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Die Postille der stolzen Europiden
sabine bretschneider 11.05.2018

Die Postille der stolzen Europiden

Noch immer treibt die Aula ihr publizistisches Unwesen. Man darf sich jedenfalls wundern.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

SCHLUSS. „Unbequem im besten journalistischen Sinn”, nannte sie einst der Vizekanzler. Die Aula, das ist jenes Magazin, das der breiten Öffentlichkeit derzeit damit nähergebracht wird, dass KZ-Überlebende darin vor ­einiger Zeit als „Landplage” bezeichnet wurden. Stimmt. Wiewohl das ein Ausrutscher unter Dutzenden ist, den sich die völkische Postille in den letzten Jahren geleistet hat.

Die Landplagenaffäre hat zudem ein sehr interessantes thematisches Umfeld, das sich ein kurzes Aufwärmen durchaus verdient: Wohl hatte nämlich der OGH im Jänner 2017 im Verfahren um den Hetzartikel aus 2015 („Mauthausen-Befreite als Massenmörder”, „Landplage”, „Kriminelle” …) sowohl dem Magazin als auch dem Autor des Artikels untersagt, diese Aussagen zu wiederholen. Aber: Zur öffentlichen Affäre hatte sich die Geschichte erst entwickelt, weil die Staatsanwaltschaft Graz die diesbezügliche Anzeige der Grünen zunächst abgelehnt hatte. Die damalige Begründung der Staatsanwaltschaft: Es sei „nachvollziehbar, dass die Freilassung mehrerer tausend Menschen aus dem Konzentrationslager Mauthausen eine Belästigung für die betroffenen Gebiete Österreichs darstellte”, und es (…) sei „nach der allgemeinen Lebenserfahrung nachvollziehbar, da sich unter den Inhaftierten (unbestritten) Rechtsbrecher befanden”. Eine „Landplage” halt …
Ein paar Monate nach dieser Story veröffentlichte die Aula übrigens einen Beitrag, der die „Zuwanderung von Rassefremden in weiße Staaten” beklagte und die „Umvolkung”, die darauf abziele, „das überlegene europide Element durch Vermischung und Geburtenschwund politisch zu entmachten” und „jede natürliche Ordnung zu verhindern”.
SOS Mitmensch hat sich vor einiger Zeit die Mühe gemacht und auch einiges von dem Schmarrn gesammelt, den FPÖ-Vertreter wie Strache, ­Hofer, Haimbuchner und Vilimsky in der Aula abgesondert bzw. werblich unters Volk gebracht haben. Hier zum Nachlesen: https://bit.ly/2FZscfm

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