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West-östlicher Diwan © Marco Covi (3)

Für Arper entwickelte Ichiro Iwasaki mit Kiik Inseln der Begegnung für Räume zwischen Ankunft und Aufbruch, Ruhe und Aktion.

© Marco Covi (3)

Für Arper entwickelte Ichiro Iwasaki mit Kiik Inseln der Begegnung für Räume zwischen Ankunft und Aufbruch, Ruhe und Aktion.

Charlotte Franz 29.06.2018

West-östlicher Diwan

Interview Ichiro Iwasaki über Haltung, die italienische Küche und die Definition von Erfolg.

Mailand. Eine Bank mit funktionaler Raffinesse: Mit „Kiik” befreit Ichiro Iwasaki die Couch von altmodischen Vorstellungen und knüpft an die japanische Tradition des niedrigen Sitzens an. Charlotte Franz sprach mit ihm anlässlich der Präsentation auf dem Salone internazionale del Mobile 2018.

medianet:
Sie haben mit ‚Kiik' ein Möbel für den öffentlichen Bereich zum Sitzen, Liegen und Arbeiten entworfen. Werden herkömmliche Mehrsitzer den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht?.
Ichiro Iwasaki: Der öffentliche Raum ist heute offener und die Nutzung vielfältiger als früher. Es koexistieren starke Gegensätze: Stille und Bewegung, Tätigkeit und Erholung, Arbeitsleben und privates Leben, Leichtigkeit und Ernst. Kiik befreit die Couch von altmodischen Definitionen und Zusammenhängen. Mit seiner Modularität reagiert es auf anspruchsvolle Situationen, auf zeitgenössische Lebensstile und auf die Benutzer.

medianet: Wie sind Sie an das Design herangegangen?
Iwasaki:
Ich habe in Parks, Museen und Flughäfen beobachtet – Orte, wo Menschen kommen und gehen. Man sieht sie herumstehen und reden, telefonieren, am Laptop arbeiten oder auf dem Boden liegen. Es waren Plätze, an denen viel Dynamik herrscht und an denen es sich die Leute bequem gemacht haben. Ich habe diese Elemente organisiert mit dem Ziel, ein Möbel für das Zusammenkommen zu schaffen.

medianet:
Wo soll Kiik verwendet werden?
Iwasaki: Das Möbel wurde für Plätze entworfen, an denen sich Menschen versammeln. Es ist flexibel und kann sowohl einzeln verwendet als auch zur Gruppe verbunden und erweitert werden. Kiik kann in unterschiedlichen Kontexten zum Einsatz kommen, da es mehrere Funktionen unseres täglichen Lebens umfasst: Ein Konsolentisch für das Stehen, eine Couchbank für das Sitzen und ein Ottomane für das Hinlegen.

medianet:
Kiik gibt es in unterschiedlichen Höhen. Inwiefern hat die japanische Kultur des niedrigen Sitzens den Entwurf beeinflusst?
Iwasaki: In Asien kann man oft sehen, wie Leute auf dem Fußboden oder auf großen niedrigen Sitzen Platz nehmen. Dabei nimmt man automatisch eine entspannte Haltung ein, streckt sich oder stützt sich nach hinten mit den Armen ab. Diese Grundidee ist auch in Kiik wiederzufinden: Ein Sitzmöbel, das dank niedriger Höhe und einer großen Oberfläche viel Freiheit gewährt und unterschiedliche Positionen vom Stehen bis zum Sitzen anbietet. Daraus ergeben sich verschiedene Blickwinkel und Perspektiven. Es gibt keine konkrete Haltung vor, sondern bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten an. Ich denke, so sollte modernes Sitzen für zeitgenössische Räume gestaltet sein.

medianet:
Ihre Produktpalette reicht von Möbeln über Schmuck bis zu elektronischen Geräten. Welchen Teil Ihrer Arbeit mögen Sie am meisten?
Iwasaki: Der Kern des Designs sind immer die Menschen. Egal ob ich eine Fotokamera, eine Armbanduhr, ein Sofa oder eine Stehlampe entwerfe: Im Fokus steht stets die Person. Für mich ist es hochinteressant zu sehen, welchen Wert das Design für die Nutzer hat.

medianet:
Sie haben einige Zeit in Mailand studiert – was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Iwasaki: Ich habe die Grundlagen des Designs im Sony Design Center in Japan gelernt und war damit soweit zufrieden. Doch was ich während meines Aufenthalts in Italien gelernt habe, entsprach dem kompletten Gegenteil. Ich vergleiche es mit einem Lineal: Ich habe in Japan Maß genommen und dachte, diesen Maßstab kann man weltweit anlegen. Meine sehr japanische Persönlichkeit ist jetzt um ein Stück reicher: Durch die italienische Kultur habe ich gelernt, einen differenzierten Blick auf Werte und Dinge zu legen.

medianet:
Warum sind Sie nach Japan zurückgegangen?
Iwasaki: Als ich Sony verlassen habe, wollte ich mich völlig neu erfinden. Ich suchte nach etwas Aufrichtigem, etwas Authentischem, das ich erschaffen kann. Die Antwort fand ich in Italien und der italienischen Küche. Denn die kreativste und wesentlichste Tätigkeit für Menschen ist das Kochen und Essen. Vielleicht werde ich in meinem Leben kein Chefkoch mehr, aber diese Erkenntnis hat vieles bewirkt: Sie ließ mich wieder auf Design konzentrieren. Es war der größte Wendepunkt meines Lebens.

medianet:
Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?
Iwasaki: Erfolg ist Ansichtssache. Die Frage lautet: Wie wird Erfolg definiert und von wem? Meiner Meinung nach sollte nicht von anderen festgelegt werden, was Erfolg ist. Im Gegenteil: Jeder sollte eine eigene Definition entwickeln, durch Selbstreflexion.

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