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Drucken ohne PDF? Unvorstellbar! © Druckerei Berger
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Stephan Jaeggi 17.03.2017

Drucken ohne PDF? Unvorstellbar!

Wie PDF/X-4 und PDF/X-6 bei Transparenzen punkten – und ob Sie das gesamte PDF-Potenzial nutzen?

Gastbeitrag ••• Von Stephan Jaeggi

MAC ODER PC? Wer schon einmal mit Anhängern der einen oder anderen Variante diskutiert hat, weiß, dass hier Weltanschauun­gen aufeinanderkrachen. Interessanterweise revolutionierte gerade dieser bis heute andauernde „Glaubenskrieg” die Druckwelt nachhaltig. Das Portable Document-Format, kurz PDF, sollte ein Schlüssel ­dabei werden.

Der Bedarf nach einem verbindenden Element zwischen Mac und PC war Anfang der 1990er groß. Während der Mac die Kreativszene erobert hatte, standen und stehen bis heute bei ihren Kunden überwiegend PCs. Das Problem: Eine Mac-Datei kam beim PC-User ganz anders an. Dazu erschwerten Dateigrößen und die geringe Leistung von Datenverbindungen den Austausch und die Datenabstimmung – eine harte Nuss für Kreativberufe und eine Herausforderung für Druckereien, die schließlich die Grafikdateien in Druckwerke umwandeln. Das erste PDF, das Adobe-Gründer John Warnock 1991 vorstellte, war eine Sensation, weil es erstmals ein einfaches Format mit einer vergleichsweise geringen Dateigröße produzierte. Damit konnten Grafiker ihre Werke „prepress” im PDF-Format publizieren und verschicken – das sparte Arbeitszeit und Botenfahrten. Allerdings waren vorerst nur RGB-Farben möglich.

Die schlaue Idee von Adobe

Erst 1996 wurde PDF durch die Unterstützung des CMYK-Farbmodus auch für die Druckbranche interessant. Mit der ersten ISO-Norm für PDF/X und seiner Nachfolgeversionen sicherte sich PDF endgültig seine Position als bevorzugtes Datenaustauschformat für Druckvorlagen. Die Entscheidung von Adobe, den dazugehörigen Reader kostenlos anzubieten, hat sicher ebenfalls dazu beigetragen, da jeder zu jeder Zeit und auf jedem Endgerät PDFs öffnen und lesen kann.

PDF/X-1a und PDF/X-3 sind über 15 Jahre alt und nicht mit den Funktionen moderner Layoutprogramme kompatibel. Sie haben keine Möglichkeit, Transparenz oder Ebenen darzustellen und unterstützen auch keine modernen Kompressionsverfahren wie JPEG2000.

Der neue PDF-Standard

Die aktuelle Version ist der PDF/X-4-Standard. Waren schon bei der Vorgänger-Version neben CMYK und Sonderfarben auch RGB-, Lab- und ICC-basierte Farbräume zugelassen, so punktet diese Version durch die verbesserte Übernahme von transparenten Objekten, auch aus anderen Grafikprogrammen als InDesign. Für 2018 ist die Veröffentlichung von PDF/X-6 vorgesehen. Dieser neue Standard für die Druckvorstufe wird auf PDF 2.0 basieren und eine verbesserte Definition bei der Verarbeitung von Transparenzen bringen.

Genauso wie ein Fahranfänger die PS eines Ferrari nicht nützen kann, ist die optimale Anwendung von PDF/X der Schlüssel für einen erfolgreichen und kostenoptimierten Workflow. Und zwar sowohl aufseiten von Grafik und Agenturen, als auch von Druckereien. Die häufigsten Stolpersteine in der Praxis: ­reduzierte Transparenzen, falsche oder ungenaue Definitionen, etwa von Beschnitt, Farben oder Druckverfahren sowie nicht korrekt eingebettete Bilder oder Schriften.
Der Verband Druck & Medientechnik setzt sich schon seit vielen Jahren für optimierte Druckprozesse ein. Aus dieser intensiven Zusammenarbeit entstand gemeinsam mit mir eine exklusive Seminarreihe für alle Entscheidungsträger und Mitarbeiter, die sich mehr zu PDF informieren und dessen Potenzial nutzen wollen. PFD Master Class II und PDF/X-4: der neue Standard für digitale Druckvorlagen, die jetzt im April in Wien stattfinden.

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