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Corona, Klima, KPÖ & Krisenkompetenz
Redaktion 05.11.2021

Corona, Klima, KPÖ & Krisenkompetenz

Eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält … Rückblick, Vorschau und ein Warnhinweis.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

ERKENNTNISSE. Österreich (die Republik, nicht die Zeitung) scheint derzeit mehrheitlich mit Spleenigem (Kunst auf der Erotikplattform OnlyFans), Kuriosem (KPÖ-Sieg in Graz) und Sonderbarem (Seitentritt des ehem. Kanzlers der Herzen) in den internationalen Schlagzeilen auf. Schön, dass wir zumindest im Ranking der Nationenmarken wieder ein Stückl nach vorn gerutscht sind.

Was waren das für Zeiten, als auf höchster Regierungsebene lang, breit und finanziell stabil untermauert über die passgenaue Nation Brand für die Alpenrepublik diskutiert wurde. Als erwogen wurde, den „Wiener Charme” als Weltkulturerbe schützen zu lassen. Einheimische fragten sich, ob die sperrige Servicementalität, mit der wir uns eben den Vizeweltmeistertitel im Wettbewerb der unfreundlichsten Städte erkämpft hatten, tatsächlich schützenswert sei. Aber was solls. Allein die Tatsache, dass wir den Kopf frei genug hatten, um über den Relaunch von Mozartkugelkampagnen nachzudenken, ist im Rückblick irgendwie befreiend. Jetzt diskutieren wir über Infektionsrekorde, Schattenkanzler und den Weltuntergang per Annäherung an das Wetter von Nachbarplanet Venus.

Apropos Infektionsrekorde: Das tapfere Wien preschte am gestrigen Donnerstag bei den Maßnahmen gegen die Pandemie erneut vor. Der Bürgermeister kündigte nach einem Gespräch mit Experten an, dass demnächst „der Zutritt zu Gastronomie, körpernahen Dienstleistungen und Zusammenkünften ab 25 Personen nur erhält, wer geimpft oder genesen ist”. 2G rules! Aber wer bietet mehr? Wegen nachlassendem Impfschutz scheint alles außer„1G” („grad frisch getestet”) langsam ein bissl sinnlos; das wiederum würde die Impfmoral endgültig ruinieren …

„Brückenbauer” nannte sich Österreich in den vergangenen Jahren gern, egal ob es um den Song Contest oder um heikle diplomatische Missionen ging. Mögen uns also der Wiener Charme und die vielbeschworene Expertise in der Königsdisziplin des Ingenieurbaus weiterhin gut durch alle Krisen lavieren lassen.

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