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Wohlriechendes Image © PantherMedia/Lev Dolgachov
© PantherMedia/Lev Dolgachov

britta biron 28.09.2018

Wohlriechendes Image

Parfumeur Wolfgang Lederhaas erklärt, warum immer mehr Unternehmen im Marketing auch Düfte einsetzen.

Wien. Zwar orientieren sich Menschen seit jeher vor allem mit den Augen, besonders in der heutigen, bilderlastigen Welt, und dem Geruchssinn wurde eine untergeordnete Stellung zugewiesen – zu Unrecht, denn auch Gerüche spielen eine wesentliche Rolle dabei, wie man sich fühlt, handelt, wen oder was man sympathisch findet – und wie man Kaufentscheidungen trifft. Kein Wunder also, dass auch Unternehmen außerhalb der Parfüm- und Kosmetikbranche, wie Autohersteller, Modeboutiquen oder Luxushotels, auf die Kraft der Düfte setzen.

Professionelles Duftmarketing betreiben auch lokale Betriebe wie das Guesthouse Vienna, das Budget Hotel magdas beim Prater oder das Restaurant Labstelle. Was diese drei noch gemeinsam haben, ist, dass sie sich die duftenden Markenzeichen in Form von Seifen, Lotionen und Kissensprays von Wolfgang Lederhaas, Gründer und Inhaber der Wiener Naturkosmetikmarke Lederhaas, kreieren ließen.

Emotionen wecken

Dass Düfte im Marketing zunehmend an Bedeutung gewinnen, wundert den Experten nicht: „Mit ihnen lässt sich eine angenehme und verkaufsfördernde Atmosphäre schaffen und einem Unternehmen eine Signatur verleihen, mit der ses und sich vom Mitbewerb absetzt. Düfte prägen sich in die Erinnerung der Menschen und sind der schnellste Weg ins limbische System, einem Hirnareal, das stark an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt ist. Wem es gelingt, sich dort zu verankern, der hat bereits gewonnen.”
Die Herstellung von Corporate Scents stellt für Parfumeure aber eine besondere Herausforderung dar. Der Duft soll einen unverwechselbaren Charakter haben, aber auch möglichst vielen Menschen gefallen. Das birgt die Gefahr, schlussendlich zu einem lang­weiligen 08/15-Duft zu kommen.
„Daher werden meist Düfte erstellt, die unbewusst wahrgenommen werden”, erklärt Lederhaas. Er ist aber überzeugt, dass Duftmarketing künftig differenzierter, zielgerichteter und damit auch erfolgreicher wird.
Grundsätzlich ließe sich jedes Thema mit Duft kombinieren. Er selbst hat bereits die Oper „Die Zauberflöte” als wohlriechende Seife interpretiert, für die Styriarte einen eigenen Festival-Duft erschaffen und für das eigene Sortiment Seifen, die von Arnulf Rainer-Gemälden und Romanen der Romantik inspiriert sind.
Auf Wunsch komponiert Lederhaas auch maßgefertigte Parfüms für Privatpersonen, eine Arbeit, die er besonders spannend findet. Was ihn daneben von anderen Parfumeuren unterscheidet, ist, dass er ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen aus kontrolliertem Anbau bzw. Wildsammlung arbeitet.

Trend zur Natur

„Es sind vor allem gesundheitliche und ökologische Gründe”, sagt er und sieht im Thema Natur einen der aktuellen Trends im Duftbusiness: „Diejenigen, die noch vor Kurzem Kunstdüfte herausbrachten, schmücken sich nun mit purem Lavendelduft. Die Naturdufthersteller sind andererseits bestrebt, komplexere Kompositionen zu kreieren, um nicht mehr nur Monoduft Lavendel, Rose oder Vanille anzubieten. Hier befruchtet man sich gegenseitig. Daneben gewinnen lokale Pflanzen in der Duftherstellung mehr Bedeutung.”

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