen, die darin wohnen und leben – ein Ambiente wie im Museum oder aus dem Katalog braucht niemand.”

Noch mehr Ideen

Von Trends lässt sie sich wenig beeindrucken. Aber man müsse am Ball bleiben, sagt Almuth Bene. Auch Stil sei ihr nicht so wichtig, doch wenn sie sich beschreiben müsste, dann wäre es modern, aber nicht modisch, immer mutig, was Farben angeht, weniger geradlinig und manchmal opulent. Sie versucht beim Entwerfen stets zeitgemäß und klassisch zu sein, mixt gerne verschiedene Stile und Richtungen. Doch wichtig ist ihr vor allem dabei, für die Dinge offen zu bleiben und sich nicht auf etwas festzulegen. „Manchmal passt etwas, das vielleicht gerade im Trend liegt, so gar nicht dazu, deshalb muss man immer flexibel bleiben. Es gibt für alles eine Lösung. Ich möchte vor allem, dass sich die Menschen wohlfühlen. Auf keinen Fall möchte ich ihnen meinen ‚Stil' überstülpen. Es ist natürlich gut möglich, dass man das Interior einer Almuth Bene wiedererkennt, aber das ist nicht mein Fokus.”
Bei den gemeinsamen Büroprojekten ergeben sich die Schnittpunkte mit Ehemann Thomas Bene, der das Unternehmen Home of Work gegründet hat. Ihr Know-how, das sie bei ihren anderen Projekten gesammelt hat, wendet sie dabei auch auf den Arbeitsplatz an: „Es geht um mehr, als nur Tische und Sessel hineinzustellen. Gerade jetzt, nach der Pandemie, ist das umso wichtiger, um die Leute wieder aus dem Homeoffice ins Büro zu holen. Deshalb muss man ein freundliches Umfeld schaffen.” Einmal mehr unterstreicht sie die Rolle von Farben und Materialien. „Es muss nicht immer alles glatt und weiß sein. Es geht darum, die Zwischentöne zu kreieren, damit eine Wohlfühlatmosphäre entstehen kann. Das ist ein Asset, mit dem wir gut punkten.”
Ihr eigener Name ist Programm und verpflichtet. Für sie ­bedeutet das 100% persönlicher Einsatz, auch wenn sie vieles opfern musste. „Für mich heißt das, immer selbst dabei zu sein. Ich habe ein Spitzenteam, aber meine Kunden buchen Almuth Bene Eventarchitektur und meine Person quasi mit. Ebenso bei Almuth Bene Living. Die Leute sind enttäuscht, wenn ich nicht zu ihnen komme. Mein Name steht für das, was ich bin.” Für die Zukunft wünscht sie sich, dass es so weitergeht wie bisher und dass sie noch viele Kunden glücklich machen kann. „Das Wichtigste für mich ist, dass sich Menschen in ihren vier Wänden wohlfühlen. Und eigentlich ist damit schon alles gesagt.”

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