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Chanel gibt jetzt Stoff © O. Saillant/Chanel
© O. Saillant/Chanel

britta biron 20.03.2020

Chanel gibt jetzt Stoff

Das französische Luxushaus widmet dem Stoff seiner ikonischen Kostüme eine Schmuckserie.

Paris. Für die Schmuckdesigner von Chanel ist es selbstverständlich, typische Charaktermerkmale der Marke aufzugreifen. So widmet sich die Camélia-Linie Coco Chanels Lieblingsblume und die Coco Crush-Kollektion ist eine Hommage an die ikonische Rautensteppung der Chanel-Handtaschen. Auch das Faible der legendären Modeschöpferin für chinesische Wandschirme oder die russische Kultur haben schon als Inspiration gedient, wie die High Jewelry-Reihen „Coromandel” und „Le Paris Russe de Chanel” eindrucksvoll zeigen.

Vom robusten Textil …

Die neueste High Jewelry-Kollektion stellt einen Stoff ins Zentrum, für den ursprünglich keine steile Karriere in der Haute Couture und der Luxusmode denkbar war und der erst durch Coco Chanel salonfähig wurde: Tweed.

Mitte der 1920er-Jahre präsentierte sie erstmals ein Kostüm mit kragenloser Jacke aus dem ­robusten schottischen Wollstoff, der bis dahin für Herrenanzüge oder wetterfeste Mäntel und Capes verwendet worden war.
Ihre Liebesaffäre mit dem Duke of Westminster hatte bei der Entscheidung für das Material, mit dem sie zu dieser Zeit sprichwörtlich auf Tuchfühlung war, sicher eine Rolle gespielt, aber bei aller Emotionalität waren vor allem ganz praktische Gründe ausschlaggebend. Chanels Mode war für moderne, aktive Frauen gedacht, die auf Reisen gehen, Auto fahren und Sport treiben und daher nicht nur auf Chic, sondern auch Bequemlichkeit Wert legen. Und Tweed bot ihrer Ansicht nach dafür die bes­ten Voraussetzungen. Ihre intensive Beschäftigung mit dem Material ging sogar so weit, dass sie – nach eigener Behauptung – bald in der Lage war, allein am Griff zu erkennen, ob der Stoff mit Wasser aus dem Fluss Tweed – der allerdings nicht der Namenspatron des Gewebes ist – gewaschen wurde oder einem x-beliebigen.
Aber wie übersetzt man ein flexibles Wollgewebe in hartes Edelmetall?

… zum edlen Geschmeide

Die Schmuckdesigner von Chanel haben für die Lösung dieser Aufgabe einen auf der einen Seite sehr naheliegenden und andererseits optisch besonders vielseitigen Ansatz gewählt und die typische Webstruktur zum zentralen Gestaltungselement der Tweed de Chanel-Kollektion gemacht.
Die „Kett- und Schussfäden” bestehen aus Weißgold mit üppigem Diamantpavé, Ketten und Kordeln aus glänzendem Gelbgold und Perlenschnüren; „eingewebt” sind weiße Diamanten in verschiedenen Größen oder – als Referenz an die bunt melierten Tweeds und farbigen Borten – Edelsteine in Pink, Gelb, Grün und Rot.
Die hochkarätige Kollektion umfasst neun verschiedene Linien mit insgesamt 45 Stücken – Ringe, Colliers, Ketten, Armbänder, Ohrschmuck, Broschen und drei Schmuckuhren.
Preise wurden noch keine bekannt gegeben, aber man darf annehmen, dass die goldene Tweed-Version ein recht kostspieliger Spaß ist.

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