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Alles fast nur halb so schlimm
Redaktion 09.09.2022

Alles fast nur halb so schlimm

Die neue Klimaschutz-Ära begann hierzulande vor elf Jahren. Eine ernüchternde Bilanz.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

FAZIT. 20. Oktober 2011: „Mit dem heute Nacht vom Nationalrat beschlossenen Klimaschutz­gesetz starten wir in eine neue Ära”, beteuerte der damalige Umweltminister Nikolaus Berlakovich. 2017 wurde das Gesetz novelliert, 2020 ist es ausgelaufen. „Leider hat es Österreich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft, die Emissionen zu reduzieren”, bilanzierte Umweltministerin Leonore ­Gewessler ­Österreichs Platz 36 im Klimaschutz-Index 2022 samt Bewertung als „Low Performer”. Ein neues Klimaschutzgesetz gibt es bis heute nicht.

Im Endeffekt „verdanken” wir es einer Pandemie, die die globalen Lieferketten erschüttert hat, Russlands Angriff auf die Ukraine und einer historisch einzigartigen Explosion der Energiekosten, dass Energiesparen und eine Umstellung auf alternative Energiequellen erstmals tatsächlich auf der Agenda einer Bundesregierung stehen. Dass „Hauptsach, kein Strom für die Städter und schon gar nicht für die Wiener” und die Ablehnung „schiacher” Windräder weiterhin öffentlich diskutiert werden dürfen, steht auf einem anderen Blatt. Bissl spät ist es halt für sämtliche einschlägigen Aktivitäten.

Für das persönliche Argumentarium im Kampf gegen die Klimawandelleugnungspyramide – „Den Klimawandel gibt es nicht. Wenn es ihn gibt, ist er halb so schlimm. Wenn es denn wirklich schlimm ist: Was kann Österreich schon bewirken, wenn China …” – ist eben ein neues Buch auf den Markt gekommen: „Die Kunst der Ausrede: Warum wir uns lieber selbst täuschen, statt klimafreundlich zu leben”. Der Psychologe Thomas Brudermann erörtert den persönlichen Vorteil maximierenden rationalen Verhaltens ebenso wie klassisches Aufschieben und das allzeit bewährte Abschieben der Verantwortung in ferne Länder. Apropos China: Die im Vergleich zur EU fast drei Mal so vielen Chinesinnen und Chinesen emittieren nur in Summe mehr Schadstoffe; als Einzelne betrachtet, leben sie viel umweltschonender. Und: Ein beträchtlicher Teil der Emissionen entsteht dort bei der Produktion für Europa bestimmter Waren. Alles nachzulesen.

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