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Die Druckbranche rügt den Fixkostenzuschuss © Bank Phrom/Unsplash
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Redaktion 12.06.2020

Die Druckbranche rügt den Fixkostenzuschuss

Außerdem benachteiligt die Nicht-Berücksichtigung von Abschreibungen investitionsstarke Branchen.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. 90% der österreichischen Druckereien haben die Kurzarbeit in Anspruch genommen, 68% planen, dieselbe über weitere drei Monate bis in den Herbst in Anspruch zu nehmen.

Dennoch federt die Kurzarbeit nur rund zwei Drittel der aktuellen Umsatzverluste seit Mitte März ab – das zeigt die aktuelle Branchenauswertung des Verband Druck & Medientechnik. Der Branchenverband sieht zudem investitionsstarke Branchen beim Fixkostenzuschuss grob benachteiligt.
„Die Kurzarbeit ist eine echte Hilfe für die Druckereien, der Fixkostenzuschuss geht jedoch an der Realität und den Bedürfnissen von produzierenden und investitionsintensiven Unternehmen vorbei”, kritisiert Peter Sodoma, Geschäftsführer des Verband Druck & Medientechnik. Normalerweise erwirtschaften die heimischen Druckereien einen Jahresumsatz von 1,6 Mrd. €. Doch statt dem normalerweise positiven Cashflow verzeichnen die Betriebe derzeit ein kräftiges Minus. Im Durchschnitt fehlen jeder Druckerei 210.000 €, zeigen die aktuellen Branchendaten.

„Wenig bis fast gar nichts”

Kurzarbeit federt etwa zwei Drittel der Verluste ab, „aber beim Fixkostenzuschuss fällt unsere Auswertung ernüchternd aus – er bringt wenig bis fast gar nichts”, bedauert Sodoma.

Druckereien investieren rund 5 bis 6% des Jahresumsatzes in den Betrieb, sei es in Druckmaschinen, Energiesparmaßnahmen, EDV und Software zur Digitalisierung und Automatisierung. In jedem Betrieb stehen in der Regel Druckmaschinen im Wert von mehreren Mio. Euro. Schon eine einzige 4-Farben-Offset-Druckmaschine kostet zwischen 400.000 und einer Mio. Euro netto. Kommt noch ein Druckwerk, also eine zusätzliche Farbe, dazu oder sollen weitere Sonderwünsche berücksichtigt werden, dann klettern die Preise weiter nach oben.
Und: Für den Fixkostenzuschuss können zwar Finanzierungskosten berücksichtigt werden, nicht aber der durch die Nutzung entstehende Wertverlust der Maschinen. „Während bei verderblicher Ware und Saison­ware bis zu 50 Prozent des Wertes ersetzt werden, schauen Produktionsbetriebe bei ihrem Anlagevermögen durch die Finger”, erklärt Sodoma. „Das ist eine große Benachteiligung aller Produktionsbetriebe!”
Zumal gerade Kataloge, Flyer, Einladungen, Messeausstattung, Roll-ups oder Mailings ebenfalls Saisonware seien. Findet der Werbeanlass nicht statt, benötigen die Kunden auch keine Druckprodukte.

Die Krise ist angekommen

Während Dienstleister und Handel die Auswirkungen der Corona-Pandemie unmittelbar spürten, kam die Krise erst mit Verzögerung bei den Druckereien an. Für das zweite Quartal befürchtet die Branche einen deutlichen Umsatzrückgang – die Mehrheit der Unternehmen erwartet ein Minus von mehr als 50%. „Viele Druckereien konnten zunächst noch die bestehenden Aufträge abarbeiten und ausliefern”, sagt Sodoma. „Das ist typisch für produzierende Gewerbe. Dafür wird es hier noch deutlich länger als in anderen Branchen dauern, bis der Motor wieder angelaufen ist.”

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