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Dauerbrenner Sport: ein wichtiger Teil des ORF © APA/Georg Hochmuth
© APA/Georg Hochmuth

Laura Schott 22.02.2019

Dauerbrenner Sport: ein wichtiger Teil des ORF

ORF-Sportchef Hans Peter Trost im Interview über die Bedeutung von Events wie der Nordischen Ski-WM.

••• Von Laura Schott

Bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld im Jahre 1985 schaffte die damals neuartige Skating-Technik ihren Durchbruch im Langlaufsport. 34 Jahre später ist Seefeld nun wieder Austragungsort der aktuell stattfindenden Nordischen Ski-WM und sorgt für spektakuläre Bilder skatender und springender Athleten. Dass diese auch die Zuseher zuhause vor dem Fernseher erreichen, dafür sorgt der ORF – diesmal jedoch nicht allein. Denn anders als bisher hat nicht die Europäische Rundfunkunion (EBU) den Zuschlag für die Übertragungsrechte an der Nordischen Ski-WM bekommen, sondern die Firma Infront (s. Interview auf Seite 14), die zur chinesischen Wanda Group gehört.

Welchen Einfluss diese Entwicklung auf die Arbeit des ORF hat und wie wichtig Sport für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist, erklärt ORF-Sportchef Hans Peter Trost im Interview mit medianet.


medianet:
Bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld tritt der ORF im Auftrag der Firma Infront auf. Wie sind hier die Rollen verteilt?
Hans Peter Trost: Die Firma Infront hat die Sende- und Marketingrechte an der Nordischen Ski-WM erworben. Sie hat damit auch das Recht beziehungsweise die Pflicht, als Host-Broadcaster aufzutreten – das war bei der Alpinen Ski-WM in Aare übrigens genauso. Infront ist dann an den ORF herangetreten, und wir haben uns darauf geeinigt, die Rolle des Hosts im Auftrag von Infront zu übernehmen. Grund dafür war, dass der ORF hier einfach schon sehr viel Know-how hat, insbesondere in Österreich. Infront und der ORF agieren hier nun also gemeinsam als Host.

medianet:
Wofür ist der ORF im Auftrag von Infront dann konkret zuständig?
Trost: Man muss hier zwei Produktionsformen unterscheiden. Zum einen gibt es das internationale Signal, das weltweit ausgestrahlt wird. Das produzieren wir im Auftrag für Infront. Und dann gibt es noch das nationale Signal für Österreich, das wir zusätzlich produzieren. Hier konzentrieren wir uns primär auf österreichische Athletinnen und Athleten – eben an das österreichische Publikum angepasst. Und dann gibt es einen Vertrag zwischen dem Organisationskomitee und dem Skiverband als Ausrichter, der Firma Infront als Rechteinhaber und uns, in dem genau festgelegt ist, wer wofür zuständig ist. Hier ist zum Beispiel bestimmt, dass der ORF die Signaldistribution übernimmt.

medianet:
Der ORF wurde also vor allem aufgrund der hohen Erfahrungswerte als Partner-Host ausgewählt. Wie viel Erfahrung bringt Infront selbst im Bereich der Übertragung von Sportgroßveranstaltungen mit?
Trost: Infront besteht im Grunde aus vielen verschiedenen Agenturen, die im Laufe der Zeit zusammengewachsen sind. Agenturen, die sehr viel Erfahrung in Sachen Sportrechten und -produktion haben. Mittlerweile hält Infront 80 Prozent der FIS-Rechte, also der Rechte am Skiweltcup, produziert auch selbst und vergibt Rechte an andere Produzenten. Die sind also schon sehr erfahren. Für uns ist es dann natürlich doppelt positiv, wenn ein so erfahrenes Unternehmen an uns herantritt und uns – aufgrund unserer Erfahrung – mit ins Boot holt. Wir bewegen uns hier auf Augenhöhe, man kann gut miteinander reden und das ist wichtig.

medianet:
Chinesische Unternehmen investieren Milliarden in Europa. Was halten Sie davon, dass ein chinesischer Investor die Rechte an einem in Europa ausgetragenen Sportgroßereignis erhält, anstelle wie bisher der EBU?
Trost: Infront ist eine weltweit agierende Agentur. Ob das jetzt ein amerikanisches, europäisches oder eben chinesisches Unternehmen ist, macht im Grunde keinen Unterschied. Es gibt einige Agenturen, die wie Infront weltweit agieren. Im Sportbereich sind es fünf Player, die den Markt dominieren – Infront ist einer davon.

Die Zeiten, wo es Rechte an Skirennen zu kaufen gab und wir uns sicher sein konnten, diese zu bekommen, die sind vorbei. Dass hier ein chinesisches Unternehmen auf dem Vormarsch ist, ist der Zug der Zeit, und damit muss man umgehen.


medianet:
Wie wichtig sind Sportgroßveranstaltungen wie die Nordische Ski-WM in Seefeld, die ja zusätzlich in Österreich stattfindet, für den ORF in Zeiten von Video on Demand?
Trost: Live-Ereignisse sind definitiv etwas, das die Leute beim Fernsehen hält. Gerade beim Sport haben wir ein sehr hohes Publikumsinteresse. Als Beispiel: Sport bespielt 16 Prozent der Fläche von ORF eins, generiert damit aber 44 Prozent der gesamten Nutzung. Die Übertragung von Sportveranstaltungen ist damit natürlich auch eine Gebührenlegitimation, weil das einfach sehr stark nachgefragt wird. Und zwar von allen Sinusmilieus, die es in Österreich gibt. Auch die Zahl der Fernseh­verweigerer ist beim Sport am niedrigsten.

Sei es im linearen Fernsehen oder über Online-Streaming, die Zugriffe sind sehr hoch, und das in einer Zeit, wo sich sonst über Video on Demand jeder alles nach dem eigenen Geschmack zusammensucht. Aber bei Live-Ereignissen muss man eben zu einer bestimmten Zeit sozusagen vor Ort sein, um sie miterleben zu können – ganz besonders bei Sportereignissen. Diese Übertragungen sind dann doch noch wie das Lagerfeuer, um das sich alle zusammenrotten, so wie es früher eben andere Sendungen waren. Und das ist extrem wichtig für uns.

 

medianet: Welchen Einfluss haben die Channelmanager auf die Sportberichterstattung im ORF?
Trost: Die Channelmanager haben die Aufgabe, die Kanäle zu optimieren; dadurch haben sie natürlich auch Einfluss auf das Sportprogramm. Wir tauschen uns wöchentlich mit der Programmplanung aus, um allen Anforderungen zu entsprechen. So haben wir beim Sport etwa Verträge, die wir erfüllen müssen, auf der anderen Seite muss der ORF um der Vielfalt willen auch Dinge darbieten, die nicht unbedingt nur massentauglich sind.

Dass es in einem Vollprogramm Kompromisse geben muss und man sich der Gesamtstruktur des Gesamtunternehmens unterordnen muss, ist klar. Das funktioniert bisher aber reibungslos, weil wir das einfach ausdiskutieren und gemeinsam zu Lösungen kommen. Hin und wieder muss man natürlich Kompromisse eingehen. Dass jemand etwas anderes sehen will als Sport, fällt mir zum Beispiel schwer – aber ich verstehe es trotzdem! (lacht)

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