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Die Sorgenfalten der Datenkraken
sabine bretschneider 09.02.2018

Die Sorgenfalten der Datenkraken

An der DSGVO-Umsetzung werden wir uns noch die Zähne ausbeißen. Das spricht sich herum.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

 

ZU TODE GEFÜRCHTET. Die Datenschutzgrundverordnung, Gottseibeiuns der Online-Vermarkter, lässt nicht nur hierzulande die Köpfe rauchen. Auch jenseits des Atlantiks hat sich herumgesprochen, dass die Sache unter Umständen genau so heiß gegessen wird, wie sie die Köche innerhalb der Europäischen Union servieren. „Wall Street is beginning to worry about the effect of GDPR (EU-DSGVO, Anm.) on Facebook”, titelt das US-Businessportal Business Insider. Und: Ja, da macht man sich ganz zu Recht Sorgen. Dafür war die DSGVO ja auch gedacht. Zur Bändigung der US-Datenkraken. Nicht, wie man meinen könnte, um uns hier in Europa selbst ins Knie zu schießen, indem wir die Speicherung und Verarbeitung von Daten verunmöglichen.

Warum also sorgt sich die Wall Street? 20 Prozent der Facebook-User fallen unter die Verordnung, die im Mai in Kraft tritt. Sie alle müssen demnach klar und deutlich befragt werden, ob ihre Daten gespeichert bzw. weitergegeben werden dürfen. Im Lichte dessen, dass nach neuesten Zahlen die Verweildauer der User auf Facebook ohnehin sinkt – kumulierte minus 50 Mio. Stunden pro Tag in Q4 –, verunsichern weitere potenzielle Neinsager die Investoren ein bissl.
Zwar bedient Facebook schon jetzt die Neugier hinsichtlich Verwendung persönlicher Daten, aber die neuen EU-Richtlinien zwingen zu noch viel mehr Transparenz. Da werden wir uns noch wundern, was alles möglich war.
Dazu noch eine spannende Zahl: Von den täglich aktiven Usern auf Facebook kommen 184 Mio. aus den USA, aber 277 Mio. aus Europa. Zwar ist der Umsatz pro Europa-Kunde deutlich niedriger, aber die Facebook-Aktie reagiert auf negative Veränderungen beim Nutzerverhalten und auf leises Grummeln der Analysten traditionell recht sensibel.
Vielleicht ist zu Tode gefürchtet aber nicht gestorben – und es passiert gar nichts. Wer für ein kurzweiliges Spielchen am Handy den Datenoffenbarungseid leistet, dem ist das alles vielleicht schlicht und komplett vollkommen wurscht.

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