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Durchgriff bis in die letzte Excelzeile
Dinko Fejzuli 15.02.2019

Durchgriff bis in die letzte Excelzeile

Der Bundeskanzler will künftig selbst entscheiden, was die Statistik Austria wie veröffentlichen darf.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

BLENDGRANATEN. Von der Anzahl der forstwirtschaftlichen Betriebe in Österreich über Bruttoinlandsausgaben für Forschung und experimentelle Entwicklung bis zur Messung über den sozialen Fortschritt in Österreich kann man, sofern man will, aus den zahllosen Publikationen der Statistik Austria etwas erfahren. Aber nicht nur das. Die Statistik Austria, eine wichtige Quelle für uns Journalisten, macht seit 2000 als eine ausgegliederte Bundesagentur noch viel mehr – und genau das dürfte dem Kanzler ein Dorn im Auge sein.

Was kommt dann – die Nationalbibliothek?

Nicht die Abermillionen Zahlen, Daten und ­Fakten sind es, die die Schwarz-Blaue Regierung stören, sondern das, was die Statistik Austria via öffentlicher Kommunikation mit den Daten macht; nämlich, sie zu analysieren, interpretieren und diese gesellschaftlich oft relevanten ­Ergebnisse auch öffentlich zu präsentieren. Denn wenn etwa die Bundesregierung ständig trommelt, man müsse mehr für die Sicherheit der Bürger tun, die Statistik Austria aber gleichzeitig durch die Analyse ihrer Daten zeigt, dass etwa over all die Kriminalitätsrate sinkt, dann konterkariert dies die Kommunikation der Regierung.

Und genau diese Dinge soll es künftig nicht mehr geben, denn es kann ja nicht sein, dass etwa der Kanzler propagiert, den Bürgerinnen und Bürgern ginge es noch nie besser als unter der ÖVP-FPÖ-geführten Regierung, und die Statistik Austria aber unter Umständen gegenteilige Daten aus dem Sozialbereich publiziert.
Begründet wird übrigens die Neuorganisation und das wieder näher ans Bundeskanzleramt Führen der Statistik Austria mit dem Mantra des Sparens im System. Praktischer Nebeneffekt: Künftig entscheidet der Bundeskanzler, welche und ob überhaupt die Statistik Austria Zahlen veröffentlichen darf.
Und was kommt als Nächstes? Vielleicht möchte die Bundesregierung künftig auch darüber entscheiden, welche Bücher die Nationalbibliothek archivieren darf. Quasi als vorausschauendes Shapen der kommenden Vergangenheit.

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