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CNN-Chef Zucker will gegen Trump nicht klein beigeben © AFP / Don Emmert

CNN-Chef Jeff Zucker

© AFP / Don Emmert

CNN-Chef Jeff Zucker

Redaktion 26.09.2018

CNN-Chef Zucker will gegen Trump nicht klein beigeben

"Ohne freie Presse droht Diktatur und Tyrannei“, so der CNN-Chef bei den diesjährigen Medientagen.

WIEN. CNN-Chef Jeff Zucker will den Attacken von US-Präsident Donald Trump weiter standhalten. In einer Zeit, in der Facts nicht immer und bei allen im Vordergrund stehen, sei es umso wichtiger, sich auf die Wahrheitsfindung zu fokussieren, betonte er am Mittwoch bei den Österreichischen Medientagen in Wien. Zucker ist außerdem froh, nicht wie der ORF öffentlich finanziert zu sein. CNN warb zuletzt in einer Kampagne mit einem Apfel. Damit wollte man zeigen, dass es zwar verschiedene Wege gibt, um dieses Obst zu beschreiben, am Ende des Tages bleibe aber ein Apfel ein Apfel, erklärte Zucker, regelmäßig Empfänger kritischer Trump-Tweets. Das Publikum habe diese Message verstanden, versicherte er, bei CNN stünden die Fakten an erster Stelle.

Wenn es um Facts und Fakes geht, ist der Weg zu Präsident Trump ein kurzer, und so nahm dieser auch breiten Raum in der Podiumsdiskussion ein. Zucker und Trump verbindet bereits eine langjährige Geschichte, denn Zucker hat den früheren Unternehmer in die NBC-Show "The Apprentice" geholt. Spätestens in dessen Wahlkampf und dann bei CNN sei das Verhältnis aber abgekühlt, denn Trump habe nicht verstanden, dass Zucker, den er ja seit Jahren kenne, keine genehme Berichterstattung liefert.

Kritik, dass er Trump im Wahlkampf aber zu viel Raum gegeben habe und dadurch erst seine Präsidentschaft ermöglicht habe, konnte Zucker nicht nachvollziehen. Trump verstehe die Medienund die Möglichkeiten öffentlicher Auftritte, diese Chance habe man auch seinem Mitbewerb gegeben, wurde jedoch nicht genutzt, gab der CNN-Chef zu bedenken. Auf Twitter greift ihn Trump heute regelmäßig an, verlangt auch seinen Rücktritt: "Das wurde Teil seines Spiels. Ich schenke dem keine Aufmerksamkeit."

Natürlich bekomme Trump viel Aufmerksamkeit und wecke Interesse, gestand Zucker ein. Es sei nun einmal Realität, dass es über ihn viel zu berichten und vor allem zu diskutieren gibt: "Fakt ist, das interessiert das Publikum." Angesprochen auf "Fox News" hielt Zucker fest, dass dieser Sender kein Wettbewerber für CNN sei: "Sie machen etwas ganz anderes und sollten das Wort 'News' nicht in ihrem Namen tragen. Es wurde ein vom Staat betriebener Sender, es ist ein Organ des Weißen Hauses von Trump. (...) Fox ist unterhaltsam, aber das sind keine Nachrichten." In den USA heiße es oft, wenn man für die Wahrheit ist, ist man gegen Trump: "Wir sind nicht Anti-Trump, sondern Pro-Wahrheit", bekräftigte er, bei Kritik nicht zurückzuweichen.

Diskutiert werde heute in der USA auch über Öffentlich-rechtliche, Zucker meinte dazu aber: "Wenn wir öffentlich finanziert wären, wären wir permanent davon bedroht, das zu verlieren." Er sei froh, sich dieser finanziellen Situation nicht stellen zu müssen. Guter Journalismus, die Recherche und Wahrheitsfindung koste Geld, betonte Zucker. Er selbst könne mit den Angriffen Trumps hingegen leben: "Ich bin ein großer Junge, ich halte das aus."
Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten aber ständig die Medien attackiert und ihnen unterstellt, Fake News zu verbreiten, sei das extrem problematisch, zumal dies andere Staatschefs animieren könnte, es ihm gleich zu tun. "Ich glaube nicht, dass die USA und die Welt ohne freie und unabhängige Presse überleben können. Anderenfalls endet man in Diktaturen und Tyrannei. Das ist aktuell die größte Bedrohung." Man dürfe jedenfalls nicht klein beigeben, und das versprach er auch für CNN.

Einen Blick in die Zukunft wagte Zucker angesichts der sich rasant wandelnden Branche kaum. Berichterstattung auf mobilen Geräte sei jedenfalls zentral, generell meinte er: "Wir sind in einer Revolution des Medienkonsums.“ (APA)

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