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Das berüchtigte Nichtkommunizieren
Redaktion 01.10.2021

Das berüchtigte Nichtkommunizieren

Die ÖVP hielt eine Gerüchte-PK ab, wo sie Inhalte, da „Gerüchte”, nicht kommentieren wollte. Oder so.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

KERVEHRT. Behördliche Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen leben vom Überraschungs­moment; werden sie verraten, sind sie erfolglos – so sollen schon während so einer Hausdurchsuchung Laptops im Kinderwagen einer Ministergattin im Park spazieren gegangen sein.

Eine PK ohne Zweck und Inhalt

Nun hat die Regierungspartei, die mit besagten Hausdurchsuchungen ihre Pein hat, eine Presse­konferenz abgehalten, um über Gerüchte zu sprechen, dass es Gerüchte gebe, dass eine Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten der Partei bevorstehe – und es nicht sein könne, dass man quasi als gerüchteweise potenziell Betroffene durch Journalisten, die anrufen würden, um zu fragen, ob man von den Gerüchten gehört hätte, von den Gerüchten über die Hausdurchsuchung erfährt... Sie sehen, es ist wirklich verwirrend, was am Ende Gerücht ist, und was der Sachverhalt an sich.

Eines ist der ÖVP auf jeden Fall gelungen: Sie hat keine Hausdurchsuchung bei sich selbst verraten, aber sie hat, weil sie von Gerüchten über eben solche Hausdurchsuchungen öffentlich via Pressekonferenz gesprochen hat, spätestens da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wahrheit vor einer solchen Hausdurchsuchung öffentlich potenziell gewarnt – als die Parteimanagerin bei besagter, skurriler Pressekonferenz nämlich meinte, man würde bei so einer Hausdurchsuchung eh nix finden, weil alles, das man von Gesetz her nicht aufbewahren müsse, quasi in einer Dauerschleife gelöscht werde.
Inhaltslose Pressekonferenzen dieser Art ist man mittlerweile gewöhnt – wir erinnern uns an eine Mailserver-Hackerangriff-PK, von der später nie wieder die Rede war.
Nur: Dass sich die Kolleginnen und Kollegen von den Medien solche Frotzeleien noch ­immer gefallen lassen, statt, wenn sie schon nicht die ­Politiker bei der PK selbst mit dem Unsinn konfrontieren, wenigstens einfach aufzustehen und zu gehen, wirft kein gutes Licht auf die Journalisten­branche.

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