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Augenfällige Agitation
sabine bretschneider 08.03.2019

Augenfällige Agitation

Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Quoten – und eventuell ein Feiertag mehr für alle.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

SPOTLIGHT. Vielleicht fällt es Ihnen auf, vielleicht auch nicht. Wir haben uns bei der Planung der aktuellen Ausgabe – jawohl: Frauentag – dazu entschlossen, die vielen Expertinnen und weiblichen Branchengrößen, mit denen wir Tag für Tag zu tun haben, sichtbarer zu machen, indem wir bei der Themen- und Bildauswahl etwas selektiver vorgegangen sind als sonst.

Falls es Ihnen gleich beim ersten Durchblättern aufgefallen ist: nicht gut. Denn: Eigentlich sollte es Sie ja nicht weiter verwundern. Ein Überhang an Männern fällt im Regelfall auch nicht auf.

Retrospektiv

Eine kurze Rückblende: Der Frauentag ist eine lupenrein sozialistische Initiative, entstanden bei der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen. Der damals gefällte und publizierte Beschluss lautete: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.”

Der erste Frauentag wurde dann am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, der Schweiz – und in Österreich-Ungarn gefeiert.
20 Jahre später wurde er verboten; der gesellschaftspolitische Schwerpunkt hatte sich spätestens ab 1933 radikal verschoben: Statt des Frauentags wurde jetzt der Muttertag begangen, der dem nationalsozialistischen Idealbild der Frau doch etwas mehr entsprach. Ab 1945 durften sich dann Frauen- und Muttertag eine von ideologischem Waffenstillstand geprägte Parallelexistenz aufbauen.
Auf einen aktuellen Spin sei an dieser Stelle noch hingewiesen: In etlichen Ländern dieser Erde – und dieses Jahr erstmals auch in der deutschen Hauptstadt Berlin – ist der Internationale Frauentag auch ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag. Wie wäre es also – im Abtausch mit dem Karfreitag …?

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