LUXURY BRANDS & RETAIL
Geschäftsidee Kreativität © Tom Dixon (5)

In Mailand stellte Tom Dixon unter anderem den Fat Chair und die Opal-Leuchte vor (o.). Das vor wenigen Wochen eröffnete Manzoni in Mailand ist Restaurant, Showroom und Shop.

© Tom Dixon (5)

In Mailand stellte Tom Dixon unter anderem den Fat Chair und die Opal-Leuchte vor (o.). Das vor wenigen Wochen eröffnete Manzoni in Mailand ist Restaurant, Showroom und Shop.

Markus Schraml 15.11.2019

Geschäftsidee Kreativität

Porträt Der britische Designer Tom Dixon plädiert für Design, das sich gut verkaufen lässt.

London. Alles, was dieser Mann anfasst, wird zu Geld. Tom Dixon ist als Designer und Geschäftsmann gleichermaßen erfolgreich. Das Gestalten hat er sich selbst beigebracht und schon sehr früh ein Gespür dafür entwickelt, was sich verkaufen würde und was nicht, behauptet er. Dass sich der Hauptsitz des Tom Dixon Studios in London befindet, könnte passender kaum sein – eine Metropole, die aufgrund ihrer Anziehungskraft einen phänomenalen Mix aus sprühender Kreativität und Geschäftssinn hervorgebracht hat.

Im Rahmen des London Design Festivals verwandelte Dixon sein Studio in einen Erlebnisparcours der Sinne. Der Gebäudekomplex beherbergt nicht nur das Atelier, sondern auch ein Restaurant und den Tom Dixon Shop. Viele Projekte, die im Studio entstehen, werden hier erstmals präsentiert. Die Gewölbebögen des Shops sind ein öffentliches Experimentierfeld, auf dem Ideen erstmals ausprobiert werden. „Vieles, was hier vor sich geht, hat damit zu tun, Menschen mit Ideen zu konfrontieren, um zu sehen, ob sie funktionieren oder nicht. Das kann man auch am Computer oder mit einem kleinen Prototypen machen, aber diese reelle, physische Erfahrung ist auf diese Art fast unmöglich zu erreichen, auch nicht mit Virtual Reality”, erklärt der diesjährige Gewinner der London Design Medal.

Neue Düfte

2019 will Tom Dixon alle fünf Sinne ansprechen – mindestens. Der etwas sperrige Slogan dazu lautet: TouchySmellyFeelyNoisyTasty. Vor allem das Thema Gerüche hat es dem britischen Designer angetan: „Wir haben mit französischen Geruchsexperten zusammengearbeitet, um zwei neue Düfte zu kreieren: Underground und Alchemy. Bei Underground geht es um Ingwer. Der Titel kommt von meiner Vorliebe für die Underground-Bewegung der 60s. Ich liebe die Grafiken und den radikalen Ansatz in der Musik dieser Zeit.” Der zweite Duft, Alchemy, soll eine Analogie auf die Arbeit des Designstudios selbst sein. Dixon: „Eine Idee zu Geld zu machen, hat mich immer fasziniert. Viele Designer halten Geld für etwas Böses. Ich denke aber, wenn man ein Produkt nicht verkaufen kann, hätte man es vielleicht erst gar nicht machen sollen.”

Der sechste Sinn

Seit seiner Gründung wurden im Tom Dixon Studio über 600 Produkte entworfen. Neben dem Headquarter in London betreibt das Studio Büros in New York und Hongkong. Dixon ist vor allem durch seine Leuchtenkreationen bekannt, die eine enorm luxuriös schillernde Ausstrahlung besitzen. Aber der Kreative will ständig neue Bereiche mit und im Design erobern. Für ihn gibt es immer nur das nächste Projekt – was in der Vergangenheit liegt, erweckt kein Interesse mehr. Ohnehin sieht Dixon in all seinen bisherigen Arbeiten – erfolgreich oder nicht – nur die Fehler. Ein perfektes Objekt habe er noch nicht zustandegebracht, sagt er. „Was mich im Moment interessiert, ist, Dinge zu versuchen, die ich noch nie gemacht habe. Egal ob Akustik, Lichtstärke, Geschmack, Geruch und auch der Gedanke, immer näher an die Hightech-Branche heranzurücken.” Derzeit beschäftigt ihn alles, was über das Sehen hinausgeht; sogar der sechste Sinn steht auf der Agenda. „Der sechste Sinn ist eine Art von Kommunikation, ohne zu sprechen. Derzeit ist der sechste Sinn etwas, was überall um uns herum ist, und was in der Dimension des Digitalen existiert. Dort gibt es von allem immer mehr, alles wird absorbiert. Es geht nur noch um visuelle Erfahrungen, Erfahrungen, die bisher physischer Natur waren, werden in 1 und 0 verwandelt. Dieser sechste Sinn ist eher böse: Videoüberwachung, Computer übernehmen alles. Aber ich glaube, dass es immer noch Raum für das Gegenteil gibt. Wir arbeiten hier intensiv daran, den Menschen echte, körperliche Erfahrungen zu ermöglichen.”

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL