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Das universelle Netz für jegliche Kommunikation © APA-Fotoservice/Jacqueline Godany
© APA-Fotoservice/Jacqueline Godany

Redaktion 25.10.2019

Das universelle Netz für jegliche Kommunikation

Drei-Chef Jan Trionow über die Schlüsseltechnologie 5G: von Industrie 4.0 bis zum neuen TV-Standard.

••• Von Sabine Bretschneider und Chris Radda

WIEN. Der Telekombetreiber Hutchison Drei Austria (Drei) baut sein Angebot bei Internetprodukten kontinuierlich aus. Seit Ende September sind etwa der erste kommerzielle 5G-Tarif in Österreich, ein Hybrid-Internetrouter (Festnetz/Mobil) und ein Router für das superschnelle Internet 5G verfügbar. Bis Jahresende peilt Drei die Vollversorgung einiger Regionen in Österreich an.

„Wo das sein wird, hängt davon ab, wo 5G am dringendsten benötigt wird”, sagt Drei-Chef Jan Trionow im Gespräch mit medianet. „Es geht nicht primär um die Technologie, sondern um schnelles Internet” – und darum, „die digitale Lücke zwischen Stadt und Land endgültig zu schließen”. In der aktuellen Kampagne stehe dementsprechend nicht das Wort „5G” im Mittelpunkt, „sondern der Mensch – und was der Mensch damit macht. Und was 5G momentan anbietet, ist schnelles Internet. Der Nutzen soll im Vordergrund stehen, auch bei zukünftigen Anwendungen.”

Start in den 5G-Flächenausbau

Trionow: „In den Ballungsräumen, in Wien, Graz und Linz, werden gut ausgebaute 5G-Netze innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre zur Verfügung stehen.” Natürlich hänge der Ausbau von den Rahmenbedingungen ab: 5G braucht deutlich mehr Netz, mehr Funkantennen, mehr Glasfaseranbindung für die Antennen – und neue Frequenzen. Die nächste Frequenz­auktion findet im Frühjahr 2020 statt. „Mit diesen Frequenzen können wir dann in den immer flächigeren Ausbau von 5G gehen”, so Trionow, „um mittelfristig Use-Cases zu unterstützen, die diese 5G-Flächenabdeckung benötigen, zum Beispiel beim automatisierten Transport, im Bereich von Smart Farming und anderen Anwendungsfeldern von 5G.”

Die unmittelbare Nachfrage sei aber vom Kapazitätsbedarf an schnellem Internet getrieben. Trionow: „Nachdem wir in den letzten Jahren so viel über 5G gesprochen haben, ist jetzt die Zeit, zu handeln. ‚Drei machts einfach' gilt auch für 5G.”

Netzwerkausrüster aus China

Das aktuelle Angebot kombiniere Festnetz, 4G-Mobilfunk – und auch „die neue Rakete 5G, die wir zünden”. Derzeit beobachte man die ersten Starts von 5G-Flaggschiffprodukten im Smartphonebereich; im Laufe des nächsten Jahres werde 5G bei allen Herstellern auch „in die Mittelklassehandys hineinwachsen”.

Den bisherigen 5G-Ausbau hat Drei mit dem Telekomausrüster ZTE durchgeführt; für den Massen-Rollout laufe die Ausschreibung noch. Drei Österreich hat den von den USA auf eine schwarze Liste gesetzten chinesischen Netzwerkausrüster Hua-wei bis dato nicht von der Auftragsvergabe ausgeschlossen.„Insgesamt sind wir skeptisch und kritisch gegenüber politisch motivierten Eingriffen”, so der Drei-CEO. Drei würde „gern eine faktische Diskussion führen”, um in einer „möglichst objektiven Umgebung die besten Lösungen für die Kunden implementieren zu können”. Das hieße aber auch, „ein gutes Maß an Wettbewerb auf Lieferantenseite zu erhalten”. Chinesische Lieferanten seien in den letzten Jahren maßgebliche Player im Wettbewerb gewesen – sowohl, was den Preis betrifft, als auch bei der technischen Innovation.
Der Mobilfunker A1 hat sich inzwischen für einen anderen 5G-Anbieter entschieden, bei Magenta Telekom (vormals T-Mobile Austria) hofft Huawei ebenfalls noch auf 5G-Aufträge.

Cloud statt Nebenstellen

Im B2B-Bereich wirke sich die Fusion mit Tele2 sehr positiv aus: „Wo heute in einem Betriebsnetz etwa WiFi eingesetzt wird, um verschiedene Produktions- und Warenströme zu steuern”, schildert Trionow ein Beispiel, „ist es in Zukunft mit 5G möglich, das in höherer Qualität und mit hoher Verfügbarkeit zu machen.”

Gerade bei Industrie 4.0.-Szenarien, wo Maschinen, Fahrzeuge und Transportmittel in Echtzeit miteinander kommunizierten, stießen bisherige Funktechnologien an Grenzen, auch was die Security betrifft. All diese Spezialnetze könnten synergetisch auf jeweils einem Gesamt-5G-Netz laufen. Eine klassische Nebenstellenanlage könne beispielsweise auch über Mobilkommunikation in der Cloud abgewickelt werden.
Trionow: „Wir haben ein breites Portfolio an Dienstleistungen zur Vernetzung von Unternehmensstandorten – inklusive der Sicherheitsaspekte, die damit einhergehen. Darüber hinaus gibt es Angebote für Housing, Hosting, den digitalen POS, Lösungen für die Retailbranche, den Gesundheitsbereich, das Umweltmanagement – und als Klammer für alle Branchen, Data Analytics.”
Insgesamt müsse die Versorgung mit 5G überall mitgedacht werden, egal ob es um größere Immobilienprojekte gehe, den smarten Campus oder jegliche Smart City-Projekte: „5G ist in Zukunft das universelle Netz für alle Kommunikationsbedürfnisse rund um Energie, Beleuchtung, Sicherheit und Transport.”

Revolution bei TV-Standards

In der Medienbranche ist ein interessanter Aspekt die mögliche Ablöse von DVB-T durch 5G. Trionow: „Dieser Trend ist in der Standardisierung konkret ablesbar: Die klassische DVB-T-Standardisierung wird zugunsten eines Broadcast-Modus von 5G eingestellt. 5G bietet die Möglichkeit, für jeden Anwendungsfall die richtige Qualität zu liefern, eben auch für TV.

Bei TV ist es darüber hinaus auch denkbar, dass klassische Mobilfunkinfrastrukturen, die von kleinen Antennen und kleinen Zellen leben, mit der großen Abdeckung von terrestrischem TV kombiniert werden. Die Konvergenz von Funkinfrastrukturen ist ein Weg der Zukunft, der durchaus Potenzial hat. Drei ist heute schon ein wesentlicher Distributeur von TV-Signalen über das eigene Netz, und wir werden es in Zukunft noch mehr sein. Das ist eines der Gebiete, wo wir stark wachsen wollen, um den Kunden Fullservice inklusive aller Aspekte – Mobilfunk, Breitband und TV – zu liefern.”

Solide Kennzahlen

Die Finanzzahlen des ersten Halbjahrs beschreibt Trionow als „durchaus erfreulich”: „Wir haben es geschafft, trotz intensiven Wettbewerbs kundenseitig um 1,3 Prozent zu wachsen (auf 3,9 Mio., Anm.). Wir sind auch im EBITDA, bei der Profitabilität, nochmalig um sechs Prozent gewachsen und haben den Umsatz stabil gehalten. Das sind solide und gute Kennzahlen, die uns auch in die Lage versetzen, weiter in den Ausbau der Netze zu investieren.”

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