LUXURY BRANDS & RETAIL
Fashionabler Großevent
britta biron 25.09.2020

Fashionabler Großevent

Die MQ Vienna Fashion Week trotzte der Coronakrise und fand wie gewohnt analog statt.

Wien. „Wien ist anders” – aus dem Marketing der Donaumetropole ist dieser Slogan zwar längst verschwunden, für die MQ Vienna Fashion Week gilt er in gewisser Weise aber weiter. Denn von ihren großen Schwestern in Mailand, London, Paris oder New York unterscheidet sich das fashionable Schaulaufen stark – heuer ganz besonders.

Denn während die großen Modewochen überwiegend digital und mit weniger Marken stattfinden, ging die 12. Ausgabe der MQ Vienna Fashion Week vom 7. bis 12.September wie gewohnt analog über den Laufsteg – allerdings um einen Tag kürzer und mit Maskenpflicht und weniger Gästen pro Show.
Die größten Pandemie-bedingten Auswirkungen gab es im Vorfeld. „Wir haben heuer mit der Planung der Fashion Week erst deutlich später als gewohnt begonnen, da wir ja zuerst die Richtlinien der Regierung abwarten mussten”, erklärt Organisatorin Elvyra Geyer. „Herausforderungen gab es viele, aber nichts, was wir nicht bewältigen konnten. Es war klar, dass es heuer anders wird, aber wir waren sicher, dass sich unsere Besuche die Freude an der Mode auch in Zeiten wie diesen nicht nehmen lassen.”

Trendsetter

„Gerade in diesen schwierigen Zeiten war es uns wichtig, den Designern eine Bühne zu bieten”, erklärt Zigi Mueller Matyas, eine der drei Organisatorinnen, die Entscheidung. Zwar sieht sie einen generellen Trend zur Digitalisierung der Modebranche, ein Auslaufmodell seien die klassischen Fashion-Shows trotzdem nicht. Allerdings sei es notwendig, die Konzepte zu überdenken und den aktuellen Trends anzupassen.
Etwa hinsichtlich Nachhaltigkeit, Fairness und Regionalität – Faktoren, die im Zuge der Pandemie noch stärker in den Fokus der gerückt sind.

Klein & fein

„Die Menschen kaufen jetzt viel bewusster ein als vor dem Lockdown. Es gibt mehr Interesse am Background der Marken, deren Philosophie und Produktionskriterien. Sie nehmen sich mehr Zeit für Informationen, sind achtsamer geworden und suchen gezielter aus. Wir sehen diese Entwicklung besonders stark in unserem eigenen Geschäft, dem Not Another Concept Store; hier suchen die Kunden nach dem Speziellen, Nachhaltigen und vor allem auch Lokalen. Wir denken, dass dieses Umdenken wirklich von Dauer sein kann”, ist Mitorganisatorin Maria Oberfrank überzeugt. Sie gibt aber auch zu, dass es sowohl für Marken als auch Händler schwierig sei, sich gegen die großen internationalen Fast Fashion-Player zu behaupten.

Große Vielfalt

Für die MQ Vienna Fashion Week ist Slow und Fair Fashion nichts Neues. „Wir arbeiten seit Anbeginn nur mit Independent Labels, deren Produktionsketten überschaubar und fair sind”, sagt Oberfrank.
Im Fokus standen heuer vor allem heimische Marken, darunter Niko Niko, Callisti, Sabine Karner, Pitour, Manufaktur Herzblut, Plural, Susa Kreuzberger, Manuel Essl Design, Milk oder Ingried Brugger sowie der Designnachwuchs von der Modeschule Michelbeuern und dem Mode und Design-Kolleg Herbststraße.
Auf den traditionellen Thailand-Schwerpunkt hat man trotzdem nicht verzichtet; allerdings waren die Designer, bedingt durch die Reiserestriktionen, diesmal nicht persönlich vor Ort, sondern wurden per Video zugeschaltet.

Ausgezeichnetes Design

Highlight der Wiener Modewoche war die Verleihung der Austrian Fashion Awards am Eröffnungsabend.
Den mit 10.000 € dotierten outstanding artist award für experimentelles Modedesign des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport erhielt heuer Susanne Bisovsky, und Christina Seewald, die ihr Strickmodelabel erst im Vorjahr gegründet hatte, durfte sich über den Modepreis der Stadt Wien freuen.
Im Anschluss an die von Derek Roberts moderierte Verleihung wurden im Rahmen der künstlerischen Inszenierung „The Ecstatic” unter der kreativen Leitung von Adia Trischler die Kollektionen der Preisträgerinnen sowie ausgewählte Arbeiten von Designern, die im letzten Jahr ausgezeichnet bzw. gefördert worden waren, wie zum Beispiel Carolin Holzhuber, Matthias Winkler, Maximilian Rittler oder Louise Streissler, präsentiert.

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