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Denk nicht an den weißen Elefanten
Redaktion 13.07.2018

Denk nicht an den weißen Elefanten

Wer in Zeiten des Web 2.0 versucht, etwas zu verheimlichen, erreicht am Ende das Gegenteil.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

STREISAND-EFFEKT. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist nicht nur für seine Kuss-Attacken, sondern auch für seine Sager berühmt.

Und genau ein solcher sorgt derzeit nicht nur unter den heimischen Journalisten und Politikern für Wirbel, sondern zeigt exemplarisch auf, was passiert, wenn man in Zeiten des Internets, das ja bekanntlich nichts vergisst, versucht, etwas zu verheimlichen, zu vertuschen oder nachträglich in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.
Während eines gemeinsamen Termins mit Bundeskanzler Sebastian Kurz meinte Juncker mit Blick Richtung Kurz wörtlich: „Die Kommission hat ihre Arbeit gemacht. Wäre ich Ratsvorsitzender, würde ich nicht so großspurig auftreten”, und nun fragen sich alle, wen er mit dem „großspurig”-Sager gemeint hat.
Zunächst meinte alle, er meine Kurz, denn schließlich sei dieser derzeit Ratsvorsitzender. Doch binnen kurzer Zeit drehte sich der Spin in der Berichterstattung, und nun ist die Rede davon, dass Juncker den jeweiligen Ratsvorsitzenden gemeint haben könnte.
Nun wundern sich Journalisten, wie in der einen oder anderen Zeitung aus einem Bericht, in dem es zunächst hieß, Juncker hätte Kurz „abgekanzelt”, plötzlich zu lesen ist, es sei alles anders, jeder würde dies bestätigen und zwischen den Beteiligten herrsche bestes Einvernehmen ever.
Meine Vermutung zur Story: Hätten manche Medien den ursprünglichen Artikel stehen gelassen, wäre es niemandem aufgefallen, aber so weckte man Verschwörungsgeister, die sich in ihrer Ansicht, die Regierung betreibe Message-Control, nur bestätigt fühlen. Denn woran denken Sie, wenn ich Ihnen sage: „Denk nicht an den großen weißen Elefanten.” Richtig! An den großen weißen Elefanten.
Für das Phänomen gibt es einen Namen: Man nennt das den „Barbara Streisand-Effekt”, denn diese lenkte vor Jahren beim Versuch, ein Küstenbild unter Tausenden, auf welchem, was bis dahin niemand wusste, zufällig ihr Haus zu sehen war, aus dem Netz entfernen zu lassen, erst recht die Aufmerksamkeit auf ihre schöne Strandvilla.

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