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Die heimlichen „Gamechanger”
sabine bretschneider 20.04.2018

Die heimlichen „Gamechanger”

Wer sich vor automatisierter Intelligenz fürchtet, könnte vor dem falschen Pferd zurückscheuen.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

NICHT FISCH, NICHT FLEISCH. Wenn man Unschärferelationen liebt, muss man am weiten Themenfeld der künstlichen Intelligenz, pardon: der Künstlichen Intelligenz, kleben bleiben. Kurzes Repetitorium zum Unschärfeprinzip: Eine gleichzeitige Bestimmung von Ort und Impuls eines Teilchens ist nur möglich, wenn für beide Größen eine Unschärfe in Kauf genommen wird. Eine ordentliche Unschärfe übrigens. Und das hat nichts mit unzulänglicher Messung zu tun. Das gilt prinzipiell. Unzulänglichkeit wird sozusagen zur Benchmark.

Sodann die Kurve zur Artificial Intelligence geschlagen: Auch das 4Gamechangers-Festival widmete am gestrigen Donnerstagnachmittag Überlegungen zur KI Platz und Zeit in einer seiner spannend besetzten Sessions. Einer der Diskutanten: Lutz Kloke, Gründer und Chef von Cellbricks, einem spektakulär spannenden Unternehmen. Mit sei­nem Start-up Cellbricks baut Kloke nämlich 3D-Drucker, die keine banalen Plastikteile auswerfen, sondern aus mensch­li­chen Zel­len Mini-Orga­ne for­men. Bioprinting heißt die­se Tech­no­lo­gie zur Erzeu­gung künst­li­cher, leben­der Gewe­be.
„Bereits heu­te”, berichtet das philosophische Wirtschaftsmagazin „agora42”, „wach­sen in den Labo­ren von Cellbricks eini­ge Mini-Orga­ne durch Zell­tei­lung her­an – etwa eine Leber oder eine Pla­zen­ta. Sie leben seit meh­re­ren Mona­ten (…).” In Wien züchten Forscher rund um Jürgen Knoblich vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften aus Stammzellen hirnähnliche Organoide, um damit Gehirnentwicklung und Krankheiten zu ergründen …
Dies alles lässt nun vermuten, dass die Öffentlichkeit dahingehend in die Irre geführt wird, dass sie sich unter künstlicher Intelligenz so lange einen gnadenlos unzulänglichen – weil jeder Emotion baren – Logarithmus vorstellen soll, bis es zu spät ist und ein unternehmungslustiges Hirn-Organoid die Weltherrschaft an sich reißt. Das wäre dann wahrlich ein Gamechanger ...

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