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Erdogan, der ­Journalisten-Retter
Dinko Fejzuli 25.10.2018

Erdogan, der ­Journalisten-Retter

Eines vorweg: Für den folgenden Kommentar käme ich in der Türkei vermutlich ins Gefängnis.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

KEHRVERTE WELTEN. Die brutale Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Ahmad Khashoggi war ein Paradebeispiel, dass man in unserer digitalisierten Welt schwer etwas spurlos verheimlichen kann.

Deshalb waren auch die Dementis, die von „Er hat das Konsulat verlassen”, über „Wir wissen nicht, wo er ist”, „Ok, er könnte tot sein” über „Ja, er ist tot, aber es war ein Unfall” bis zu „Ja, er ist tot, es war ein Unfall, aber wir haben damit ganz bestimmt nichts damit zu tun, das waren ein paar irre Agenten im Konsulat, die mit uns nichts zu tun haben” geradezu lächerlich und haben Stück für Stück für eine öffentliche Demontage der Glaubwürdigkeit eines Landes beigetragen, welche in puncto Menschenrechte ohnedies schon im Keller war.
Wir erinnern uns an den unsäglichen Sager der ehemaligen österreichischen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, wonach ja „nicht jeden Freitag in Saudi-Arabien” enthauptet würde ...
Geradezu erstaunlich ist in dieser ganzen Causa die Rolle des türkischen Präsidenten Erdogan, der sich plötzlich zum Rächer für ermordete Journalisten aufschwingen kann, während gleichzeitig in keinem Land der Welt bis auf Somalia, eben Saudi-Arabien und ähnlich gelagerte Diktaturen so viele Journalistinnen und Journalisten nur dafür, dass sie ihren Job machen, im Gefängnis sitzen.
Wollte Erdogan wirklich etwas für eine freie, unabhängige und kritische Presse tun, sollte er in seinem eigenen Land anfangen, und die Hunderten Journalisten freilassen, die wegen konstruierter Anschuldigungen zum Teil jahrzehntelange Haftstrafen absitzen müssen.

Rangliste der Pressefreiheit

„Reporter ohne Grenzen” veröffentlicht jedes Jahr eine Rangliste der Pressefreiheit. Ganz oben, also Länder, in denen Pressefreiheit herrscht, liegen in 2018 Norwegen, Schweden und die Niederlande. Österreich liegt hier auf Platz 11 – übrigens hinter Costa Rica. Saudi-Arabien belegt Platz 169 und die Türkei Platz 157 von 180.

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