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Bundesliga zurück im Free-TV: nur Gewinner? © APA/Barbara Gindl
© APA/Barbara Gindl

Redaktion 29.05.2020

Bundesliga zurück im Free-TV: nur Gewinner?

Vergangene Woche einigten sich die Bundesliga, Exklusiv-TV-Partner Sky und der ORF auf eine vermehrte Präsenz im Free-TV. Viele profitieren.

••• Von Georg Sander

Es war im Herbst ein Hin- und Her. Vor dem Lockdown wurden kurzfristig Veranstaltungen beschränkt, dann ganz untersagt. Zwischendurch machten sich die Fußballvereine Testspiele aus, die dann auch gänzlich verboten wurden. Der Fußball war in „Corona-Pause” – und kehrt am 29. Mai mit dem ÖFB-Cup-Finale wieder auf den grünen Rasen zurück, am 2. Juni steigen die ersten Spiele, am 3. Juni das Meistergruppen-Topspiel Red Bull Salzburg gegen den SK Rapid Wien – im ORF, nicht nur im Pay-TV bei Sky. Der Umstand, dass der Fußball seit 2018/19 „nur” noch beim Bezahlsender läuft, ruft immer wieder Kritik hervor. Nach zähen Verhandlungen zwischen Bundesliga unter Einbeziehung der Klubs, dem Fußballbund ÖFB und den zuständigen Ministerien einigte man sich aber auf die Fortsetzung mit Geisterspielen, nachdem die Klubs schon öffentlich mögliche Verluste beklagt hatten. Nachdem klar war, dass die Bundesliga weitergehen kann, verhandelten die Stakeholder über die Free-TV-Präsenz. Kolportiert wurden fünf Mio. für die Rechte an 15 Spielen.

„Wir freuen uns, dass es speziell in dieser Phase ein erweitertes Free-TV-Angebot für die Fans geben wird”, erklärt Bundesliga-Vorstandsvorsitzender Christian Ebenbauer gegenüber medianet. „Die Zeit war knapp, der gemeinsame Wille war da. Die Klubs haben in einer der kürzesten Klubkonferenzen der letzten Jahre einstimmig zugestimmt. Es war ein schöner Schulterschluss aller Beteiligten.” Der ORF schoss sich dann zunächst bei der Spielauswahl noch ein Eigentor und hatte kein Sturm-Spiel im Angebot, im Grunddurchgang immerhin der Klub mit den drittmeisten Fans im Stadion.

Es geht um die Fans

Und auch wenn einige Klubs wie Rapid und Austria treuen Abonnenten Sky-Abos bis zum Saisonende schenken, liegt auf der Hand, was sich die Liga erwartet: „In erster Linie zufriedene Fans in dieser Ausnahmesituation und natürlich auch eine gesteigerte Reichweite.” Österreich ist ein relativ kleiner Markt, für große Unternehmen nicht unbedingt Teil einer globalen Sponsoringstrategie. Kurzum: Es ist schwierig, Sponsoren zu gewinnen, vor allem abseits der Klubs, die regelmäßig im Europacup spielen. Insofern sind die insgesamt 15 Bundesliga-Spiele, die auf ORF gezeigt werden, auch eine Möglichkeit für die Sponsoren, mehr Werbewert zu lukrieren.

Gesteigerte Reichweite

Dabei gestalten sich die Werbewerte ohnehin positiv, wie Ebenbauer ausführt: „Sie waren auch schon beim bestehenden Free-TV-Angebot mitsamt der digitalen Verbreitung ausgezeichnet. Wir hatten bereits bis Ende März 78 Prozent des Werbewerts (Anm.: Vgl. zum Vorjahr) bei nur 69 Prozent der absolvierten Spiele erreicht. Zudem ist die Print- und Online-Berichterstattung sehr stark.” Für ihn wären die nun vereinbarten Free-TV-Spiele die sprichwörtliche „Butter aufs Brot”. Die Spiele der Österreichischen Fußball-Bundesliga zählen national zu den wichtigsten Ereignissen in der täglichen Berichterstattung. Mit insgesamt 435 Spielen, ganzjährig und österreichweit, ist man einer der größten Freizeitdienstleister.

Nun gehört man zu einer der wenigen Ligen, die zu sehen sein werden. Vergleichbare Länder wie Belgien oder die Niederlande haben wie Frankreich die Saison abgebrochen, in Spanien, Italien und England wartet man noch auf den Restart, einzig Deutschland ist derzeit zu sehen. Doch was hat man von der Möglichkeit, dass die ganze Fußballwelt nun neben der großen Bundesliga in Deutschland auch die kleine österreichische schauen kann?

Gefragt: Starke Partner

Die Bundesliga und die Klubs haben zunächst nichts davon. Ebenbauer erklärt: „Sky hat im Rahmen der letzten Ausschreibung die exklusiven Rechte inklusive der Sublizensierung erworben. Somit steht es Sky grundsätzlich frei, zusätzliche Spiele an andere Partner in Abstimmung mit uns zu vergeben.” Sky Österreich lässt auf Anfrage wissen: „Damit in dieser herausfordernden Situation und der damit verbundenen Geisterspiele möglichst viele Fans in den Genuss von Live-Fußball kommen, kommt es zu dieser Sublizensierung. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. So agieren wir im Interesse der Liga, der Fans und unserer Kunden und freuen uns, einen starken Partner an der Seite zu haben.” Befürchtungen, dass nun weniger Menschen auf Sky zugreifen, hat man nicht: „Nur unsere Kunden können nach wie vor alle 63 Spiele live bei Sky verfolgen. Das Topspiel der Meisterrunde sonntags um 19:30 Uhr wird exklusiv nur für unsere Sky-Kunden übertragen. Zusätzlich zeigt nur Sky die drei Spiele des Europa League-Play-offs. Wir freuen uns auf ein Comeback des Live-Fußballs.” Davon haben nicht nur heimische Fans etwas.

Internationalisierung erfreut

Die internationalen Vermarktungsrechte liegen nicht bei Sky, sondern bei Sportradar. Diese Woche verkündete etwa ein georgischer TV-Sender, nun auch die Bundesliga im Programm zu haben; beworben wurde dies mit Sturm Graz-Legionär Otar Kiteishvili. (Er ist auch Nationalspieler.) „Die Internationalisierung hat in der TV-Vermarktung ihren Stellenwert, ist im regulären Spielbetrieb aber stark von den Protagonisten (internationale Spieler, Trainer) abhängig. In der derzeitigen Situation rücken wir auch unabhängig davon international ins Rampenlicht. Für den nationalen Bewerb ergibt sich dadurch ein guter Imagegewinn”, erklärt der Bundesliga-Vorstandsvorsitzende dazu.

Dass man nun ein Role Model für andere Länder ist, erfüllt die Liga mit Stolz. Ob die neue Free-TV-Verfügbarkeit auch im Herbst ein Thema ist, wenn weiterhin keine Fans ins Stadion dürfen, könne man noch nicht abschätzen, auch wenn es kommende Woche dazu Gespräche geben soll. Christian Ebenbauer hofft, dass „wir im Herbst wieder vor Publikum im Stadion spielen können. Schließlich sind Spiele ohne Zuschauer vor allem aus atmosphärischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen nur eine Notlösung.”

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