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Ein Probelauf für die Zukunft
Redaktion 16.04.2021

Ein Probelauf für die Zukunft

Corona ist nur ein Testlauf. Das nächste pandemische „Virus” heißt Klimawandel.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

IGNORAMUS. Die wissenschaftliche Revolution vor knapp 500 Jahren „war keine, die auf Wissen basierte, sondern vor allem auf Unwissen”, schreibt Yuval Noah Harari („Eine kurze Geschichte der Menschheit”). Die große Entdeckung, mit der diese Revolution losgetreten wurde, war die Erkenntnis, dass wir die wichtigsten Fragen eben nicht beantworten können. Dazu gesellt sich in Wissenschaftskreisen die allgemeine Übereinkunft, dass es keine Theorie gibt, die nicht hinterfragt werden kann – und soll. Damit Vermutungen Fakten erzeugen. Dieser Zug zur Reflexion der eigenen Ansichten könnte in Zeiten wie diesen dem Trend zur überspannten Gereiztheit entgegenwirken, der mediale wie private Debatten prägt, egal ob es um die Bewertung von Ministern a.D. geht oder die einzig richtige ­Strategie zur Rettung des Wirtschaftsstandorts.

Apropos Wissenschaft: In der Schweiz läuft derzeit das Forschungsprojekt „Beweisstück ­Unterhose” (www.beweisstueck-unterhose.ch). Die staatliche Forschungsstelle Agroscope verschickt Baumwollunterhosen an Bauern und Gartenbesitzer; die Teilnehmer erhalten jeweils zwei Stück, die im Boden vergraben werden sollen – als Indikator für die Bodenqualität. Oder, wie es die Projektverantwortlichen beschreiben: „Je zerfressener die Unterhose, desto aktiver dein Bodenleben.” Laut Agroscope wird weltweit jedes Jahr eine Fläche zweieinhalb mal so groß wie die Schweiz so zerstört, dass sie für die Landwirtschaft unbrauchbar wird. Dem will man entgegenwirken. Dazu passt die neue WWF-Studie, die damit aufhorchen lässt, dass die EU auf Platz zwei hinter China im weltweiten Vergleich der „Waldzerstörer” landet. Hauptgrund: Der Anbau von Soja im ehemals tropischen Wald, das als Nutztierfutter importiert wird. Deutschland ist mit einem Lieferkettengesetz vorgeprescht, das Menschenrechte und Umweltstandards gewährleisten soll; Österreich will „diese Entwicklung beobachten”. Wenn man bedenkt, dass der Klimawandel keine Frist­erstreckung verträgt, sollten wir nachziehen. „­Unwissen” ist diesfalls keine haltbare Ausrede.

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