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Die Kunst, sich neu zu erfinden © medianet

"medianet"-Gründer Chris Radda im TV-Talk mit KTHE-Gründer Rudi Kobza.

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"medianet"-Gründer Chris Radda im TV-Talk mit KTHE-Gründer Rudi Kobza.

Redaktion 20.11.2020

Die Kunst, sich neu zu erfinden

Innerhalb von nur drei Jahren hat Rudi Kobza eine Agenturgruppe mit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgebaut. "medianet" fragte nach.

Born to create – so lautet das Motto, das man lesen kann, wenn man auf die Website von Kobza and the hungry eyes geht. Und in der Tat: Seit über 30 Jahren mischt Rudi Kobza in den unterschiedlichsten Konstellationen in der heimischen Kommunikationsszene stets ganz vorn mit dabei.

medianet bat den umtriebigen Unternehmer nach einem für die gesamte Branche herausfordernden Jahr zum ausführlichen medianet.tv-Interview – zu sehen auf www.medianet.tvDarin spricht Kobza über die drei vergangenen Jahre.


medianet:
Herr Kobza, wie fühlt man sich nach drei Jahren Neustart? Hat es sich gelohnt oder wäre es besser gewesen, quasi die alten Schlachtschiffe weiterzubehalten?
Rudi Kobza: Wie fühle ich mich? Als Jungunternehmer: sehr frisch, sehr beseelt, sehr stimmig und mit der großen Freude und dem Luxus, das machen zu dürfen, was ich immer noch am liebsten mache.

Kreative Werbung, erweitert im Sinne der heutigen Zeit, und immer noch das Geschäft von Ideen, von Kreation.
Das Schönste, das man im Berufsleben haben kann: Dass man etwas lange macht und immer noch liebt.


medianet:
Sie haben das Werbegeschäft von der Pike auf gelernt, in Cannes Preise abgeholt. Wie befriedigend ist es, wenn man ein unternehmerisches Kapitel, das man sehr erfolgreich betrieben hat, auch mal abschließt, verkauft und von Null wieder startet?
Kobza: Absolut. Die Kunst, sich neu zu erfinden – vor dieser Aufgabe steht jedes Unternehmen. Egal ob Start-up oder arriviert. Besonders in einer Zeit, die einfach alle Gesetze auf den Kopf stellt. Deshalb muss man sich gerade in der Werbebranche in Zeiten des Erfolgs neu erfinden und nach vorn schauen. Denn das Schlimmste in unserer Branche ist, von der Vergangenheit mehr zu reden als von der Zukunft.

medianet:
Ihre Gruppe hat nach drei Jahren auch schon an die hundert Mitarbeiter. Wie agieren Sie hier?
Kobza: Kobza and the hungry eyes (KTHE) hat als Kernagentur 25 Leute und deckt drei Bereiche ab, die heute wesentlich sind. Branding und Design, also quasi die Markenausstattung. Zweitens das Handwerk des Campaignings. Und drittens den Bereich des Digital Contents, mit enger Zusammenarbeit innerhalb der Kobza Media Group – Stichwort diego5, alpha_z, Darwins Circle und unseren Plattformen.

medianet:
Wie würden Sie selbst Ihre eigenen Positionierung beschreiben? Von außen betrachtet, wirkt sie noch mehr design­getrieben, bewegter und digitaler.
Kobza: Schön, dass das so rüberkommt. Wir haben den Anspruch eines internationalen Standards. Das heißt auch stärker visuell und Motion-getriebener, was in Kampagnen wie für philoro, Haus der Barmherzigkeit, Vienna Insurance Group, Bundesheer oder im Design für Bieder&Maier erlebbar wird. Und mit unseren internationalen Kunden ist es auch schön, zu sehen, dass die kreative Qualität ‚Made in Austria', auch international wettbewerbsfähig ist.

medianet: Der moderne Agenturmarkt ist nicht nur sehr viel digitaler geworden, er ist auch immer mehr und mehr eigentümergeführt geworden. Das althergebrachte, internationale Agenturkettenmodell scheint zusammengebrochen.
Kobza: Ich sehe den Trend –ähnlich wie im Hotelleriebereich. Auf der einen Seite die großen Kästen, auf der anderen Seite die ‚Small Luxury'-Boutiquen. Kreation und Strategie lebt nur von Menschen, die zu dir kommen, wenn du sie anrufst und mit dir das Problem lösen. Und ähnlich wie bei Architekten zählt auch hier die Erfahrung; nicht umsonst ist Sir Norman Foster immer noch einer der besten Architekten unserer Zeit.

medianet:
Was sich bei den Auftraggebern auch verändert hat, ist der Anspruch nach Vereinfachung einerseits und anderseits nach mehr Content. Sie haben hier das Wort ‚Kreativredaktion' geprägt …
Kobza: … unser Job ist es, in einer komplexen Welt die Sachen einfacher zu machen. Der Großteil der heutigen Zeit ist oft zu verkopft, zu kompliziert gedacht. Die Mediennutzung ist auf Rekordniveau. Es wurden noch nie so viele Kommunikationsinhalte und gleichzeitig noch nie so viel Müll produziert. Werbetreibende müssen daher aufpassen, nicht noch mehr dazu beizutragen und am Ende mit der Botschaft nicht durchzukommen. Mit ein bisschen ‚Schrauben' an Strategie, Kreation und Qualität können kann man Weltmeister in der heutigen Zeit sein.

medianet:
Jetzt, am Höhepunkt der pandemischen Einschränkungen und Unsicherheiten – wie ist Ihre Prognose für 2021?
Kobza: Es ist zweifelsohne keine leichte Zeit für alle Unternehmen. Alle müssen Überdurchschnittliches leisten, um auch in zwei Jahren noch vorn dabei zu sein. Es gibt aber auch Branchen, die gestärkt und als Gewinner aus dieser Zeit hervorgehen werden. Wie etwa unser Kunde philoro, der einen Gold-Boom erlebt, Kunden mit Stärken im Digitalen, Handel, Regionalen, Gesundheitsbereich. Wir als Agenturgruppe stehen gestärkt da, hatten trotz allem ein besonders gutes Jahr. Ich mache mir daher null Sorgen, gehe aber natürlich auch mit offenen Augen und einer ordentlichen Portion Demut ins nächste Jahr: Nothing is for granted. Wir sind dazu da, das Momentum wieder anzukurbeln, wenn es wieder so weit ist.

medianet:
Also wird es auch Branchengewinner geben?
Kobza: Genau. Wir müssen nach vorn schauen. Unser Geschäft als Kreative und Marketer ist es, Marken und Unternehmen mit neuen Ideen und Spielzügen zu befeuern. Und sie mit einem neuen Feuerwerk 2021 wieder zu Gewinnern zu machen. Das ist unsere Aufgabe. (mab)

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