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Das Glück is a Vogerl aus Stanniol
Redaktion 29.01.2021

Das Glück is a Vogerl aus Stanniol

Manchmal steckt hinter geballter Dummheit einfach nur Geldgier. Manchmal nicht.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

NUMERIK. „Numerisch unflexibel zeigt sich jüngst Fortuna, denn wie sonst wäre es zu erklären, dass am Mittwoch gleich vier der ‚sechs Richtigen' schon am Sonntag zuvor gezogen wurden und drei davon bereits am Mittwoch der Vorwoche? 5, 27 und 42 lautet das Trio, das jetzt bereits drei Mal in Folge gezogen wurde, dazu kommt die 17, die zweimal en suite aus dem Trichter gerollt ist”, so eine Aussendung der Österreichischen Lotterien am gestrigen Donnerstag.

Sie haben eventuell mitbekommen, dass es bei der Lotto-Ziehung am 17. Jänner eine Panne gegeben hat? Eine „technische Störung”. Die Zahlen, die bis dahin feststanden: 1, 7 und 5. Was sagen Sie jetzt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Mitten in der goldenen Ära der Verschwörungstheorien sollte doch nichts mehr zu banal für ein paar abstruse Reflexionen sein. „Das mechanistische Bild der Aufklärung von Ursache und Wirkung führte zu Verschwörungstheorien”, erklärt Michael Butter, Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Uni Tübingen, in einem Gespräch mit der Deutschen Welle. Er gilt als führender Experte auf dem Gebiet eben dieser Theorien in Deutschland. „Man ging davon aus, dass hinter jeder Handlung eine Absicht steckt, und man konnte sich nicht vorstellen, dass auch unbeabsichtigte Dinge passieren können.” Das hieße jedoch nicht, dass Menschen derlei Dinge nicht auch einfach aus ökonomischem Kalkül verbreiten.
Nicht umsonst nennt man die Demo-Busreisen der Aluhutträger auch die neuen Heiz-deckenfahrten. Rund 25 Millionen Dollar haben die Betreiber von einschlägigen Websites 2020 dank Google &Co an Werbeeinnahmen erhalten.
Was ebenfalls zunimmt, ist die Radikalisierung: Wegen der angeblich in einem Filmstudio gedrehten Mondlandung haben sich Gläubige und Zweifler nicht die Köpfe eingeschlagen – und auch kein Amtsgebäude gestürmt.
Am heutigen Freitag geht es bei „Euro­Millionen” übrigens um 30 Millionen.

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