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„Die beste Idee ist ohne Kommunikation wertlos” © Yannik Steer

Sebastian Bayer

© Yannik Steer

Sebastian Bayer

Redaktion 28.01.2022

„Die beste Idee ist ohne Kommunikation wertlos”

Nach vier Jahren im Vorstand ist Sebastian Bayer seit vergangenem Dienstag Präsident der IAA und somit Nachfolger von Walter Zinggl. Was hat er vor?

••• Von Dinko Fejzuli und Georg Sander

Im Zuge der Generalversammlung des IAA Austrian Chapter wurde Sebastian Bayer am vergangenen Dienstag zum Präsidenten gewählt. Vier Jahre lang war Bayer bereits im Vorstand der IAA, seit zwei Jahren als Vizepräsident.

Der heutige CEO von VMLY&R kam nach zwölf Jahren in nationalen und internationalen Führungs- und Gestaltungsaufgaben bei Nike Europa im Jahr 2014 zurück nach Wien und bringt seine Erfahrung in Brand Experience und innovativem Marketing sowie die Perspektive von Kunden ein.
Sein Credo lautet: „Be the clients best partner”. Mit diesen Fähigkeiten und seiner Erfahrungen will er Kundenrelevanz und Ergebnis-Orientierung sicherstellen.

Rekordbeteiligung

Aufgrund der aktuellen Situation fand die Veranstaltung zum zweiten Mal online statt, und die Organisatoren konnten sich erneut über eine Rekordbeteiligung freuen. „Es waren spannende und zum Teil auch sehr herausfordernde viereinhalb IAA-Jahre, aber sie haben viel Spaß gemacht und wir haben auch viel erreicht”, zieht Walter Zinggl eine positive Bilanz.

Nun ist also Bayer am Ruder, der mit großer Mehrheit gewählt wurde. Er stellt sich einigen dringlichen Aufgaben, etwa dem Umstand, dass es gute Köpfe in der Branche braucht und diese nicht nur gewonnen werden wollen, sondern auch gehalten. Weiters ist es ihm wichtig, festzuhalten, dass die Wirkung der Kommunikation zum Teil schlichtweg unterschätzt wird.

Im Interview mit medianet skizziert er, wie er seine Präsidentschaft bei der IAA anlegen will und führt seine Ideen aus.

medianet: Mit welchem Konzept haben Sie sich beworben?
Sebastian Bayer: Ich bin seit vier Jahren im Vorstand und in den letzten zwei Jahren war ich auch Vizepräsident; somit bin ich in die IAA hineingewachsen und konnte sehen, welche Möglichkeiten wir haben. Über eine lange Zeit war und ist das Gefühl entstanden bzw. ist vorhanden, dass die IAA deshalb stark ist, weil sie die drei Gruppen der Kommunikationsbranche vereint: Auftraggeber, Agenturen und Medien. Als Walter Zinggl dann klarstellte, dass er nicht weitermachen will, bin ich gemeinsam mit anderen aus dem Vorstand in den Nachdenkprozess gegangen, was man tun kann – noch ohne das Ziel, Präsident zu werden. Ein Thema war für uns spannend und so entstand auch das zentrale Thema des zukünftigen Vorstands.

medianet:
Um welches Thema handelt es sich da?
Bayer: Am meisten bewegt die Branche die Knappheit an guten Köpfen. Das betrifft sowohl den Zustrom, als auch das Halten der besten Köpfe in der Kommunikationsbranche. Da wollen wir ansetzen, indem wir die Branche mit unterschiedlichsten Maßnahmen attraktiv machen wollen. Hintergrund ist, dass die Wirkung der Kommunikation zum Teil unterschätzt wird.

medianet:
Wie meinen Sie das?
Bayer: Die beste Idee ist, ohne sie kommunizieren zu können, wertlos. Was gute Ideen, erfolgreiche Konzepte und Unternehmen ausmacht, ist, dass sie ihre Ideen kommunizieren können und über Expertise in dem Bereich verfügen. Wir wollen aufzeigen, dass es für ein ganzes Leben lang wertvoll ist, einige Zeit in der Kommunikation verbracht zu haben. Egal, ob man dann bei einem Medium, in einer Agentur oder in der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens arbeitet, lernt man Dinge, die dann andernorts quasi an allen Ecken und Enden eingesetzt werden können.

medianet
: Was sind die Gründe, dass es dieses Problemfeld gibt?

Bayer: Die Gründe sind vielfältig. Die Kommunikation unterscheidet sich da nicht von vielen anderen Branchen. Viele stehen im ‚war for talents' vor ähnlichen Problemen. Ich denke, dass wir die Situation haben, dass sich viele Menschen die Frage stellen, was sie in unserer Branche erwartet. Talente gehen etwa gerne in die Start-up-Szene. Aber auch dort und in vielen anderen Bereichen braucht es die ­Werkzeuge der Kommunikation.

medianet: Mit welchen Parametern kann man die eigene Branche wieder attraktiver machen?
Bayer: Letzten Endes geht es darum, die großen Schwierigkeiten bei der Suche nach Talenten, der Akquise von den besten Köpfen, zu lösen. Wie sehr schaffen wir es, quantitativ attraktiv zu werden und Menschen für die Kommunikationsbranche begeistern zu können? Es geht dabei um den Einstieg in die Kommunikation, aber auch um langfristige Perspektiven. Wie wollen wir das machen? Und die IAA funktioniert ja so, dass es zu den verschiedensten Themenbereich Boards gibt; die wollen wir verschlanken, am Ende wird es vier geben: Education, Effie, Quality Pitch Charta und Member Experience.

medianet:
Können Sie das ausführen?
Bayer: Bei Education wollen wir auch in Zukunft weitere attraktive Weiterentwicklungsangebote entwickeln und anbieten. Das zweite Themenfeld ist der Effie, der sich in den letzten Jahren in eine gute Richtung entwickelt hat, der noch stärker eine positive Leistungsschau sein soll, der sehr gute Einblicke in Siegercases gibt und einen echten Wissenstransfer schaffen soll! Das dritte Board soll weiterhin die Quality Pitch Charta sein.

Die wollen wir ausweiten, etwa im Bereich des Mediaagentur-Parts, vielleicht auch noch mehr in Richtung Medien. Es soll dadurch als Qualitätsoffensive verstanden werden, was eben wichtig für die Talente ist, da es in diesem und anderen Bereichen um Wertschätzung geht. Die bekommt man durch hohe qualitative Standards. Bei Member Experience wollen wir mehr Vernetzung erreichen, da geht es stark darum, wie Mitglieder die IAA erleben, und man soll wissen, wer da dabei ist und so die Zusammenarbeit stärken.

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