LUXURY BRANDS & RETAIL
Bestens eingerichtet © ADA

Die Unternehmen der österreichischen Möbelindustrie punkten mit erstklassiger Qualität, Designkompetenz und Nachhaltigkeit.

© ADA

Die Unternehmen der österreichischen Möbelindustrie punkten mit erstklassiger Qualität, Designkompetenz und Nachhaltigkeit.

britta biron 18.11.2022

Bestens eingerichtet

Italien dominiert den globalen Markt für Highend-Möbel, aber auch Made in Austria ist sehr gefragt.

Mailand/Wien. Laut dem aktuellen Design Market Monitor der italienischen Luxusmarken-Vereinigung Altagamma und der Unternehmensberatung Bain & Co läuft das weltweite Geschäft mit hochwertigen Möbeln und Wohnaccessoires glänzend. Trotz eines geringen eCommerce-Anteils von nur sieben Prozent und Einschränkungen im stationären Handel konnte die Branche im Vorjahr ihren globalen Umsatz gegenüber 2019 um gut sieben Prozent auf 40 Mrd. € steigern und den Corona-Verlust von 2020 mehr als kompensieren.

„Während der Designmarkt im Jahrzehnt vor der Covid-19-Pandemie im Vergleich zu anderen Luxussektoren eine geringere Performance gezeigt hat, konnte er in den letzten zwei Jahren von der Rückbesinnung der Menschen auf ihr Zuhause, dem Aufstieg der hochwertigen Immobilien und dem lokalen Konsum profitieren”, so Claudia D’Aprizio Seniorpartnerin bei Bain und Autorin der Studie.
Ein Ende des Aufwärtstrends ist bis auf Weiteres nicht in Sicht. Für heuer und bis 2026 rechnet die Expertin mit jährlichen Zuwächsen zwischen fünf und sieben Prozent auf ein Volumen von mehr als 60 Mrd. €.

Cocooning-Trend

Wesentliche Treiber sind neben dem anhaltenden Cocooning-Trend und der zumindest teilweisen Verlagerung der Büroarbeit ins Homeoffice die steigende Anzahl von (Zweit)wohnsitzen am Land in den westlichen Ländern, die zweite Urbanisierungswelle in Asien sowie die wachsende Nachfrage im Objektbereich, etwa bei der Einrichtung von Geschäften, Restaurants und Hotels.
Als Erfolgsfaktoren für die Hersteller zunehmend wichtig werden Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, die Stärkung des (Marken-)Images – aktuell sind rund 65% der Produkte hochwertige No Names –, mehr eigene Retail-Maßnahmen (rund 70% des Marktvolumens laufen über den Großhandel), der Ausbau des Online-Geschäfts und mehr Fokus auf neue Märkte, vor allem in Asien. Dominiert wird der weltweite Highend-Möbelsektor von italienischen (Marken)herstellern, auf die gut ein Viertel der Umsätze entfällt. „Dank ihrer herausragenden Rolle werden sie in der Lage sein, den Wandel voranzutreiben, indem sie ihre charakteristische Mischung aus unternehmerischem Talent, Innovation und Kreativität nutzen”, sieht D’Aprizio die italienische Möbelbranche gut gerüstet für die Zukunft.

Exquisites Design

Aber auch Made in Austria kommt bei anspruchsvollen Möbelkäufern sehr gut an – nicht nur am Heimatmarkt, sondern auch international. „Wir sind froh, dass wir die Einbrüche nach der Coronakrise wieder aufholen und im ersten Halbjahr 2022 einen Exportzuwachs von 20,5 Prozent auf 676,6 Mio. Euro erwirtschaften konnten”, so Georg Emprechtinger, Vorsitzender der Österreichischen Möbelindustrie und Inhaber von Team7.
Nach Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt, wurden Möbel im Wert von 291,9 Mio. € (+14,6%) exportiert. Den zweiten Platz im Exportranking hält die Schweiz mit 80,8 Mio. € (+21,6%), gefolgt von Polen mit 40,9 Mio. € (+30,6%) und Italien mit 27,7 Mio. € (+24,9%). Erfreulich ist auch die Entwicklung am US-Markt mit einem Plus von 28,3%.

Qualität ist gefragt

„Das wachsende internationale Interesse zeigt, dass wir weltweit einen besonderen Ruf genießen – nicht aufgrund der Preise, sondern durch Handwerk, Produktqualität und Innovation. Auch die Umweltstandards werden international immer mehr gesehen”, so Emprechtinger. Was die kommenden Monate betrifft, ist er allerdings skeptischer als D’Aprizio.
Die Lieferketten seien nach wie vor fragil, die hohen Energiepreise eine wirtschaftliche Belastung, und das Konsumverhalten verändere sich angesichts der steigenden Inflation. „Aufgrund der sich verstärkt abzeichnenden Krisen rechnen wir im zweiten Halbjahr und zum Jahresbeginn 2023 mit einer Eintrübung und vorerst rückläufigen Entwicklung.” Trotzdem sieht Emprechtinger Grund für vorsichtigen Optimismus: „Die aktuelle Lage stärkt das Bedürfnis nach Sicherheit, und die Menschen sind derzeit auf der Suche nach nützlichen und werthaltigen Investitionsmöglichkeiten – genau das bieten Möbel aus Österreich. Es wird in den nächsten Monaten darum gehen, das Bewusstsein für Qualität und Güte zu stärken. Und dann sind heimische Möbelhersteller gefragt: Sie greifen die wegweisenden Trendthemen wie Individualität, Flexibilität, Modularität und Funktionalität auf und werten das Heim spürbar auf.”

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL