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Facebooks Politik-Ambitionen
Dinko Fejzuli 18.05.2018

Facebooks Politik-Ambitionen

Nun führt der Gigant auch in der Schweiz den umstrittenen „I’m a Voter”-Button ein.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

PUPPENSPIELER. Am 20. Oktober 2019 wird in der Schweiz ein neues Parlament gewählt. Das ist an sich nichts, was uns in Österreich unmittelbar betreffen sollte. Doch das tut es, denn wenn es nach Facebook geht, dann möchte der Webgigant, so wie in vielen anderen Ländern auch (Stichwort russische Beeinflussung von US-Wahlen), den Button, der Wahlberechtigte daran erinnern soll, wählen zu gehen, und der auch anzeigt, wer von den eigenen Facebook-Freunden schon wählen war, in der Schweiz einführen.

Was ist schon schlimm daran?

Natürlich könnte man sich fragen, was denn daran so schlimm sein soll, dass das größte Soziale Netzwerk der Welt seine User dabei ermuntern möchte, sich am demokratischen Prozess zu beteiligen und wählen zu gehen.

Nichts, würde ich antworten. Doch das allein macht Facebook natürlich nicht und das Problem ist folgendes:
So wie bei allen anderen Postings von Freunden, die wir in unserer eigenen Timeline sehen, entscheidet nur Facebook, was wir dort zu sehen bekommen. Hier ein kleines Beispiel: Schreibe ich etwa etwas Facebook-Kritisches, wird es Facebook vermutlich nicht weit verbreiten, denn: Durch diverse Algorithmen entscheidet Facebook, je nach Inhalt, ob es opportun ist, den Post zu verbreiten oder nicht.
Das Gleiche passiert mit dem Wahl-Button: Facebook weiß – via die von uns geposteten Inhalte – relativ genau über unsere politische Einstellung Bescheid, und es ist ein Leichtes für sie, jene User zur Wahl aufzurufen, von denen sie annehmen, dass deren Wahlverhalten für Facebook genehmer ist, als etwa jemand, der mehr Reglementierung für Facebook & Co. fordert.
Interessantes Sidefact: Laut einem Artikel im englischen Guardian soll der Button in Österreich bereits im Einsatz sein. Also ich habe ihn noch nie zu Gesicht bekommen – und genau das ist das Problem: Dass am Ende Facebook entscheiden könnte, Wähler mit welcher politischen Einstellungen überhaupt zur Wahl gehen sollen.

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